Surfen bei den Olympischen Spielen in Tokyo

Mehr als ein Schweizer Traum?

An den nächsten Olympischen Spielen, 2020 in Tokyo, ist Surfen mit dabei. Das ist seit letztem Sommer definitiv. Wie es dann genau aussehen wird wissen wir erst wenn es soweit ist. Gewisse Infos von Seite der ISA (International Surfing Association) werden vorzu bekannt gegeben, aber der Rest ist mehr mit einem Surf-Forecast zu vergleichen, als mit Fakten. Und so können zwar alle Vorhersagen eintreffen, es ist teils sogar wahrscheinlich, aber es kann auch ganz anders kommen. So ist surfen nun mal.

Die Schweiz hat einen offiziellen Surfverband und ein Nationalteam. Aber wie real ist der Traum von Olympia für uns?

Jede Sportart hat unterschiedliche Qualifikationsverfahren. Surfen muss seine noch finden. In den kommenden Jahren sind verschiedene grosse Sportanlässe wie 2019 die Pan American Games in Lima, und die ANOC World Beach Games in San Diego. Diese können und werden als Testlauf fungieren. Und dafür sind auch schon die Qualifikationen bekannt. In Lima werden 16 Surfer bzw. Surferinnen an den Start gehen. An den Olympischen Spielen werden es dagegen je 20 Frauen und Männer sein.

ISA Junior World Surfing Games in Panama ©ISA

Also schauen wir uns mal an, wer sich für Rio 2016 qualifiziert hätte, wenn das Verfahren identisch mit dem der Pan American Games wäre:

2 Surfer vom Gastgeberland

2 Surfer Toprangierung WSL

2 Surfer Toprangierung ISA Individuell

je 2 Surfer Toprangierung ISA Nation 1+2

je 1 Surfer Toprangierung ISA Nation 3-9

So werden die Startplätze an den Pan Am Games vergeben. An Stelle der WSL allerding nach ALAS-Rangierung. ALAS ist die Lateinamerikanische Tour.

Da aber an Olympia nicht nur 16 sondern 20 Athleten antreten, hätte das IOC also noch vier Wildcards. Startplätze die beispielsweise nach Quoten an Kontinente vergeben werden könnten, welche weniger Surfer haben als andere. Fernando Aguerre, der President der ISA, hat immer gesagt, er will an den Olympischen Spielen Surfer aus aller Welt am Start haben, aber auch die besten der Besten. Somit wäre diese Quotenregelung die es in diversen Sportarten gibt durchaus sinnvoll. Aber würde Europa davon profitieren? Und wenn ja, wieso sollte die Schweiz gehen dürfen? Leonardo Fioravanti zum Beispiel surft auf Weltklasse Niveau, hat aber als Italiener verschwindend kleine Chancen, dass sich der Verband seines Landes via ISA einen Startplatz ersurft. Athleten wie ihn, gibt es noch einige, und sie sind sicherlich Wildcard-Anwärter die in Erwägung gezogen werden. Und das Afrika neben Jordy Smith noch jemanden am Start hätte, wäre ja durchaus wünschenswert. Auch Marokko hat mittlerweile top Surfer. Und über das Können der Indonesier müssen wir gar nicht erst diskutieren.

Leonardo Fioravanti, Italiener und CT-Surfer ©Red Bull

Also hier die hypothetische Startliste für Surfen in Rio 2016

Jetzt kannst du selber überlegen, welchen Name du beim jeweiligen Land eintragen würdest, wer von dir die vier Wildcard bekäme und welche Namen auf der Liste doch noch fehlen würden.

Natürlich würde diese Liste ganz anders aussehen, jetzt wo die Länder wissen dass es um olympischen Ruhm und Ehre geht. Australien, die sich so für Rio nicht qualifiziert hätte, startet ein eigens auf Olympia eigestelltes Programm, wie seit kurzen bekannt ist. Den Aufbau eines Olympischen Surf-Kader, das darauf hinarbeitet beim ersten Olympischen Surfcontest ganz vorne dabei zu sein. Dies wiederum bedeutet, dass sie mit einem bis jetzt ungewohnt starken Team an die World Surfing Games gehen werden, um sich bei der Team Wertung 2 Startplätze zu sicher. Natürlich auch bei den Individuellen wenn möglich. Auf die WSL Championship Tour wird dies kein Einfluss nehmen, da es für einen Surfer nichts grösseres und lukrativeres zu gewinnen gibt als genau diesen Titel.

Michi Zaugg. Kann er es für die Schweiz richten? ©thefreesurfer.com

Was das jetzt für unsere nationalen Athleten bedeutet? Sie müssen sich beeilen! 2020 - Tokyo, 2019 - Eine der Top 8 Surfnationen der ISA werden. Dazu braucht es allerdings 4 Männer und 2 Frauen die gaaanz weit nach vorne surfen. Oder Champ bzw. Vice-champ an den World Surfing Games werden. Oder auf der World Championship Tour. Dafür muss man sich im Vorjahr via QS qualifizieren. Also... 2018 - via QS für die CT qualifizieren 2017 - ...hmmm, jede menge Training würde ich mal sagen. Oder einfach darauf hoffen, dass das Internationale Olympische Komitee der Schweiz eine Wildcard zusteckt. Schliesslich dürfen sie ja am schönen Genfersee sitzen. Und was dort hinter verschlossenen Toren passiert, weiss ja bekanntlich niemand so genau. Wenn Putin seine Spiele bekommt, sollte es doch auch für uns möglich sein, zumindest eine Wildcard zu bekommen.

Oder wir warten einfach nochmals vier Jahre länger, hoffen darauf das bis dahin das Olympische Surfen in Wavepools umgezogen ist, und dass aus Regensdorf die neue Schweizer Surf Elite hervorkommt.

Alternativ gäbe es noch die Möglichkeit sich nicht darum zu kümmern und seinen eigenen nächsten Surftrip zu planen...

VERÖFFENTLICHT 19.09.2017
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