In Gear We Trust - Jones Solution 2017/18

Das Schweizer Sackmesser der Splitboards im Test
Pic: Martin Good / martingood.ch

Splitboards haben den Schritt aus dem Schattendasein schon lange hinter sich. Man sieht kaum mehr Rider mit Snowboards auf dem Rücken im Backcountry und auch die fragenden Blicke wenn man mit Softboots und komisch geformten Skiern auftaucht werden immer weniger. Man hat sogar das Gefühl, dass die Entwicklung der Splitboards etwas stagniert und bahnbrechende Neuerungen seltener auf den Markt kommen. Das ist jedoch nichts Schlechtes, zeigt es doch, dass Splitboards mittlerweile ziemlich ausgereift und die wichtigen Unterschiede in den Details zu suchen sind. Und wenn es um Detailentwicklungen bei Splitboards geht, dann spielt Jones Snowboards in der Profiliga mit.

Wir hatten die Möglichkeit das Jones Solution (162W) der Saison 2017/18 in allen möglichen Bedingungen zu testen, von schnellem Frühlings-Gletscherpow über technisch anspruchsvolle, hochalpine Touren bis zum magischen Dezember-Fluff. Eines ist klar, dieses Board braucht sich nicht mehr zu beweisen. Es gehört vermutlich zu den Splitboards mit den meisten Höhenmetern auf dem Buckel und hat schon so ziemlich jede Ecke der Welt besucht, gefahren von Geniessern wie Pros gleichermassen. Doch was macht diesen Erfolg aus und was für neue Raffinessen hat das diesjährige Modell zu bieten?

Quick Tension Tail Clip - Kerben im Tail
Quick Tension Tail Clip

Beginnen wir bei Neuheiten für den Aufstieg - die Fellbefestigung. Wo bis anhin bei Jones die gängigen Tail-Clips zur Anwendung kamen, sind neu Kerben im Tail, wo die Fellspanner eingeclipt werden können. Klar, sie haben damit das Rad nicht neu erfunden, verwendet man jedoch die boardspezifischen Jones Felle aus dem Hause Pomoca erweist sich das System als super bequem. Ausserdem hat man leichtere Felle und sie lassen sich noch kompakter verstauen für die Abfahrt, was will man mehr?

Bolt-Less Bridge Technology
Bolt-Less Bridge

Die wohl auffallendste Neuerung bei den Premium Splitboards von Jones ist die Bolt-Less Bridge Technology. Wie der Name schon sagt wurde das Board an den Verbindungsstellen mit einer «Brücke» versehen, die genügend Platz schafft für ein Schraubgewinde. Der Vorteil – Die Base ist glatt und nicht mehr von Schrauben durchlöchert. Das sieht nicht nur schön aus, ist auch beim wachsen angenehmer.

Auf diesen Brücken sitzen neu anstelle der herkömmlichen Splitboard Clips die Ultra-Clips aus dem Hause Karakoram. Kann so ein kleines Detail einen grossen Unterschied machen? Ja es kann und ich bin davon restlos begeistert. Das Design der normalen (alten) Clips führt dazu, dass nach einem gewissen Punkt beim Verschliessen, der Zug auf die Boardhälften wieder etwas nachlässt. Das ist bei den Ultra-Clips nicht mehr der Fall, was zu einer festeren Verbindung des Boards führt. Subjektiv gesehen ist es auch angenehm den Clip für den Aufstieg schliessen zu können, was dem Rumgebaumel der Clips ein Ende bereitet. Eine vermutlich unbeabsichtigte Lösung für ein Monk’sches Problem, aber mir gefällts.

Karakoram Ultra Clips auf der Bolt-Less Brücke
Eco-Plastic Topsheet aus Rizinussamen

Eine bewährte Technologie, die im Solution 2017/18 weiterverwendet wurde ist das Eco-Plastik Topsheet. Es ist äusserst kratzfest und franst auch deutlich weniger aus. Durch die körnige Oberflächenstruktur, die an ein Skatedeck erinnert, ist sie ausserdem schnee- und wasserabweisend, so dass ihr weniger unnötiges Gewicht den Berg hochschleppt. Das funktioniert sehr gut, ausser bei sehr nassem Schnee kombiniert mit fiesem Wind, da hilft leider sogar das nichts mehr. Ausserdem ist das Topsheet aus Rizinussamen sehr umweltschonend (obwohl 20 dieser Samen offenbar einen erwachsenen Menschen töten können - Fun Fact und da eh keiner sein Topsheet frisst…).

Das Topsheet ist nur eines von mehreren Designmerkmalen, die auf das grosse Umweltengagement von Jones Snowboards schliessen lassen. Dazu gehören auch die ABS Sidewalls aus recyceltem Material oder die Flip-Flop Base um den Verbrauch von P-Tex zu reduzieren.

Flip-Flop Base mit Mellow-Magnetraction Innenkante

Was heutzutage leider häufig untergeht aber von tatsächlichem ökologischem Denken zeugt ist das Augenmerk, welches Jones auf die Langlebigkeit der Splitboards legt. So wurden beim Solution wie schon bei früheren Boards überdimensionale Kanten aus recycliertem Stahl verbaut, die einiges wegstecken können. Im Gegenzug dazu sind nur noch die verwundbarsten Stellen von Nose und Tail (Nose-Innenspitze und Tail entlang der Fellkerben) mit Stahl verstärkt, was im Gegensatz zu früheren Modellen mit kompletten Stahlprotektoren einiges an Gewicht einspart. Als Resultat spart ihr Kraft im Aufstieg, ohne dass der Schutz vernachlässigt wurde.

Gewichtsoptimierte Stahlprotektoren an der Nose

Wie uns vermittelt wurde, ist das Solution im Lineup der Splitboards als DAS Arbeitspferd für den Expeditionsgebrauch einzustufen, wobei ihr selber definieren dürft ob eure Expedition die Pillows im Garten oder eine Durchquerung der Antarktis ist. Gemäss dem Chefkonstrukteur von Jones hat man deshalb das Augenmerk beim Solution nicht in erster Linie auf weitere Gewichtsreduktionen gelegt, sprich es wurde nicht auf Kosten des Gewichts an Material gespart, worunter die Lebensdauer des Boards gelitten hätte. Das weiss man vor allem dann zu schätzen, wenn man sein Board nach einem brutalen Steinkontakt umdreht und statt dem erwarteten Coreshot inklusiv verbeulter Kante lediglich etwas P-Tex fehlt und der Stahl ein paar Kratzer aufweist. Wer jetzt denkt, dass diese Entwicklung des Solution daraus einen manövrierunfähigen Supertanker macht sei beruhigt, rangiert es doch immer noch unter den Leichtgewichten auf dem Markt. So tut ihr mit dem Kauf eines haltbareren Boards nicht nur eurem Portemonnaie etwas Gutes, sondern auch der Umwelt. Und als kleines Goodie für euer Gewissen ist Jones Snowboards Member von 1% for the Planet. 1% vom Verkaufserlös wandert also an eine nachhaltige Non-Profit Organisation.

Hike & Ride

Vom bewährten Hybrid Camber/Rocker Profil des Solution liess man in der Konstruktionsetage die Finger. Weshalb etwas ändern, was sich über so viele Jahre als sehr vielseitig erwiesen hat.

Jones Solution 2017/18 - 162W

Auf hartem Schnee, der ausserhalb der Traumwelt im Backcountry leider vorkommen kann ist man froh um den aggressiven Kantenhalt des Cambers zwischen den Füssen. Der hervorragende ist auch der Tatsache zu verdanken, dass das Solution eher zu den steiferen Splitboards gehört, auch wenn es noch um einiges weicher ist als sein carbonlastiger Bruder. Zusätzlich hilft die Mellow-Magnetraction Technologie, vergleichbar mit dem Wellenschliff eines Messers, den Kanten sich in Schnee und Eis zu beissen. Nach meinen ersten Erfahrungen mit Magnetraction in dessen Anfängen war ich zugegebenermassen kein grosser Fan davon. Zu aggressive Varianten hatten den unangenehmen Nebeneffekt sich nicht nur ins Eis, sondern auch übermässig in jede Art von weichem Schnee zu fressen. Jones hat hier jedoch ein gutes Mittelmass gefunden um den Verlust an Kantenhalt durch den Rocker auszugleichen ohne übers Ziel hinauszuschiessen. Seit einem Couloir, das in der Hälfte plötzlich zu Eis erstarrte und wo Straightline definitiv keine Option war schwöre ich sogar darauf. Das hätte wohl auch der Skifahrer der trotz doppelter Kantenlänge plötzlich an mir vorbeirauschte. Wir hoffen an dieser Stelle, dass sich besagter Herr wieder gut von seinen Knochenbrüchen erholt hat.

Im Powder schlägt sich das Solution prima. Durch den direktionalen Shape und den langgezogenen, etwas weicheren Rocker in der Nose schwimmt es hervorragend auf und der Tailrocker ermöglicht auch switch Landungen oder Traversen ohne Probleme. Die bevorzugte Fahrtrichtung des Solution ist aber doch vorwärts, das jedoch auf jede Art und weise. In schnellen, langgezogenen Big Mountain Turns ist es sehr spurtreu und auch bei hohen Geschwindigkeiten stabil, in verspieltem Terrain ist es jedoch trotzdem wendig und agil.

Pic: Martin Good / martingood.ch

Wer den Berg als Spielplatz sieht sollte sich von diesem Board nicht abschrecken lassen. Freestyle ist mit dem Solution absolut möglich und durch die neuen Carbon Stringers hat das Boards sogar noch etwas an Pop gewonnen. Achtet dabei jedoch genau auf die Gewichtsangaben, da die durchaus willkommene Steifigkeit des Boards mit seinen vielen Vorteilen den Leichtgewichten unter euch Probleme beim Buttern bereiten könnte.

Diese Steifigkeit ist es dann aber genau, was euch beim Aufstieg entgegenkommt. Das Board rutscht in Traversen deutlich weniger weg als weichere Kontrahenten. Um einen noch besseren Halt zu gewährleisten hat Jones beim Solution sogar die Innenkante mit Mellow-Magnetraction versehen. Der spürbare Effekt ist im Aufstieg nicht ganz so ausgeprägt spürbar wie bei der Abfahrt, in gewissen Situationen aber sehr willkommen. Wie von Jones gewohnt ist das Splitboard perfekt ausbalanciert und die Spitzen bleiben brav über dem Schnee statt abzutauchen. Die Tatsache, dass das Board trotz der panzerartigen Bauweise eher ein Leichtgewicht ist, ist dann nur noch das sehr grosse Tüpfelchen auf dem i.

Fazit

Für den ultimativen Float im tiefsten Schnee gibt es das Storm Chaser Splitboard, wenn ihr auf den zweiten Schokoriegel verzichtet um 100 Höhenmeter mehr pro Stunde zu schaffen gibt es das Ultracraft Split. Wenn ihr aber ein Splitboard mit leichtem Hang zu mehr Speed und kraftvollerem Fahrstil sucht, dass euch den ganzen Winter begleitet, von entspannt tiefen Treeruns bis zum hochalpinen Gipfel der euch mit Gipfelpow, Sulz und Eis verwöhnt, dann ist das Jones Solution DIE bewährte Allzweckwaffe. Meiner Meinung nach eines der vielseitigsten und ausgereiftesten Splitboards, die es gibt.

VERÖFFENTLICHT 12.11.2017
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