Powderboard Special – mit Ride Snowboards

Das passende Board für die tiefen Powdertage noch nicht gefunden? Wir helfen Dir dabei!

Die Treerun Tage sind leider langsam gezählt und es braucht doch ein wenig mehr Höhe und die richtige Exposition um an schönen Powder zu kommen. Nichtsdestotrotz ist Frau Holle noch lange nicht im Sommerschlaf und bei ihrem Frühlingsputz gibt es noch einige Kissen zu schütteln, so dass uns hoffentlich noch viele herrliche Powlines erwarten. Eigentlich die ideale Zeit, um über die Anschaffung eines neuen Powderboards nachzudenken, die mittlerweile schon günstiger in den Regalen liegen. In den tiefen Höhlen von Ride Snowboards in Seattle zauberten die Magier und schwitzten die Orks, um euch ein paar ganz spezielle Leckerbissen zu präsentieren. Reto Kestenholz‘ dicke Powder-Bertha und Jake Blauvelt’s Multi-Biest durften wir uns in den tief verschneiten Feuerbergen unter die Füsse schnallen, um euch deren Talente zu offenbaren.

Der Meister Jake Blauvelt himself auf seinem Berzerker, Photo: Ride Snowboards

Ride Slackcountry – Die dicke Powder Bertha

Der Hinweis sei angebracht, dass es sich bei diesem Review um die 162cm Wide Version des Ride Slackcountry handelt. Auch wenn die verschiedenen Längen und Breiten in Sachen Technologie gleich sind, gibt es bei den Wide Versionen einen kleinen aber entscheidenden Unterschied. Wie der Name schon sagt sind die Dinger breit und ich meine BREIT, also so richtig, «Big Momma» breit, mit einer Breite von 28cm beim 162er. Alle die jetzt denken «Mist, dafür brauche ich Schuhgrösse 52», hiergeblieben! Auch wenn für die Bigfoot-Fraktion unter euch dieses Board wahrscheinlich den Schlüssel zu Freeridespass darstellt, so ist dies keineswegs (die einzige) Absicht, die Ride mit den dicken Slackcountry’s verfolgt. Sie haben lediglich verstanden, dass Fläche = Auftrieb und fehlendes Anhängen mit Fersen und Zehen an vorbeiflitzendem Pow = weniger Widerstand = mehr Surffeeling bedeuten, was sicher auch TLF Powder-Matador Reto Kestenholz zu verdanken ist.

Die ganze Fläche sollte auch noch richtig verteilt und geshapet sein, damit man das Gefühl von schweben bekommt, was beim Slackcountry durch das Highrize Rocker Profil gewährleistet wird. Das heisst so viel wie massiver Rocker in der Nose für biblischen Auftrieb, leicht abgeschwächter Rocker im Tail für mehr Kontrolle und eine überschaubare flache Sektion zwischen den Füssen für Stabilität. Um euch vor Vibrationen zu schützen verwendet Ride Slimewalls Seitenwangen aus Urethan, die praktischerweise auch noch fast unzerstörbar sind und euer Slackcountry vor Steinen schützen. Das Topsheet besteht komplett aus nachhaltigem Hanf. Nicht nur, dass ihr mit dem Hempbrain Topsheet euer Umwelt etwas Gutes tut, ihr bekommt gleichzeitig auch noch ein leichteres und widerstandsfähigeres Deck.

Ride Slackcountry - Der Gruss an die Zuhause gebliebenen liess sich nie einfacher vermitteln - Wish you were here!

Die ersten Minuten mit dem überbreiten Slackcountry unter den Füssen fühlen sich schon etwas eigenartig an. Vom Lift zum Pulver merkt man, dass es etwas mehr Arbeit benötigt um Druck auf die Kanten zu bringen, selbst mit Schuhgrösse 44. Man gewöhnt sich jedoch schnell daran und durch den mittelharten Flex macht das Fahren auch auf der Piste irgendwie Spass, trotz den, durch die Breite, etwas langsameren Kantenübergängen. Das wahre Aha-Oho- oder besser gesagt Wow-Erlebnis kommt aber erst auf, sobald man in die erste Powder-Line droppt. Alles ist irgendwie vertraut, das Board fühlt sich trotz Setback eher an wie ein Twin, nichtsdestotrotz ist das Fahrgefühl eine komplett andere Welt. Es gibt nichts, was euch bremst, die Turns fühlen sich nach surfen an, der Auftrieb ist trotz fehlendem Taper oder Fish Bauweise erheblich besser als mit einem vergleichbaren, schmaleren Powderbrett. Begeisterung pur! Auch wenn ich noch nie Eines gefahren bin, stelle ich mir das Gefühl, auf einem Reverse Sidecut Board durch den tiefen Powder zu schweben so ähnlich vor, und dabei habe ich immer noch ein Snowboard unter den Füssen, dass mich über den harten Schnee ins Slackcountry (aka. Sidecountry, engl. für einfach zugängliches Off-Piste Gelände) bringt. Durch den fehlenden Taper und den zwar kleineren, aber immer noch prächtigen Rocker im Tail lässt sich das Slackcountry als eines der wenigen Powderboards im tiefen Schnee auch wirklich switch fahren, ohne dass ihr mit eurem Schwerpunkt permanent über der Nose hängen müsst. Durch das zusätzliche Material, dass für den herrlichen Auftrieb verantwortlich ist wird das Board logischerweise etwas schwerer und auch in Sachen Pop spielt es nicht in der ersten Liga mit. Damit lässt es sich aber leben, da man für die Airtime einfach mehr Speed zu Verfügung hat mit diesem dicken Powdercompagnon. Die Landungen sind dafür durch die grosse Fläche und das stabile Flat zwischen den Füssen schon fast schlafwandlerisch sicher.

Das Slackcountry ist ein Board für Powder und den Weg dorthin, Punkt. Auf dem Weg zum Powder macht es Spass durch das spezielle Fahrgefühl und ich wage zu sagen, dass auch Leute mit kleineren Füssen (Testrider mit kleinster Schuhgrösse hatte EU 41) keine Angst davor haben müssen dieses Board nicht auf die Kante zu bringen, wenn es auch etwas mehr Kraftaufwand braucht. Im Powder wird das Slackcountry zum Surfboard für entspannte Soulturns oder agressive Slashes, die durch das grosse Tail fast unweigerlich im riesigen Powdernebel enden – yeehaaa! Ein nie da gewesenes Fahrgefühl, anders als mit allem was ihr bis jetzt im Powder gefahren seid ist garantiert und trotzdem werdet ihr euch sofort zu Hause fühlen auf dem Slackcountry. Wer noch nicht hat, unbedingt mal ausprobieren! Und danke an Ride, der Industrie zu zeigen, dass Powderboards wirklich breit sein dürfen.

Ride Berzerker – Das Schweizer Taschenmesser der Powderboards

Jake Blauvelt ist einer der vielseitigstens Fahrer überhaupt und wer’s noch nicht gesehen hat sollte ihn sich in Naturally oder in Oakley’s Snowboarding: For Me unbedingt anschauen. Auch Jake’s Signature Modell, das Ride Berzerker versucht in die Fussstapfen der Vielseitigkeit seines Meisters zu treten.

Das soll gelingen durch einen Hybrid All Mountain Shape, bei dem ein Rocker in der Nose kombiniert wird mit einem Micro-Camber Profil, das sich von der vorderen Bindung bis zum etwas flacheren Tail erstreckt. Damit ihr bei hohen Geschwindigkeiten nicht ein Opfer von unschönen Schlägen werdet, wurden auch im Berzerker die Slimewalls verbaut. Um das Board trotz des mittelharten Flex auch bei Überschallgeschwindigkeit leichter kontrollieren zu können, besitzt das Berzerker die Carbon Array 3 Konstruktion. Diese Karboneinlagen, die man durch das durchscheinende Topsheet anschaulich sehen kann, verteilen die Kraft von der Bindung zu den Kanten an den Kontaktpunkten und machen das Board verwindungssteifer. Um den Pop zu steigern, ohne dass dafür am Flex geschraubt wurde, sorgen die Pop Rods 2.0. Pop Rods sind Karbonröhren, die in der Nose und im Tail eingelassen sind und den Pop steigern ohne dabei zusätzliches Karbon in den Mittelteil des Boards einzubringen. All diese Technologie basteln die Damen und Herren aus Seattle um einen traditionell bewährten Holzkern und fertig ist Jake’s All-Mountain Biest.

Ride Berzerker

Während den ersten Tests zeigte sich Frau Holle geizig und das Berzerker musste sich auf harten Piste und in Parks austoben. Dabei teilten sich die Meinungen der Tester. Die einen lobten seine stabile und laufruhige Art, wohingegen die anderen es für ein wenig zu sehr gedämpft hielten. Dafür verantwortlich sind wohl die Slimewalls und entweder man mag sie oder man mag sie nicht. Ist man allerdings ein Fan hoher Geschwindigkeiten, ist genau diese Dämpfung der Schlüssel zu einem ruhigen, kontrollierbaren Fahrverhalten und totgedämpft ist das Berzerker garantiert nicht. Durch den Rocker in der Nose frisst sich das Berzerker nicht allzu agressiv in die Turns, man kann aber durch den Camber herrlich aus den Kurven rauspowern. Das Ganze wäre aber kein Powderboard Special, wenn wir nicht beim ersten Südstau das Berzerker nochmal unter den Arm genommen hätten um es dort zu testen wo Jake Blauvelt abgeht wie eine Kanone. Durch den moderaten Rocker in der Nose hält sich das Brennen im hinteren Oberschenkel in Grenzen, etwas mehr Arbeit wird aber vom «Muskulus Powderus» doch erwartet. Und auch im weichen, steilen Terrain macht sich das Wesen des Berzerkers bemerkbar, dass offensichtlich auf hohe Geschwindigkeiten steht. Die Kurvenradien wurden immer grösser und das Tempo immer höher. Die Pop-Rods geben der Sache genügend Schmackes damit Schneeverwehungen zu Abschussrampen mutieren und die Landungen sind durch den Camber sehr stabil. Switch Landungen funktionieren mit genügend Gewicht auf der entgegengesetzten Seite tadellos. Durch den fehlenden Rocker im Tail wird man sich jedoch schnell die nächste Absprungrampe suchen um wieder in Fahrtrichtung zu drehen.

Sucht ihr ein All-Mountain Board, dass einen erfolgreichen Mittelweg geht, dann ist Jake Blauvelt's Berzerker eine gute Wahl. In den Parks und an Nix-Powder Tagen gibt es sich stabil und fehlerverzeihend, ohne die gesamte Agressivität zu verlieren und soll laut den Parkratten von Kickern bis Rails Spass machen, wenn auch es keine reine Parkmaschine ist. An Powdertagen schreit es nach Geschwindigkeit und Anhänger von schnellen weiten Turns, die in eine Powline auch gerne ein Quäntchen Freestyle und Slashes einbauen, werden um ein zufriedenes Grinsen nicht herumkommen. Das Berzerker deckt somit für vielseitige Fahrer, trotz ein paar klitzekleinen Kompromissen, einen ganzen Winter ab und setzt euch definitiv keine Grenzen, wie es uns sein Meister vormacht.

VERÖFFENTLICHT 25.03.2015
SHARE ME…

Kommentare (01)

Rageto (39) 18.04.2015

nur schade, dass das wunderbare Slackcountry auf nächste saison nicht mehr produziert wird... leider haben die Amis und Asiaten – wichtige märkte für RIDE, nicht so gerne breite boards, nur ein paar komische powfreaks auf unserem kontinent wissen diese wunderwaffen für friedlichstes surfen und stompen zu schätzen. also unbedingt zugreifen, wer noch eins findet oder mir sagen, falls in einem shop noch ein 65er x-wide rumstehen sollte!


Weitere Beiträge