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Powderboard Special: Jones Snowboards ahoi!

Das passende Board für die tiefen Powdertage noch nicht gefunden? Wir helfen Dir dabei!

Wenn eine Freeride Legende seine eigene Snowboard-Brand auf die Beine stellt, ist das in etwas so, wie wenn Johann Lafer sein eigenes Messer-Set herausbringt. Man kann davon ausgehen, dass das was man bekommt funktioniert und in tausenden «Arbeitsstunden» auf Herz und Nieren getestet wurde. Mit einigen kleinen Unterschieden: Jeremy Jones würde mit Schnauzer bedeutend cooler aussehen als der Johann, die Produkte von Jones Snowboards machen mehr Spass und eignen sich vor allem bedeutend besser für Tage im bodenlosen Powder. Das haben sie uns im Laufe dieser Saison gezeigt.

Jones Hovercraft wofür es gebaut wurde – Pure Happiness, Photo: B. Oney

Jones Hovercraft – Next Level Float

Neben Snowboarder, Alpinist, Umweltaktivist und CEO ist der Herr Jones seit Kindheitstagen auch Surfer. Aus dem Meer stammt auch seine Inspiration für das Hovercraft. Die Idee war ein Powderboard zu kreieren, das kürzer gefahren werden kann und durch seinen Shape trotzdem alles liefert von Auftrieb bis zu explosiver Manövrierbarkeit. Das Hovercraft kommt als Directional Rocker daher, mit einem langgezogenen Rocker in der weicheren Nose und bewährtem Camber Profil unter den Füssen. Laut Jeremy sollen dank diesem Profil die meisten Stürze, die im Powder hauptsächlich über die Nose des Boards ausgelöst werden (aka Tomahawks), eliminiert werden. Die Nose verfügt neben dem langen Rocker über einen Blunt Shape um den Auftrieb eines längeren Boards zu generieren ohne das zusätzliche Schwunggewicht.

Ein Taper von 1.1cm spielt ebenso in die Kategorie «Epic Float» wie das kurze Swallowtail, das von selbst im weissen Gold einsinkt. Damit ihr auf der eisigen Traverse zum Pillowrun trotz des Rockershapes nicht hoffnungslos verloren seid, ist das Hovercraft mit Mellow Magne-Traction ausgestattet, einer, wie der Name bereits sagt, abgeschwächten Version der «Brotmesserkanten», die seit längerem bei einigen Brands Standard sind. Und Jeremy Jones wäre nicht Gründer von Protect our Winters (POW) wenn man bei der Produktion nicht auf möglichst grosse Nachhaltigkeit achten würde. Einerseits sind die Kanten aus recycliertem Stahl, wovon ihr dann aber auch 35 Prozent mehr bekommt als bei Standardkanten, so dass Steine keine Chance haben, andrerseits sind auch die ABS Sidewalls aus wiederverwertetem Kunststoff.

Jones Hovercraft

Wenn ihr das erste Mal auf einem Hovercraft im Auslauf eines Powderhangs mit Grinsen im Gesicht dahinfloatet wisst ihr, weshalb sich in einer eingeschworenen Gemeinde bereits der Begriff Hovercraften für ein Gefühl eingebürgert hat, das sich beschreiben lässt, als ob man statt durch den Powder zu pflügen wie auf einem Luftkissen darüberschwebt. So staunte ich nicht schlecht, als ich mit Wohlfühlspeed auf den Waldweg droppte, war ich mir doch auf dem Gipfel ziemlich sicher die letzten eher flachen 50m Auslauf zu besagtem Weg in bekannter Wühlmausmanier zurückzulegen. Den Float, den das Hovercraft aus den getesteten 156cm zaubert (normale Powderboardlänge für mich ca. 162cm) ist phänomenal und nach der 3. Überrundung der sich rauswühlenden Powderkonkurrenz kam fast so etwas wie ein schlechtes Gewissen auf – nooot!

Durch den progressiven Sidecut (Radien werden zu den Kontaktpunkten immer grösser) sind die Kantenübergänge nicht abrupt, trotzdem ist das Hovercraft aufgrund des kurzen Swallowtails in engen Waldabfahrten hervorragend manövrierbar und ein richtiger Slasher, auch wenn man es auf den ersten Blick nicht erwarten würde. Das Hovercraft präsentiert sich als Powderboard dürfte aber auch den Anhängern des perfekten Turns auf plattgewalzten Pisten jede Menge Freude bereiten. Seien es die Mellow Magne-Traction Kanten, die mich trotz meiner Abneigung gegen Magne-Traction überzeugen konnten und wieder einmal zeigen, dass es auf das Mass ankommt, oder die Tatsache, dass sich das Board auf der Piste wie ein traditionelles Camberboard verhält, das Hovercraft hält die Kante bombenfest und macht ziemlich Spass zum carven. Die weiche Nose ist nicht nur gut für den unschlagbaren Auftrieb sondern schluckt bei unruhigem Untergrund die Unebenheiten um die Fahrt geschmeidig zu machen wie eine Katze. Und obwohl das kurze Swallowtail nicht gerade für Switch-Action prädestiniert ist, sind die Grenzen des Möglichen mit solchen Shapes in Sachen Freestyle seit Markus Keller sowieso neu definiert. Take it as far as you can!

Gehört ihr also zur gesegneten Kategorie Menschen, für die jeder Tag ein Powdertag ist, dann wohnt ihr in Japan, es ist Januar und ich bin ziemlich neidisch. Andernfalls ist das Hovercraft für all jene perfekt, die sich neben ihrem Freestyleboard ein reinrassiges Powdersurfboard zulegen wollen, das ein aufregendes und neues Gefühl im Pow verspricht, zum slashen, surfen und Spass haben. Und wieder einmal sei der Rat angebracht, sich nicht von der Breite abschrecken zu lassen. Mag es für grössere Füsse auf der Piste einen kleinen Vorteil geben, so sind es doch eher die kleineren und normalen Schuhgrössen, die das Hovercraft Gefühl im Deep Pow wirklich auskosten können!

Jones Ultra Aviator – Next Level Technology

Ein Leitspruch den sich Jones Snowboards auf seinen Grundstein gemeisselt hat, ist das Bestreben die Performance heutiger Snowboards in neue Sphären zu pushen. Deshalb mangelt es dem Jones Ultra Aviator auch nur an einem – dem Gewicht. Ohne zu übertreiben ist dieses Board das leichteste, was ich je unter den Füssen hatte, mit lediglich 2.5kg beim getesteten Ultra Aviator 158 Wide.

Die Ultra Construction macht's möglich. Dabei haben sich die Konstrukteure genauestens überlegt wo das Board einen ultraleichten Holzkern braucht und wo nicht und dann wurde gnadenlos rausgeschnitten. Die fehlenden Teile wurden durch Karbonfasern ersetzt und fertig ist eines der leichtesten Boards der Welt. Somit fehlt einiges in Nose und Tail oder besser gesagt, Nose und Tail fehlen irgendwie ganz, zumindest deren Innenleben... irgendwie. Damit wird das Schwunggewicht eines viel kürzeren Boards erreicht und ihr werdet erstaunt sein wie schnell eure Jib-360’s plötzlich gedreht sind – Spin to Win.

Das nächste Feature aus der Zauberküche der Konstrukteure nennt sich 3D Power Camber und kombiniert die Vorteile von traditionellem Camber unter den Füssen aka. Stabilität und Pop, inklusive gleichzeitig die Nachteile dieses Shapes zu eliminieren, nämlich die grössere Gefahr des Verkanten bei der Einleitung eines Turns. Geschafft haben das die Zauberer bei Jones, indem sie die äusseren Teile der Base im Bereich der Kantenkontaktpunkte um zwei Grad abgeschrägt haben und so die Kanten an diesen kritischen Punkten aus dem Schnee heben, clever. Und wer nun denkt Jones habe bei ihrer High-End All-Mountain Freestylerakete ihrem Freeride Herzen entsagt muss enttäuscht werden.

Das Ultra Aviator ist mit der bewährten Blunt Nose ausgestattet, hat 20mm Setback und verfügt über ein hochgezogenes Tip und Tail, die zusätzlichen Float verleihen. Dazu die Mellow Magne-Traction Kanten, gemischt mit einem schnellen und harten Sintered 9900 Belag und fertig ist das… ja, was denn nun?

Jones Ultra Aviator

«Einfach» ausgedrückt ist die Antwort darauf wohl ultraleichtes All-Mountain-Freestyle-Powder-Park-Board. Auf harten Pisten und im Park war der erste Eindruck bei den Testern, dass sich das Board anfühlt, als würde man auf Schienen fahren. Das Ultra Aviator liebt Speed, was dem Camber Profil, dem eher steifen Flex und den Mellow Magne-Traction Kanten zu verdanken ist. Egal ob auf straightline Talabfahrten oder bei Hochgeschwindigkeitslandungen, ihr werdet überrascht sein wie stabil sich dieses Board unter euren Füssen anfühlt, ohne dass ihr permanent auf einer Kante sein müsst um möglichen Verkantern entgegenzuwirken – den hochgezogenen Kontaktpunkten aka 3D Power Camber sei Dank. Im Park zeigt sich schnell, dass das Ultra Aviator, wie der Name schon sagt, sich im Luftraum so richtig wohl fühlt. Bei den ersten Sprüngen fühlt es sich definitiv ungewohnt an, wenn man ein Hauch von Nichts an den Füssen hat. Das fehlende Material in Tip und Tail macht sich aber spätestens bei Spins und Flips bemerkbar, bei denen ihr geschockt sein werdet, wie mühelos sowas ohne Gewicht an den Füssen funktionieren kann.

Mit dem Ultra Aviator lässt sich natürlich auch der Rest des Parks mit Rails und Boxen fahren, aber wenn ihr am liebsten auf Metall unterwegs seid ist es einfach ein bisschen zu hart. Dank einem netten Nordstau und fluffigen 50cm Neuschnee während des Tests konnten wir uns auch davon überzeugen, dass man selbst bei der Freestyle Maschine von Jones merkt wo die Wurzeln der Firma sind. Die Blunt-Nose und der leichte Setback geben dem Board ausreichend Float im tiefen Schnee. Zudem gibt es ein gutes Gefühl sich auf die bombenfest greifenden Kanten verlassen zu können, wenn die sketchy Einfahrt ins Traumcouloir vom Wind unschön gehärtet wurde. Ausserdem beklagt sich wohl niemand über ein superleichtes Board unter dem Arm bei kurzen Hikes!

Sollte das Ultra Aviator eure Wahl sein für einen Powtrip nach Japan wo ihr jeden Tag hüfttiefen Pow erwartet? Vermutlich weniger und ihr richtet euer Augenmerk dafür besser auf das Hovercraft. Wenn ihr aber packt für einen Snowboard Trip um die Welt auf dem ihr haufenweise Pow erwartet, jedes Terrain geniessen und trotzdem in den Parks stylish durch den Luftraum segeln wollt, dann ist das Jones Ultra Aviator erste Wahl für fortgeschrittene Fahrer. Leicht, vielseitig, wendig und stabil bis Mach 5. Dazu ein «holographisches» Topsheet und ihr seid schneller ein UFO auf dem Radar der Luftabwehr als euch lieb ist.

Jones Twin Sister – Next Level Girl Fun

Auch die Damen gehen bei Jeremy nicht vergessen und die Women’s Line bei Jones Snowboards ist ziemlich beachtlich für die kleine Brand. Das Twin Sister stammt vom preisgekrönten Männermodell, dem Mountain Twin ab, was gleichbedeutend ist mit Powder Freestyle und viel Spass. Das «Twin» im Namen darf nicht missverstanden werden. Das Camrock Profil, mit Camber zwischen den Füssen und Rockersektionen in Nose und Tail, bietet einen ausgeglichenen Flex, die Inserts wurden aber um 20mm zurückversetzt (was man dann Directional Twin nennt).

Dazu verfügt das Board über einen auf das geringere Gewicht von Frauen zugeschnittenen, etwas weicheren Holzkern und das volle Paket, das bei Jones aus jedem Board sowohl die besten Eigenschaften auf Hardpack als auch im Powder hervorzaubert – Blunt-Nose für mehr Auftrieb bei kürzerer Boardlänge, Mellow Magne-Traction für unschlagbaren Kantenhalt, die um 250 Prozent stärkeren Kanten aus recycliertem Stahl damit euch Steine mal sonstwo können sowie den progressiven Sidecut um euch geschmeidig in Turns gleiten zu lassen.

Jones Twin Sister

Es ist ein gutes Zeichen, wenn man am Ende eines Tages den Testerinnen das Board regelrecht aus den Fingern reissen muss. Nicht nur weil die Graphics einfach nur (Zitat) «schön und violett» sind, sondern weil das Twin Sister genau so vielseitig ist, wie die Bedingungen, die wir während der Tests antrafen. Durch das Camberprofil zwischen den Füssen wurde das Twin Sister als sehr stabil beschrieben. Es handelt sich um ein verspieltes Board auf der etwas steiferen Seite des Spektrums, wodurch Pistenjibs genau so viel Spass machen wie langgezogene Turns. Einzig auf Boxen und Rails konnte das Twin Sister nicht vollends überzeugen. Aber wer denkt bei einem Jones unter den Füssen schon an Metall und nicht an fluffig weiche Pillows…

Bei hohen Geschwindigkeiten tendiert das Board dazu ein wenig zu vibrieren, was daher kommt, dass die etwas weicheren Rockerbereiche darauf ausgelegt sind dem Board im tiefen Powder zu Auftrieb zu verhelfen. Und das scheint definitiv zu funktionieren, waren die Grinser auf dem Gesicht der «Twin Sisters» nach Powderabfahrten noch um einige cm breiter als sonst. Durch die 20mm Setback und die Rockersektionen verfügt es über ziemlich viel Float, zumindest für ein direktionales Twin Board und auch am Ende der Powdertage waren brennende Oberschenkel weniger ein Thema als die Powder Butters und die gestandenen Pillow 180s. Für solche Manöver, ob im Park oder in den Pillows, stellt das reaktive Twin Sister genügend Pop zu Verfügung und Switch zu landen ist sowohl im Powder als auch auf der Piste trotz der nicht ganz zentrierten Stance ziemlich einfach.

Gehörst du also zur Fraktion der Snowboarderinnen, die stets auf der Suche nach der kreativsten Line im Backcountry sind und dabei genauso gerne Vollgas geben wie auf einer Runde im Park oder auf der Piste? Dann bist du definitiv eine Kandidatin für das Jones Twin Sister. Switch, Pow, Slashes, Jumps, Pillows, Park, Cliffs, Couloirs, Holländer die in der Powderlandung liegen, das Twin Sister gibt dir die Sicherheit bei praktisch allen Bedingungen immer das richtige Board dabeizuhaben (ausser deine Welt besteht aus Metall und du bist eine technische Railmaschine). Also nichts wie raus und den nächsten Powderdump geniessen!

Photo: B. Oney
VERÖFFENTLICHT 06.03.2015
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