«Natürlich sind Shitloads of Pow immer noch die Highlights.»

Interview mit Ride&Glide Ambassador Reto Kestenholz

Vor Kurzem haben wir euch hier die Ride&Glide Ambassadoren vorgestellt. Wir werden diese nun ausquetschen und ihr erfährt Infos über sie persönlich, über ihre Projekte im Snowboarden und über ihre Verbindung zu Ride&Glide. Heute mit Reto Kestenholz.

Reto Kestenholz in seinem geliebten Territorium, Foto: David Birri

Eine deiner Hauptaktivitäten ist Snowboarden. Was machst du neben dem Snowboarden, wie finanzierst du dir deine Tage im Schnee?
Ich verdiene Millionen mit dem gelegentlichen Schreiben für eine uns allen hier bekannte Onlineplattform... Nein öh, ich weiss eigentlich selbst nicht genau, wie das funktioniert mit meinem Finanzhaushalt, denn abgesehen von meinem Hauptsponsor Zimtstern, welcher mir mit einem minimalen Budget hilft, im Winter Zeit frei zu halten für's Riden und Shooten, habe ich momentan keine fixen Einkünfte mehr. Ein Shapejob steht an für'n Event und vielleicht kommen spontan noch Aufträge rein für kommerzielle Werbeshootings oder so, doch damit darf ich nicht rechnen. Anstatt «will ride for money» – was ich immer noch gerne tun würde – heisst's vielleicht schon bald «will dance for food» oder so, wenn ich mich als Strassenkünstler versuche...

Nein im Ernst, ich lebe momentan teils auch von Erspartem, damit ich mich möglichst wenig verpflichten muss im Winter – nur so ist man auch genügend flexibel um seriös mit Cams arbeiten zu können. Doch ich bin mich durchaus auch am Umschauen nach Gelegenheitsjobs abseits der Berge. Habe letzten Sommer und Herbst in Ferienlagern mit Kids im Wald gearbeitet, wo viel gespielt, gebastelt und immer über'm Feuer gekocht wird – auch ein gutes Erlebnis! Vielleicht werde ich in Zukunft auch mal als Skatecoach bei Gorilla.ch tätig sein oder mit Greenpeace Schulbesuche machen, bin für vieles offen – lasst mich wissen, wenn ihr 'was für mich habt...

Was machst du, wenn du nicht gerade in den Bergen am shredden oder shapen bist?
Ich habe viele Instrumente zu Hause, welche garantieren, dass es mir nie langweilig wird. Sie dienen auch zur Entspannung, wenn ich mich wieder mal über meine schlechte Compi- und Internetausrüstung nerven muss, welche alles andere als optimal, doch günstig ist... Aber ja, ich könnte schon viel effizienter mit Bildmaterial, Mails, an Recherchen, Berichten und Interviews wie hier arbeiten, was doch relativ viel meiner Zeit beansprucht. Ansonsten bin ich auch interessiert, was in der Welt und Gesellschaft so abgeht, bilde mich gelegentlich über Zeitungen und das Netz weiter, informiere mich. Doch die beängstigenden Tendenzen und Fakten werden mir in verschiedener Hinsicht auch oft zu viel, dann geniesse ich es auch im Unterland draussen zu sein, ob beim Skaten, am See oder an Konzerten – Ablenkung ist wichtig!

Homemade Splitboard, Foto: Reto Kestenholz

Was sind deine Pläne für diese Saison? Auf was freust du dich am meisten?
Wie Julian (Fürsinger) auch schon gesagt hat, sind natürlich Shitloads of Pow immer noch die Highlights. Freue mich über mein neu gebasteltes Splitboard mit dem ich sicher ab und zu mal Ruhe und jungfräuliche Faces suchen werde. Vielleicht kommt es zu einem Filmprojekt mit einer Walliser Gang, doch das ist zur Zeit noch ungewiss. Wir haben mit Ride GreenerEvents geplant, üblicherweise gibt's jedes Jahr ein Gorilla Meet and Greet und vielleicht noch weitere Tage im Schnee mit Kids, welche ich gerne coache. Jetzt soll aber erstmal Schnee bleiben, ich war 2015 noch schwitzend in Brunau skaten...

Foto: Dominic Zimmermann

Welche Einflüsse hattest du auf den Movie «Steps»? Was steht beim Projekt Ride Greener im Moment an?
Ich hätte gerne schon bei den Dreharbeiten zu Steps mehr gefilmt und im Schnitt Einfluss genommen. Meine Kritik konnte dort nur teilweise berücksichtigt werden und gewisse kleine Details stören mich somit halt immer noch beim schauen des Movies. Doch grundsätzlich bin ich extrem dankbar, dass wir den Streifen rausbringen konnten, leider sieht's schlecht aus für ein Nachfolgeprojekt. Doch Website und die oben erwähnten Events laufen eh weiter und wurden auch ausgebaut! Ich denke, wir konnten mit Ride Greener viele Leute erreichen, sensibilisieren und mit einer Initialzündung etwas in Gang bringen, dass sich nun von selbst beschleunigt und über Interessierte weiter entwickelt.

Du machst sehr viel, um deinen ökologischen Fussabdruck möglichst klein zu halten. Welche drei Dinge fallen dir leicht um dies zu erreichen und auf welche drei Dinge kannst du nur schwer oder gar nicht verzichten?
ÖV – der Klassiker und wichtigste Punkt – ist wirklich gar kein Problem hierzulande, da habe ich mich super daran gewöhnt und weiss die vielen Vorteile zu schätzen! Auch kaum heizen und warm anziehen zu Hause ist easy und normal geworden, wie eine sehr bescheidene Ernährung, meist vegetarisch bis vegan. Nur das viele Bier trinken fällt mir schwer abzugewöhnen, da plagt mich oft das schlechte Gewissen beim Dosenkonsum unterwegs. Auch Computer und TV könnten weniger On sein, doch die laufen doch mehrheitlich zwecks Arbeit oder Bildung – irgendwie vertretbar. Meine Old School CD-Sammlung wächst zwar nicht mehr wesentlich weiter, doch macht halt auch grundsätzlich nicht mehr so viel Sinn im digitalen Zeitalter.

Dein Sponsor Zimtstern engagiert sich für eine nachhaltige Produktion von ihrem Stuff. Auf was sollten sich die Leute beim Einkauf von Wintersport Ausrüstung deiner Ansicht nach achten?
Ich find's äusserst wichtig, dass man die heutigen Optionen von ökologisch und sozial vertretbar produzierter Ware nutzt! Dazu helfen qualitativ hochwertige Produkte ebenfalls wesentlich die Umweltbelastung zu reduzieren, wenn sie langlebig sind und entsprechend genutzt werden. Es ist sicher ein sinnvoller Bereich, um gezielt zu investieren, resp. kann man auch sparen, wenn z.B. eine Hose fünf Jahre hält und nicht nach einer Saison schon durch ist. Denn langfristig ist eh klar, dass wir lieber heute in umweltfreundliche Gegenstände investieren, statt die wohl deutlich höheren Folgekosten später tragen zu müssen.

Foto: Zimtstern, zimtstern.com

Zum Projekt RideAndGlide. Warum engagierst du dich für das Projekt und wie oft bist du selber mit dem Zug unterwegs?
Die Beweggründe sollten glaub klar sein. Das Video widerspiegelt ziemlich gut mein Leben «on the (Railway) Track». Ich bin glaub ein gutes Stück mehr «Unterwegs zuhause» als die Menschen auf den SBB Plakaten und habe wirklich schon fast alles mehr oder weniger plakativ erlebt, was auch in unserem Clip gezeigt wird. Vom Schrauben oder Tunen am Board über's Gitarre Spielen bis zu unzähligen kleineren und grösseren Mahlzeiten, natürlich schlafen, Toilette inkl. waschen und Zähneputzen im Zug oder am Bahnhof!

Hattest du bereits ein Erlebnis im Zug, das du so schnell nicht vergessen wirst?
Viele! Z.B. nach einem Podestplatz am freestyle.ch habe ich ein paar Flaschen Wein gekauft an der klassischen Tanke und bin dann mit glaub gegen zehn Leuten feiernd nach Hause – resp. erst noch zu Luki Blaser – gefahren. Nicht alle hatten ein Ticket, die Zugbegleiterin war voll easy, wir haben lange mit ihr gesprochen und sie dann mit einigen von uns beim Stop in Bern eine Zigi geraucht. Dann habe ich ihr zum Dank noch meine erste und einzige «Hunt&Gather» DVD (Dedicated Movie) frisch ab Presse geschenkt und das super spontane Fest ging (noch lange) weiter.

Siehst du Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Projekten RideAndGlide und Ride Greener?
Ja klar, wir ziehen natürlich am selben Strick, haben die gleichen Vorschläge und Ziele! Ride&Glide stützt die Tips von Ride Greener mit eindrücklichen und klaren Zahlen – harten Facts – und erreicht wohl noch ein breiteres Publikum mit ihrem Netzwerk und den grossen, auch finanziellen Möglichkeiten.

Dein letztes Wort für heute
Hab wohl eh schon wieder viel zu viel geschrieben... Ride on, but ride greener! Der Umwelt und dem Frieden auf Erden zuliebe.

Vielen Dank Reto für das ausführliche Interview! Mehr Infos über ihn und Ride Greener findet ihr hier.

Foto: Zimtstern, zimtstern.com
VERÖFFENTLICHT 20.01.2015
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Kommentare (02)

Rageto (38) 23.01.2015

@snilek: hi, kenne mich da leider auch nicht aus, ob es eine natürliche art harz gibt zum abdichten - viel braucht es glaub nicht. wie im DIY split beitrag erwähnt haben wir eine art 2komponenten kleber benutzt, vielleicht mal suchmaschinen starten für ökologisch varianten davon... viel erfolg und sonst lass wissen hier, wenn du was vernünftiges gefunden hast! cheers


Anonym
Anonym
snilek
21.01.2015

Ich bin gerade ein altes Board am bearbeiten, das Ziel wäre ein Fisch zu schneiden oder es zu spliten. Also die Idee und das Board sowie das Werkzeug ist da, was mir noch fehlt ist eine Abdichtmöglichkeit, damit mein Board nicht durchnässt wird. Gibt es da eine grüne Variante oder muss ich wirklich auf PVC zurückgreiffen?

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