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1:12 = Sieg für wen?

Die Initiative klingt wie ein Resultat von einem unfairen Mannschaftsspiel – wie sieht's im Einzelsport aus?
Wer (zu)viel verdient, kommt schnell in Versuchung Scheisse zu kaufen!

Besonders in der Weihnachtszeit, welche sich wie gewohnt viel zu früh ankündet und einem entsprechend auch die letzten Vorfreuden schon im Voraus streitig macht, wird um überflüssiges Geld gebuhlt.
Die Debatte um 1:12 dient mir als geeignetes Thema, um in eine kleine Serie ähnlich dem Woard zum Sonntag einzuführen. Ja, es soll in den nächsten Wochen nebst all der Euphorie zum Saisonstart hier auch wieder Platz haben für Denkanstösse, auch wenn dies nicht alle TLF-User gerne sehen.
Bei meinem letzten Beitrag vor einer Eidgenössischen Abstimmung fragte mich ein Leser, seit wann wir denn hier eine politische Plattform seien...

Everthing's Political!"

...hat schon vor Jahren Skunk Anansie gesungen – da bin ich mit ihr einig, vor allem in unserer Art von Demokratie!

Auch wenn wir nur sehr begrenzt Einfluss auf grosse Entscheidungen haben, so sollten wir doch, wenn wir schon mal direkt gefragt werden, auch überlegt und interessiert antworten.

Wer wird in Zukunft mit Geld um sich schmeissen können?
Es soll nicht nur Assi-Managern an den Kragen, sondern vor allem den Angestellten besser gehen!

Du hast hier allenfalls die Chance, deine eigene Lohnerhöhung vorzubereiten! Denn falls dein Boss eine fiese Sau ist und nach wie vor hart abkassieren will, dann muss er nach Annahme der Initiative ganz einfach dein Gehalt erhöhen. Ansonsten werden immerhin grössere Beträge frei für Investitionen, welche ebenfalls Steuern unterliegen – je nach weiteren Reformen, zu denen wir auch abstimmen können. Die schwarzmalerischen Szenarien von weniger Einnahmen für AHV & Co. sind sehr wage und nur von denen so formuliert worden, welche eh Angst haben (müssen) um ihre Stellung, da sie in irgendeiner Weise verstrickt sind in abgefahrene Geschäfte. Wenn du also vielleicht mal die grottenschlechte Propagandazeitung »Schweizerisches Erfolgsmodell« durchgeblättert hast, dann bemühe dich auch um Objektivität auf Seiten der Initianten. Dort siehst du, dass das Phänomen der absolut verhältnislosen Entlöhnungen noch sehr jung ist und es in der Blütezeit der Wirtschaft bestens ohne gegangen ist. Noch vor 15 Jahren hat niemand in einem Jahr mehr verdient, als seine Angestellten in einem Monat und auch heute wären »nur« ca. 0,3 Prozent aller Arbeitenden in diesem Lande »negativ« betroffen. Für eine überwältigende Mehrheit kann es also nur ein Gewinn sein, auch wenn du nicht grad in der Pharmaindustrie oder in einer Grossbank arbeitest. Auf jeden Fall ist es eine klare Absage an unhaltbare Zustände, auch wenn ein Ja in der Abstimmung immer noch ein extrem grosszügiges Lohngefälle zulässt!


1:12 im Snowbiz?

Da Board-Pro's in der Schweiz quasi eigene Firmen sind, zumindest als Selbständigerwerbende angemeldet, müsst ihr euch also auch nicht fürchten, bei der nächsten Party-Nacht mit Iouri in Zürich leer auszugehen. Wir wissen, dass er – als zur Zeit wohl bestverdienendster Snowboarder unserer Nation – kein Geizhals ist und für Freunde auch gerne mal 'ne Runde springen lässt.
So weit so gut, doch wäre es natürlich auch wünschenswert, wenn von Brands mehr Nachwuchs gefördert, resp. eine grössere Anzahl Rider unterstützt werden könnte, statt den Superstars sinnlos viel Geld in' Arsch zu schieben. Klar kann man mit Gefahrenpotenzial argumentieren und dass es nach der sportlichen Karriere oft nicht einfach ist, wieder zu einem »normalen« Job zu finden, doch sind für eine Resozialisation nicht hunderttausende von Franken nötig.
Ob als Sportler, Rockstar, Makler oder Banker, wer zu viel Geld hat, kommt schnell in Versuchung, dies (mehr als) fragwürdig zu investieren. Ich sehe I.Pod auf jeden fall immer noch lieber Rollbrett statt Porsche fahren und bedaure ein wenig die Entwicklung gewisser Hobbys. Doch wünsche ich ihm schon lieber noch eine fette Kameraausrüstung, als noch ein Auto mehr im Keller – so oder so soll er aber sein interessantes Leben geniessen und uns weiterhin mit stylishen Tricks stolz machen!

Die Welt braucht mehr als nur Sport, Lifestyle und Rock'n'Roll

Das obige Video ist zwar mit weniger Budget und nicht so professionell gemacht wie die Clips, welche wir aus Privatwirtschaft kennen, doch habe ich grössten Respekt vor Leuten, die sich politisch und mehrheitlich uneigennützig engagieren.
Vergiss bei allen Werbeblättern und dubios finanzierten Zeitungen nicht, mit welch ungleichen Spiessen auch in der Politik gekämpft wird und informiere dich vor Abstimmungen möglichst objektiv! Egal wie du dich schlussendlich entscheidest, tu's aus klaren Gründen, mit fundierten Argumenten und aus tiefer Überzeugung.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob die Weihnachtszeit sich nur über Konsummöglichkeiten oder auch in sozialen Entscheiden an der Urne ankündet – Hauptsache mit einer fetten Ladung Schnee im Schlepptau.

Amen



Reverend R(ag)eto Kesti steht schon sein Leben lang mehr auf Boards als auf die Kirche, findet aber, dass auch ohne christlichen Hintergrund gepredigt werden sollte. Er hinterfragt seit über 20 Jahren das Snowbiz wie auch andere Bereiche des täglichen Lebens und setzte sich nicht erst für den Umweltschutz ein als dieser salonfähig wurde.
Er macht sich in dieser (schein-) heiligen Zeit nicht nur Gedanken über den raren Schnee, sondern auch zum Advent, wo's um religiöse Werte offensichtlich leider nicht besser steht...

VERÖFFENTLICHT 10.11.2013
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Kommentare (14)

wale (35) 14.11.2013

Wenn man sich das folgende Video zu Gemüte führt (nicht ganz so einfach), sieht man, dass etwas nicht stimmen kann. Geht es in dem Stil weiter, werden die "westlichen" Länder bald im Chaos versinken.

Es könnte bald verdammt schwierig werden, das Volk bei Laune zu halten...


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deiF
12.11.2013

Es wird mal heissen: "zu viel war uns zu wenig!!!"

conchetumare (27) 11.11.2013

@Pete do gib ich dir Recht.. im Verglich mit de skandinavische Länder stömmer jedefalls au besser do, in Bezug uf de Gini-Koeffizient, und mit dene Länder dörfemer üs scho mässe;)


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Pete
11.11.2013

@conchetumare (22)

conchetumare, Fakten sind das eine – die richtigen Schlüsse draus ziehen das andere. Wenn du sagst, dass die Lohnschere in anderen Ländern noch viel extremer ist, hast du noch nichts (rein gar nichts) darüber gesagt, wie gross sie bei uns effektiv ist. Du hast nur verglichen. Schau dir die Realität an, ohne zu vergleichen. Wie will man besser werden, wenn man sich ständig mit schlechteren vergleicht?

conchetumare (27) 11.11.2013

@Rageto (34) "sind wir nun menschen, welche versuchen, miteinander möglichst friedlich zu leben und auch mal dem nachbar oder eben mitarbeiter etwas zu gönnen oder halt doch nur ego-tierchen, die eben nicht langfristig denken können?"

scheinbar letzteres, sonst würde es solche Initiativen nicht geben.

und von wegen beängstigende Lohnschere; befass dich doch mal mit Fakten, anstatt zu behaupten ;)


Rageto (39) 11.11.2013

yeah da geht was - freut mich! ganz allgemein sollte man immer in einer gewissen verhältnismässigkeit rechnen: - sich nicht mit noch assozialeren staaten vergleichen - schon gar nicht über kommunismus zu reden beginnen (sooo was von weit weg!!!) - klar zahlen kommen die reichsten auch für einen grossteil der steuern auf, doch im verhältnis könnten und sollten diese viel mehr zur kasse gebeten werden. es gehen milliarden "verloren", welche für eine sozialere, gerechtere verteilung eingesetzt werden könnten, um die superreichen und die attraktivität des wirtschaftsstandortes CH muss man sich nun wirklich keine sorgen machen. sind wir nun menschen, welche versuchen, miteinander möglichst friedlich zu leben und auch mal dem nachbar oder eben mitarbeiter etwas zu gönnen oder halt doch nur ego-tierchen, die eben nicht langfristig denken können? die lohnschere ist beängstigend und bevor's knallt lieber mal wieder wenigstens den willen zeigen, zu einer sozialeren verteilung.


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Simon
11.11.2013

@conchetumare (22)

"Ich chan mir nöd vorstelle, dass en Top-Manager für s'12-fache vome Putzfraue-Lohn überhaupt ufstoh würd am Morge."

denn söll er sich verpisse! wird er aber leider ned... glaubed ned a die abwanderigsdrohige vo economie suisse und konsorte – d schwiiz isch no immer vil attraktiver für manager als anderi länder.

conchetumare (27) 11.11.2013

1:12 = Sieg für wen? chanich dir scho sägä - garantiert nöd für Unter - und Mittelschicht. bin froh muessi die zahle nöd selber füresueche, spötischtens nochem Kommentar vom Jonas sötti dir klar sii, was dUmsetzig vo dere Initiative für Stür- und AHV-Usfäll mit sich bringe würd - vorusgsetzt natürlich, dass sie so umgsetzt würd werde, wies di Linke sich vorstelled (was völlig absurd isch, vorher wird sich es Unternehmig überlegge zum Subunternehmige abzspalte, z.B. eini fürd Putzkolonne, eini fürd Marketing-Abteilig etc., als dass eifach so en Grossteil vode Löhn erhöht wird) Fakt isch au, dass sonen Staatsigriff sehr viel Areiz würd neh. Ich chan mir nöd vorstelle, dass en Top-Manager für s'12-fache vome Putzfraue-Lohn überhaupt ufstoh würd am Morge. Klar isch er nöd di einzig Person, wo de Betrieb in Schwung bhaltet, aber wenn er schlecht wirtschaftet, trifft das es biz meh Lüüt als bi öpperem us de Fertigung. Ob das jetzt 400'000, 1 Mio., 2 Mio. wert isch, do drüber loht sich striite, wer chan scho drüber bestimme, was grecht isch und was nöd?! Uf all Fäll isch die Schwiiz d'Lohnschär nie so gross wie d'1:12-Befürworter behaupted, gmesse mit de OECD Länder sind d'Löhn bi üs relativ gseh glichmässiger verteilt. Agebot und Nochfrog sölled wiiterhin über d'Höchi vom Lohn bestimme und nöd de Staat, drum NEI.


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Jonas
11.11.2013

Ist es dann denn nicht auch pervers, wenn bei einem Snowboard Contest der Gewinner z.B. 50'000 US$ Preisgeld mitnimmt und der letzte nichts? Jungs, dies ist nun mal der Wettbewerb! Wenn ein Manager einem Unternehmen 90 Mio wert ist, dann finde ich das persönlich auch irrsinnig - aber das Unternehmen wird seine Gründe dafür haben. Der Topshot beherrscht nun halt mal die Dreifachgurke während ein anderer grad mal einen Tailgrab hinkriegt!

Und noch ein Wort zu den "klein bisschen" Steuern: Die Unternehmen und die 20% Personen des oberen Einkommenssegments erbringen zusammen 60% aller staatsquotenrelevanten Ausgaben. Die Grenzsteuersätze (mit den Sozialabgaben eingerechnet - da bspw. die AHV bei den hohen Einkommen eine Quasi-Steuer ist) sind bei den hohen Einkommen bei über 50%. Selbst wenn man also umverteilen würde (was ich persönlich für unrealistisch halte, die unteren Löhne werden nicht steigen), würde man aufgrund der Progression an Steuereinnahmen verlieren. Und last but not least: Die Hochlohnbranchen, wo exorbitante Spitzensaläre bezahlt werden, bezahlen auch die untersten Positionen massiv besser. Weil sie halt insgesamt produktiver sind!

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toni
11.11.2013

wo sind wir hier, snowboard mag?? geht arbeiten dann habt ihr ablenkung

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Kesti
11.11.2013

Danke Jungs für interessante Feedbacks! Für mich ist einfach ganz offensichtlich, dass solch gewaltige Unterschiede in' Löhnen nun mal gar nix mehr mit sozial zu tun haben und diese absolut perverse Entwicklung der letzten 15 Jahre gebremst werden muss. Zuviele Gesetze für masslose Liberalisierung und Deregulierung wurden unter wirtschaftlichen Vorwänden durchgewunken, also warum nicht auch wieder mal ein Entschluss des Volkes, hier gewisse Richtlinien zu schaffen!?! Natürlich gibt es Schlupflöcher und unschöne Lösungen für gewisse betroffene Betriebe, doch dass man diesen mal eine klare Botschaft mit auf den Weg gibt, ist längst überfällig. Und solche Chancen bieten sich leider nicht oft, wenn wir diese verpassen, gleicht dies dem Statement: Weiter so ihr Helden der Wirtschaft und vielen dank auch für das kleine bisschen Steuern, dass ihr uns doch noch zahlt, bis ihr wieder eine Möglichkeit gefunden habt, euch selbst weiter zu entlasten - Suckers...

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Jonas
10.11.2013

@Sascha 1:12, Mindeslohn usw. So weit entfernt von FRA sind wir bald nicht mehr! Ich finde wir haben zur Zeit einen ziemlich perfekt funktionierenden Sozialliberalismus der mir zu stark in Richtung Sozialismus zu kippen droht. Tiefe AL, sehr wenig Armut, gute Sozialwerke, vergleichsweise tiefe Staatsquote, tiefe Verschuldung...mit diesen Regulierungsinitiativen wird dieses Gleichgewicht gehörig durcheinander gebracht. Darum NEIN.

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