Punk Rock'n'Roll Roots

Wie in den 50ern alles begann oder was eigentlich schon immer im Menschen schlummerte und sich auch von Neuem wieder anstauen und entladen wird...

Wie Punk ist Rock'n'Roll?

Es ist heute wohl nicht ganz einfach nachzuvollziehen, wie anfangs der 50er Jahre die Verschmelzung von Rhythm & Blues (kurz R'n'B) und Countrymusik auf's Establishment gewirkt haben muss. Doch in dieser Zeit wurden ebenfalls schon fies verstrickte Tabus gebrochen und gänzlich neue Bewegungen geschaffen, welche von einer Generation ausgingen und die nächst ältere gehörig zu schockieren vermochte.
Dies geschah damals noch weniger über Kleidung, als vielleicht einen bestimmten Haarschnitt und dem frechen Tanzstil, der sich zu der – gegenüber früher – nun deutlich schneller gespielten Musik entwickelte. Die Message in den happy Lyrics war kaum eine politische, es ging darum Spass zu haben, weniger zu arbeiten, mehr zu feiern und natürlich – zu etwa 99% – um Mädchen, Liebe, Sehnsucht und Trauer.
Doch ein wichtiger Gesellschaftlicher Aspekt war sicher, dass über die Fusion von «schwarzem» Blues und «weissem» Counrty/Hillbilly auch die Rassentrennung sich weiter entspannte, da Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und Herkunft die Anfänge des Rock'nRoll fast gleichermassen prägten und der neue Stil nur dank Elementen verschiedener Kulturen entstehen konnte.

Bill Haley and His Comets 1954 bei ihrem ersten Fernsehauftritt.
Von Haley und Little Richard über Elvis bis Johnny Cash

Ich möchte hier doch noch mal kurz auf den netten chronologischen Rhythmus verweisen, den ich in meinem letzten Beitrag zum Thema Punkrock abgewertet habe. Anscheinend war es vor '94 (Durchbruch Sk8-Punk) und '74 (Gründung Ramones, Richard Hell's Neon Boys, Bildung der Sex Pistols) tatsächlich '54, als Rock'n'Roll erstmals ein breiteres Publikum erreichte und berührte. Dies ist eigentlich wirklich scheissegal, doch dient vielleicht als Gedankenstütze, wenn du mal bei Kumpels mit deinem Wissen in Musikgeschichte angeben möchtest...
Bill Haley and His Comets wurden – nach früheren kleinen Erfolgen – mit dem Wechsel zu einem grösseren Plattenlabel, welche ihren im Frühling 1954 aufgenommenen Hit Rock around the Clock entsprechend pushen konnten, schlagartig berühmt. Zuerst mit guten Verkäufen, nachdem sie im Radio über DJ-Promo häufig gespielt wurden, später – ab 1955 – auch durch Filme, in welchen ihre Songs gefeatured waren.
Zur selben Zeit feilte Little Richard mit seiner neuen Liveband The Upsetters an noch härterem Sound seines eh schon revolutionär schnellen R'n'B Programmes, geprägt von seinem exzessiven Klavierspiel. Wie er kam auch Chuck Berry über Gospel und Blues zu seiner neuen Vorliebe und fand schlussendlich zu einer extrovertierten Bühnenpräsenz, die erst später von Weissen entdeckt und imitiert wurde.

Auch Elvis Presley schlich sich als Junge in afroamerikanische Gottesdienste und freundete sich mit der prägenden Musik und deren Vertretern an, bevor er dank seiner einzigartigen Stimme zum King of Rock'n'Roll avancierte und als Pionier des «Rockabilly» gelobt wurde. Um so interessanter, dass ihm bald unchristliches Verhalten vorgeworfen wurde, da er es mit seinem sexy Hüftschwung schaffte, eine ganze Generation in Verruf zu bringen, die sich anderen Werten verschrieben und eine neue Moral zu vertreten schienen.

1955 noch im Vorprogramm von Elvis, hatte auch J.R. Cash seine ersten grossen Auftritte und manövrierte sich mit dem Künstlervornamen Johnny in eine steile, moderne Art Country-Karriere, wohl auch inspiriert von den damaligen Aushängeschildern der Rock'n'Roll Szene.

An den Beispielen dieser Künstler ist doch schon deutlich zu erkennen, wie gross und wichtig der Einfluss aus den 50ern bis heute geblieben ist!

Ursprünglich Symbol der Royal Air Force, wurden unter dieser «Flagge» bald auch britisch interne Klassenkämpfe ausgefochten
British Invasion

Spätestens wenn man bedenkt, dass auch in der Popgeschichte als wichtigste Bands geltende Vertreter zuerst «nur» Rock'n'Roll (Covers) gespielt haben, wird das Ausmass der Errungenschaft Mitte des 20. Jahrhunderts klar. Die amerikanische Musik ist 1957 längst auch schon in England angekommen, als sich dort Paul McCartney und John Lennon bei einem Konzert der High School Band von letzterem kennen gelernt haben. Beide Fans von Eddie Cochran, begannen bald gemeinsam Songs zu schreiben, welche sie in Lennons Projekt The Quarrymen einfliessen liessen. Als dort ein Jahr später auch noch George Harrison dazugestossen ist, waren die frühen Beatles geboren und diese produzierten erste Aufnahmen, welche in den späten 50ern auf Schellackplatten gepresst wurden. 1960 folgten dann Auftritte unter dem Namen Silver Beatles, welcher schon den merklichen Einfluss der englischen Beat-Musik – als Weiterentwicklung des Rock'n'Rolls – unmissverständlich deuten sollte.
Noch unverhoffter traffen sich 1961 Mick Jagger und Keith Richards, welche im folgenden Jahr die Rolling Stones gründeten. Dies nachdem sie anfänglich gemeinsam Platten von Chuck Berry & Co. analysierten und selbst begonnen haben, Rock und Blues zu spielen.

Eine dritte – etwa durch gelegentliche Zerstörung ihrer Instrumente – auffällige und wichtige Band der musikalischen, britischen Invasion in den Staaten, waren The Who, welche an der Seite ihrer Mitstreiter erstmals ihre Vorbilder von den US-Chartlists zu verdrängen mochten, was wirklich neu und somit ungewohnt war in Amerika!

Letztere standen mit ihrem Hit My Generation für die Subkultur der Mods ein, welche sich durch einen eigenen Kleidungsstil einerseits der klaren Zuordnung zur «Working Class» widersetzen wollten, andererseits aber auch gegenüber Generationen und sich allmählich verfeindenden Gangs klar abzugrenzen versuchten.
An diesem Punkt wurde die schrille Musik der jüngeren Leute nicht nur noch populärer, sondern verband und stützte gar einen (gewaltbereiten) Teil der Jugend, welche sich mit ihren Anliegen auf die Strasse traute und definitiv einen grossen Stein in's Rollen brachte.

Und sie Rocken immer noch! Auch wenn Geld sicher eine wesentliche Rolle spielt, so muss es doch irgendwie auch Spass machen, 50 Jahre über immer wieder auf Bühnen zu stehen und unzufriedenheit auszudrücken. Jagger, Charlie Watts und Ron Wood

Punk kann vieles bedeuten, vieles kann Punk sein

Ab mitte 60er begann ein Wechselspiel zwischen Ländern und Kontinenten, wo sich über Medien Kulturen beeinflussen und verbinden, aber auch als Gegenspieler in Szene setzen konnten. Mit Hilfe wirtschaftlicher Interessen sind Superstars geschaffen worden, wie es sie heute kaum mehr gibt und vielleicht in Zukunft auch nicht mehr geben kann...

Während mit MTV & Co. und im frühen Internet Karrieren massgeblich beeinflusst werden konnten, scheint es mittlerweile nicht mehr einfacher, klare Sparten zu bilden und grössere Bewegungen zu Formen – zu versplittert sind die fein unterteilten Stilrichtungen, alles ist sofort und jederzeit abrufbar und mehrheitlich kurzlebig.
Vielleicht ist dies mit ein Grund, warum sich im genannten Rhythmus nicht wieder was Neues abzeichnet, eine wünschenswerte Revolution, von Schillernden Figuren an Instrumenten angetrieben, welche die Jugend nachhaltig zum Denken anregt.
'55 sprengte eine Spassgeneration Tabus und liess die Gesellschaft vielleicht allgemein ein bisschen lockerer werden; '77 wurde einfachstes, politisches und kulturelles Engagement definitiv jedem «Punk» zugänglich gemacht; '94 gab's davon ein eher wieder gesittetes Revival, wo mit «Fun-Punk» oft auch eher die simplen Freuden des Lebens betont wurden. Der Nährboden wäre heutzutage nach Wirtschaftskrisen und mit ökologischen Monsteraufgaben auf jeden Fall gegeben und es bleibt zu hoffen, dass sich die Jugend formiert, ein offensichtlich falsches System mit Wucht und Krawall niederschmettert, begleitet von mobilisierenden Hymnen, die auch letzte Zweifelnde übers Tanzbein in Bewegung versetzt!

Punk war und bleibt immer eine Abgrenzung, sei es als Luxusproblem oder mangels Perspektiven – no Future:

Lasst es uns besser machen als die vorherige Generation, das Leben muss mehr zu bieten haben und was wir zur Zeit hier vorfinden, kann's einfach nicht sein!"

Doch schlussendlich: It's only Rock'n'Roll – nicht mehr und nicht weniger.
Und dieser Begriff umschreibt ja ursprünglich ziemlich direkt den Geschlechtsakt, den man sich durch Musik (-Performance), Tanz und andere Kunststücke «erarbeitet», um's mal wieder nüchtern auszudrücken. Ganz klar im Kopf zu sein ist aber nicht immer das Ziel, Ekstase wird leicht durch Bewegung erreicht, wenn auch oft ergänzt von Rauschmittel. Cool wer's ohne schafft und sich eben auch mal auf seinem Skate-, Surf- oder Snowboard Kicks holen und den vielleicht nötigen Respekt einheimsen kann, statt tagelang in Drogen zu versumpfen.

Wie auch immer, Boardsports und Punkrock werden auf jeden Fall immer eine bewährte Kombination bleiben, von Beach Boys' Surfsound bis zu Sk8punk und darüber hinaus hat sich diese Verwandschaft stets bewiesen.

Long live Sex, Boards and Rock'n'Roll

Nun aber zum Abschluss noch mal ein musikalisches Phänomen der Extraklasse, stellvertretend für all die unterbewerteten Genies, die zu genial waren für die Masse und es somit kaum zu breiter Bekanntheit in (jüngeren Generationen) der Gegenwart geschafft haben: Der äusserst schwer einzuordnende Frank Zappa ist für mich eine lange, doch leider nicht mehr lebende Legende, einer der wenigen (Anti-)Rockstars aus dieser frühen Zeit und Rockgeschichte überhaupt, der immer einfach nur genau sein Ding durchgezogen und es damit geschafft hat, sich einige Jahrzehnte über Wasser zu halten.

Viel Spass mit einer weiteren Inspirierenden Doku, die vieles in' Schatten stellt!

THEMA News / Musik
VERÖFFENTLICHT 11.07.2014
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