Split Up – A Beginners Guide to Splitboarding

Wir zeigen dir, was es braucht um den Winter zu verlängern oder bequem auf die Suche nach neuen Powlines zu gehen

So unumgänglich wie der Montag ist leider auch das nahende Ende des Winters. Viele Skigebiete haben ihre Tore dicht gemacht, die Temperaturen im Flachland bewegen sich schon weit im zweistelligen Bereich und das Wasser tropft in unerwünscht flüssigem Zustand vom Himmel. Kein Grund bereits in eine Sommerdepression zu verfallen, denn in den Bergen liegen noch tonnenweise Schnee, der sich in höheren Lagen auch noch ab und zu über weichen Zuwachs erfreuen kann. Pure Verschwendung sozusagen diese jungfräulichen Hänge nicht noch zu nützen. Mit etwas Glück und genügend Höhe liegt auch jetzt noch der eine oder andere Powder Turn drin. Ohne Lifte zu deiner Line zu kommen erfordert Beinarbeit. Was liegt da näher, als Splitboards einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Schliesslich muss etwas dran sein wenn Freeride Legenden wie Jeremy Jones darauf schwören und sogar Powderrakete Reto Kestenholz die Vorzüge des entspannten Aufstiegs für sich entdeckt hat.

Entspannt mit dem Splitboard auf der Suche nach der Traumline

Mittlerweile führt praktisch jede Snowboard-Brand ihr eigenes Splitboard und die Technik ist so weit fortgeschritten, dass die Vorteile definitiv überwiegen und auch bei der Abfahrt kaum mehr Abstriche gemacht werden müssen. Die Vorzüge beim Aufstieg hingegen, sind meiner Meinung nach unbestritten. Einerseits hat das Splitboard durch die grosse Fläche viel mehr Auftrieb als Schneeschuhe und selbst wenn ihr euch als erster durch den Schnee zum Gipfel wühlt ist der Kraftaufwand bedeutend geringer. Eure Schultern werden sich ohne Board auf dem Rücken ungewohnt entspannt anfühlen und die Kamera für Wohnzimmer-Grossprint-Shots wird nie mehr aus Gewichtsgründen zuhause bleiben. Durch die Gewichtsersparnis und den kraftsparenden Aufstiegsstil können somit auch Powderhänge weitab der Zivilisation in Betracht gezogen werden. Obwohl das bei der Schweizer Hüttendichte sowieso kein Problem ist, macht es Spass das Gewicht des fehlenden Boards auf dem Rücken durch Schlafsack und Matte zu ersetzen um mit seinem eigenen kleinen Basecamp auf die Suche nach First Lines zu gehen.

Leider ist der Start ins Splitboarden grundsätzlich nicht gerade günstig. Es gibt jedoch verschiedene Varianten, die sich sowohl in Preis als auch Funktionsweise unterscheiden. Wir hatten diesen Winter das Vergnügen einige der bekannteren Bindungssysteme, Felle und Boards zu testen. Mit diesem kleinen Beginners Guide des Splitboardens wollen wir euch einen Überblick über die Vor- und Nachteile dieser Systeme geben und euch zeigen was es für den Start ins Splitboard Abenteuer braucht. Eines sei gesagt, die einmalige Investition macht sich tausendfach bezahlt wenn ihr entspannt durch die Bergwelt streift um eure Traumlinie zu finden. Heute beginnen wir mit den Brettern – die Bindungen und Felle kommen nächste Woche!

Das Splitboard

Das geeignete Splitboard zu finden stellt bei der Zusammenstellung eures Split-Kits das wohl kleinste Problem dar. Mittlerweile gibt es Splitboards von vielen Brands, in den verschiedensten Shapes, vom Twin-Tip für Freestyle Aficionados bis zum Fish für Auftriebsfanatiker. Will man sich sparsam in die Welt der Touren begeben, gibt es die Möglichkeit ein bereits vorhandenes Board in ein Splitboard zu verwandeln. Habt ihr zwei linke Hände oder wollt ihr ein Board, dass euch für Traversen den, meiner Meinung empfehlenswerten Luxus von Innenkanten liefert, dann kommt ihr um ein speziell gefertigtes Splitboard kaum herum. Einige Möglichkeiten, die diesen Winter den Weg unter unsere Füsse und in die Alpen gefunden haben möchten wir euch vorstellen.

Nitro Nomad

Das Nitro Nomad ist eines der günstigeren Splitboards auf dem Markt und ermöglicht euch einen fairen Einstieg in die Splitboardwelt. Mit dem direktionalen Shape, dem mittelharten Flex und dem Flatout-Rocker Profil (Flat zwischen den Bindungen und vor den Kontaktpunkten beginnender Rocker) handelt es sich um ein fehlerverzeihendes, einfach zu handhabendes Board. Das Nomad ist mit PowerPods ausgestattet, Nitro’s Antwort auf Magne-Traction. Das Board ist dabei unter den Bindungen etwas breiter, wodurch zusätzlicher Kantengriff generiert wird und gleichzeitig verhindert diese Bauweise das Überstehen von etwas grösseren Füssen. Durch das Flat-Rocker Profil und die mid-wide Bauweise (das 161cm ist 25.8cm breit) verfügt das Board über genügend Auftrieb im Pow und die Kanten mit ihren Powerpods greifen auch auf windgepressten Passagen. Das Nomad ist sehr agil und eignet sich für Treeruns genauso gut wie für gemütliche Surfturns im offenen Gelände. Mit ca. 3kg gehört es nicht zu den ultraleichten Splitboards, ist aber auch nicht wirklich schwer, so dass es beim Aufstieg störend gewirkt hätte.

Bild: Nitro – Nitro Nomad Splitboard

Durch die Flat-Section im Profil habt ihr genügend Fellauflagefläche, um auch bei etwas steileren Spuren nicht ins Rutschen zu geraten und die Rocker-Spitze gleitet beim Spuren problemlos auf den weichen Schnee auf. Ausgeliefert wird das Nitro Nomad mit Nitro’s eigenen Aluminium-Hooks (ineinandergreifende Haken zur Stabilisierung der beiden Boardhälften) sowie Nose und Tailclips. Die Hook-Befestigung verhält sich beim Nomad etwas anders als «normal» und die Bohrlöcher sind nicht durchgehend. Die Base des Boards ist somit nirgends durch versenkte Schrauben oder Bohrlöcher unterbrochen, die Montage von fremden Hooks bzw. Clips (die beide Boardhälften aktiv zusammenziehen, siehe Bindungen) dürfte jedoch kleinere Basteleinheiten voraussetzen. Ein empfehlenswertes Board ohne unnötigen Schnickschnack, das sich sowohl für Einsteiger, wie auch für fortgeschrittene Fahrer eignet, die den Pow gerne verspielt und gemütlich geniessen und die erzielten Höhenmeter nicht mit Höchstgeschwindigkeit in der Falllinie wieder vernichten wollen.

K2 Ultra Split

Je leichter desto besser, das gilt besonders bei Splitboards. Mit dieser Eigenschaft vor Augen, einer Portion Freestyle und Spass im Herzen und viel Grips in der Birne machten sich die Ingenieure bei K2 an die Arbeit ein Splitboard zu entwickeln. Entstanden ist das Ultra Split. Mit direktionaler Twin Bauweise, All-Terrain Baseline Profil und Tweekend, K2’s revolutionärem Rockershape, eignet es sich perfekt um vom Alpengipfel, bis zur noch nie befahrenen Pillowline im Wald hinter dem Haus (natürlich vorausgesetzt ihr wohnt nicht inmitten eines Wildschutzgebiets), alles zu shredden. Beim Montieren der Bindungen fällt als erstes das Split Track System positiv auf, das durch frei verschiebbare Inserts in Schienen eine vielseitige und einfache Einstellung von Stance und Winkeln erlaubt. Ein weiterer Vorteil bei K2 ist die Möglichkeit, das Board gleich als Kit zu kaufen. Dadurch werden euch die für das K2 Befestigungssystem Z-Clip konzipierten und schon fertig zugeschnittenen Felle gleich mitgeliefert und ihr könnt sofort raus in die Berge.

K2 Ultra Split mit Voilé Interface

Bedingt durch das Boardprofil hat man etwas weniger Kontaktfläche zwischen Fellen und Untergrund als bei Camber-Boards, was in leicht geringerem Grip resultiert. Die mitgelieferten K2 Felle halten jedoch gut und bei nicht allzu steiler Spur rutscht man nicht. Das Board fühlt sich sehr leicht an und ist gut ausbalanciert was den Aufstieg und Spitzkehren angenehm macht. Auf den Abfahrten verhält sich das Ultra Split auch bei höheren Geschwindigkeiten stabil, verfügt über viel Auftrieb trotz mässigem Setback und die Kanten halten im harten Schnee relativ zuverlässig. Das Brett lädt durch den Shape, anders als übliche Big-Mountain Boards, zum Spielen ein. So wurde damit diesen Winter so mancher Butter in den Auslauf von Couloirs gezaubert und auch zu Spin Tricks über Pillows sagt das Ultra Split nicht nein, wenn auch das allgemein schwerere Setup eines Splitboards am Anfang etwas Gewöhnung braucht. Ab Werk ist das Ultra Split mit den Voilé Hooks sowie Nose und Tailclips ausgestattet, die sich schon lange bewähren. Einzig die Einsparung bei der Belagsdicke zu Handen der Gewichtsreduzierung, wie es bei so manchen Boards gemacht wird, ist ein kleiner Dorn im Auge, sind doch vor allem Freeride Boards die bevorzugten Opfer von Coreshots. Bei genügend Pech trifft das jedoch auf alle Beläge zu und lässt sich somit verschmerzen wenn man Wert auf ein leichtes, durchdachtes und vielseitiges Splitboard für alle Bedingungen legt, was das Ultra Split definitiv ist.

Jones – Carbon Solution

Das Jones Carbon Solution ist ohne Zweifel der Ferrari unter den Splitboards. Nicht nur, dass die Karbonoptik jeden Goldküstenbonz vor Neid erblassen lässt, das Carbon Solution will auch gefahren werden wie ein Sportwagen – schnell und agressiv! Wo wir beim ersten Punkt wären. Die zwei bi-direktionalen Karbonschichten im Topsheet und die längs verlaufenden Karbonstringer machen das Board extrem hart und verwindungssteif. Das ist auch der Grund weshalb wir uns bei den ersten Abfahrten erst einmal daran gewöhnen mussten, dass die Schwungauslösung beim Carbon Solution, vor allem bei niedrigeren Geschwindigkeiten etwas Arbeit und Erfahrung benötigt. Um das zu umgehen gibt es nur eine Lösung – Handbremse lösen! Et voilà waren wir beim Fahrstil angelangt, für den das Jones Carbon Solution gebaut wurde. Die Torsionssteifigkeit führt dazu, dass das Board auf jeden Steuerinput sofort reagiert, zu Beginn manchmal etwas mehr als erwartet. Daran gewöhnt man sich mit der Zeit und der riesige Sidecut des Boards wirkt zusätzlich dem Übersteuern entgegen. Viel mehr wird er euch dazu verführen der simplen Mathematik zu verfallen und eure Anzahl Kurven zu halbieren während ihr euren Speed verdoppelt oder verzehnfacht, je nach Belieben. Das Carbon Solution macht es mit und wir waren erstaunt über das Gefühl der absoluten Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten. Ohne zu übertreiben, war mit dem Carbon Solution Split, gepaart mit dem Karakoram Interface, beinahe kein Unterschied auszumachen gegenüber dem ungespaltenen Vetter dieses Boards.

Das Board verfügt über ein Directional Rocker Profil, mit einem ausgeprägten Camber vom Vorder- bis knapp hinter den Hinterfuss, der zusammen mit der steifen Bauart für massig Response verantwortlich ist. Die darauf folgende Rockersektionen (etwas mehr in der Nose als im Tail) sorgen für Auftrieb und heben die Kontaktpunkte gerade so viel an, dass die Gefahr des Verkantens verringert wird ohne jegliche Stabilität und Power zu verlieren. Die Kanten halten auf harten und auch eisigen Passagen, durch die bereits bei den soliden Testboards ins Herz geschlossene Mellow Magne-Traction bombenfest. Das hat nicht nur bei ungemütlichen Sektionen in den Abfahrten, wie harten Traversen über Felsbändern seinen Vorteil, sondern auch im Aufstieg, wo der Talski (durch das vertauschen der Boardhälften) mehr Halt bekommt, was gerade bei Spitzkehren in steilem, windgepresstem Gelände ein gutes Gefühl gibt. Beim Aufstieg ebenfalls positiv bemerkbar macht sich der Ultra Core von Jones. Dadurch und durch das leichte Karbon Topsheet rangiert das Jones in der Liga der leichtesten Splitboards. Trotzdem ist es hart im Nehmen und auch nach einigen Steinkontakten diesen Winter sind keine merklichen Schäden zu beklagen. Wenn ihr zu den Leuten gehören die gerne frontal mit Steinen kollidieren gibt’s beim Jones Carbon Solution sogar einen Aufprallschutz aus Stahl (den wir glücklicherweise nie auf die Probe stellen mussten). Von Haus aus ausgestattet sind alle Jones Splitboards mit den Karakoram-Clips, die beide Boardhälften aktiv zusammenziehen.

Jones Carbon Solution mit Karakoram Interface

Wie ein Supersportwagen nur in den Händen von „The Stig“ sein wahres Potential entfaltet, aber auch von „Captain Slow" mit einem breiten Grinsen im Gesicht gefahren werden kann, so verhält es sich auch mit dem Jones Carbon Solution. Es ist perfekt für den Profi, der eine superreaktive Waffe braucht für seine Vollgasabfahrten in den steilsten Gefilden dieser Welt, macht aber auch in den Händen von wirklich guten Freeridern Sinn, die sich in technisch schwierigeren Backcountry Lines bewegen oder denen es Spass macht auf einer Rakete an der Schallmauer zu kratzen. Zählt ihr euch zu einer der beiden oberen Kategorien, dann können wir euch das Carbon Solution voll und ganz für alle Bedingungen empfehlen. Seid ihr nicht vollständig überzeugt in diese Kategorien zu passen und versteht euch eher als Powder-Soulsurfer oder Prima-Ballerina, die es liebt Butter Tricks zwischen die Powderslashes zu zaubern, dann ist das Carbon Solution nicht unbedingt das Board wonach ihr sucht. Wer stattdessen das technische Know-How von Powderlegende Jeremy Jones in seinem Splitboard nicht missen möchte und die oben genannte Eigenschaften in einer leicht entschärften Version sucht, der sollte zum Jones Solution Splitboard greifen, sozusagen dem weniger bulligen Bruder des Carbon Solution.

Auch eine Woche nach dem Schneefall lassen sich auf dem Splitboard noch Powdersprays in unberührtem Schnee geniessen.

Habt ihr Board, Bindung, Felle und Teleskopstöcke (über die Bindung und die Felle berichten wir nächste Woche!) zusammen, seid ihr bereit fürs Backcountry Abenteuer. Naja noch nicht ganz – auch wenn es immer wieder erwähnt wird kann man es nicht oft genug wiederholen. Um euer Abenteuer endgültig zu starten solltet ihr einerseits die komplette Lawinenausrüstung mit LVS, Schaufel und Sonde mit euch führen und im Ernstfall ohne lange nachzudenken damit umgehen können. Ausserdem schadet es nicht bei der Tourenplanung vom Wissen erfahrener Backcountry Fahrer Gebrauch zu machen oder in einem Kurs das planen von Touren zu erlernen.

Auf ins Camp

Seid ihr euch noch nicht ganz sicher ob ein Splitboard das Richtige für euch ist, gibt es bei verschiedenen Events und Camps die Möglichkeit, das Material zu testen und von erfahrenen Leuten in die Technik eingeführt zu werden. Sogar diesen Winter habt ihr dazu nochmal die Chance vom 8.-10. Mai beim Splitboarding Spring Fest in den Stubaier Alpen. Mittlerweile gibt es auch viele Snowboard-Shops, wo ihr ein Splitboard samt Bindung mieten könnt, um dem Ganzen mal auf den Zahn zu fühlen, wie zum Beispiel der Snowlimit Shop im Herzen des Splitboard und Freeride Mekka’s Andermatt.

In diesem Sinne: Happy Powder-Hunting. Der Winter ist noch lange nicht vorbei!

Es gibt den Moment wo es auch jedem Fell zu steil wird. Für den finalen Anstieg durchs Couloir werdet ihr froh sein über die eingesparte Kraft mit dem Splitboard. Happy Pow-Hunting!
VERÖFFENTLICHT 17.04.2015
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Kommentare (02)

meimei77 (40) 17.04.2015

Das Splitboardmag aus Spanien macht jedes Jahr ein Test mit Kommentar und Videos.Der link ist noch für die season 14/15 aber die Bretterchecks für 15/16 sollten ende Monat folgen. http://www.splitboardmag.com/article/splitboard-test-2015/


meimei77 (40) 17.04.2015

Prior BC carbon

Sali Zämme ,

Ich habe im Feb 2015 das BC Carbon gekauft und bin es bis heute in allen Verhältnissen gefahren.Ich benutze das 161 Modell .Das Board mit Interface und Bindung (Afterburner ) ist ca 5.1 kg schwer also etwa 1,2 kg leichter als mein altes Split(12/13).

Im Aufstieg macht das einen recht grossen Unerschied aus das heisst ich bin schneller und vor allem ich brauche weniger Kraft ,dazu kommt das Brett gibt einem einen super Halt im Aufstieg auch in schwierigen Verhältnissen.Die letzte Tour war in Frühlingverhältnissen mit teilweise steiler gefrorene zerhackte spur im unteren Teil und der Kantenhalt war TipTop.

In der Abfahrt funktionierts es überall sehr gut ob es jetzt in hüfttiefen Powder, Sulz oder auf abgeblasenen Kuppen gefahren wird.Das Carbon macht das Brett springfreudig und reaktionsschnell.

So das waren die Pluspunkte jetzt kommen die Minuspunkt(e) und das betrifft das Carbon.Das Carbon macht die Bretter im allgemeinen Steif was gut ist und schlecht sein kann.Ich finde Prior lösste das Konstruktionsproblem sehr gut. Das Brett ist steiff aber nicht übersteiff.

Also wenn du ein Brett suchst das sich (fast) anfühlt wie ein "normales" Board und dich im Winter und Frühling schnell und sicher auf und herunter vom Berg bringt dann würde ich das Prior Bc Carbon ganz oben auf die Liste setzten.


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