Splittboard Guide Teil 3

Nach den Fellen und den Brettern stehen im dritten und letzten Teil die Bindungen an.

Die Saison ist wohl definitiv zu Ende. Zeit also, das Equipment für die nächste Saison zusammenzustellen. Im Spiltboard Guide stellten wir bisher die Bretter und die Felle vor. Heute geht's im letzten Teil mit den Bindungen weiter.

Die Split-Bindung

Der Bindung kommt beim Splitboarden eine der zentralsten Rollen zu. Die Ansprüche, die an dieses Ausrüstungsteil gestellt werden, sind wohl für jeden noch so gewitzten Ingenieur eine Herausforderung. Für den Aufstieg wünscht man sich natürlich eine möglichst leichte Bindung. Trotzdem sollte diese sehr robust sein, die Kraft direkt auf die Kanten übertragen und den hohen mechanischen Belastungen, ohne sich zu verbiegen, standhalten. Zusätzlich muss sie bei allen noch so garstigen Wetterverhältnissen, die euch am Gipfel erwarten können, verlässlich und einfach im Umbau sein und natürlich simpel genug konstruiert um sie im dümmsten Fall mit einfachen McGyver Mitteln reparieren zu können. Bei der Abfahrt wünscht man sich, in Sachen Support, Komfort und Boardfeeling keinen Unterschied zu einer normalen Bindung zu spüren. Und als wäre das nicht genug sollte sie auch noch den Hauptteil der Arbeit übernehmen, die beiden Boardhälften zu einem soliden Snowboard zusammenzuhalten. Drei der am weitest verbreiteten Systeme, die sowohl technisch als auch preislich die Spanne des Splitboard-Bindungsmarkts abdecken, möchten wir euch im Folgenden vorstellen und euch die Vor- und Nachteile dieser Systeme aus unserer Sicht erläutern.

Voilé 4x4 Interface

Voilé – 4x4 System aka. «Brick Kit»

Das Voilé System ist sozusagen der Urvater der heutigen Splitboard Bindungen. Die meisten Splitboards heutzutage verfügen über das Voilé Insert Muster und einige der weiterentwickelten Systeme basieren direkt auf der Idee des Voilé Splitboard Kits. Das System besteht aus zwei Slidertracks, die mit genügend Löchern ausgestattet sind, so dass die meisten normalen Snowboardbindungen darauf montiert werden können. Die Slidertracks werden für den Aufstieg mit den Slider Pins (durchgehende Metallstifte) an den Touring Brackets befestigt und für die Abfahrt werden die Platten über die Voilé Pucks geschoben. Ein sehr einfach aufgebautes, verlässliches und bewährtes System für den Splitboard Einsteiger und den sporadischen Tourer. Falls ihr mit eigenem handwerklichen Geschick den Schritt ins Splitboarden macht und eines eurer Boards zersägt, bietet Voilé mit dem DIY Split Kit ein vollständiges Package um euer normales Snowboard in ein Splitboard zu verwandeln, inklusive oben erwähntem Slidertrack System, den Voilé Hooks sowie Nose und Tail Clips.

Vorteile:
* Kostengünstigste Variante
* Simples, verlässliches und bewährtes System

Nachteile:
* Abhängig von der verwendeten Bindung auf der schwereren Seite (Kit allein: 790g)
* Nicht sehr direkte Kraftübertragung beim Aufstieg und gewöhnungsbedürftiges Boardfeeling bei der Abfahrt durch den grossen Abstand zwischen Boot und Board

Spark – Magneto

Spark baut seit jeher auf die bewährten Voilé Pucks für die Verbindung von Bindung und Board. Damit sind aber auch schon ziemlich alle Ähnlichkeiten mit der oben beschriebenen Ur-Lösung von Voilé genannt. Als erstes sticht bei der Spark Magneto das schnörkellose Design ins Auge. Die Bindung ist so simpel wie genial konstruiert! Die wohl grösste Neuerung besteht im Tesla System, das wohl den Untergang der Slider Pins bei Spark R&D besiegelt hat. Wie im Video ersichtlich, wird die Bindung im Aufstiegsmodus mit 2 Metallstiften in die Touring Brackets eingehakt und mit dem runterdrücken der Snap Ramps arretiert. Für den Umbau muss lediglich die Snap Ramp wieder hochgeklappt, die Bindung in die Voilé Pucks geschoben und die Snap Ramp wieder runtergedrückt werden – fertig. Bei eisigem Wind auf dem Gipfel schätzten wir es, dass der Umbau aufgrund dieser Einfachheit auch mit dicken Handschuhen problemlos funktioniert. Nicht zu vergessen ist, dass das System den zusätzlichen Kauf des Voilé Puck Sets voraussetzt, da diese bei der Bindung nicht inbegriffen sind.

Die Steighilfen wurden von ihrer ursprünglichen Position auf dem Brett direkt an die Unterseite der Bindung verlegt, wodurch sie unserer Meinung nach um einiges schneller und einfacher mit dem Skistockteller zu bedienen sind. Sie bieten zwei verschiedene Höhen für verschieden steiles Terrain. Unvorhergesehenes zusammenklappen der Climbing Wires wird zusätzlich dadurch verhindert, dass die Steighilfen beim Gehen jeweils in eine vorgesehene Vertiefung des Heel Rest «schlagen» – funktioniert 1A. Beim Setup der Bindung habt ihr die Möglichkeit den gesamten Heelcup, für zusätzliches Finetuning an eure Schuhgrösse, zu verschieben. Dazu legt Spark R&D direkt das passende Minitool zur Bindung, das sämtliches Werkzeug, das die Bindung braucht, beinhaltet. Der Spielraum für den Forward Lean des Highbacks wurde von -5° für grössere Schritte beim Aufstieg bis +25° erweitert und lässt sich ohne Werkzeug einstellen.

Im Aufstieg begeistert einerseits das geringe Gewicht der Magneto, als auch die gute Kraftübertragung auf die Kanten, die dem praktisch nicht vorhandenen Spiel zwischen den Metallstiften des Tesla Systems und den Touring Brackets zu verdanken ist. Die Straps sind sehr komfortabel und durch die negativ einstellbaren Highback-Winkel drückt auch bei steilen Passagen oder grossen Schritten in der Ebene nichts in eure Waden. Je nach Schneebedingungen kann sich unter der Bindung Schnee festsetzen, der aber mit ein paar beherzten Stockschlägen meistens wieder verschwindet.

Falls der Powder doch mal nicht so fluffig ist und ihr zusätzlichen Halt braucht solltet ihr zusätzlich die Sabertooth Harscheisen erwerben. Diese lassen sich ohne die Bindung zu lösen in die vorgesehenen Channels schieben und werden danach durch die Bindung arretiert. Spark vertritt die Ansicht, dass die Harscheisen beim Tesla System nicht an der Bindung befestigt werden, was sowohl Vor- als auch Nachteile hat. Einerseits wird dadurch gewährleistet, dass auch mit ausgeklappten Steighilfen die Zähne der Harscheisen immer vollständig im Schnee verschwinden, was in jeder Situation bombenfesten Halt verspricht. Andererseits müssen die Eisen bei jedem Schritt durch die Vorwärtsbewegung aus dem Eis gezogen werden, was den Kraftaufwand beim Gehen doch um einiges erhöht. Ob man das mag oder nicht ist Geschmackssache.

Spark R&D – Sabertooth Harscheisen

Der Umbau in den Abfahrtsmodus ist wie bereits erwähnt ein Kinderspiel. Da zwischen Puck und Bindung kein Spiel sein sollte, müssen die Pucks je nach Bedingungen zuerst von Eis befreit werden um die Bindung überhaupt darüberschieben zu können bzw. die Snap Ramp sicher einzurasten. Hier hilft jedoch meist ein wenig kratzen mit der Stockspitze und schwung- bzw. kraftvolle Montage. Auf der Abfahrt fühlt sich die Magneto fast an wie eine normale Bindung, abgesehen von der konstruktionsbedingt steiferen Baseplate und der fehlenden Dämpfung. Die Kraftübertragung funktioniert gut und auch auf härteren Passagen kam kein Gefühl von Kontrollverlust auf. Alles in allem ein tolles Fahrgefühl. Wer dem Board zusätzlich Stabilität verleihen möchte, der hat die Option auch mit den Spark Bindungen die Karakoram Clips, die die beiden Boardhälften aktiv zusammenziehen, anstelle der Voilé Hooks zu verwenden.

Separat zur Bindung erhältlich gibt es einen Heel-Lock, der es euch ermöglicht die Bindung im Aufstiegsmodus hinten zu arretieren, was Sinn macht wenn ihr auf hartem Untergrund grössere Strecken im Skatingstil zurücklegen wollt oder das gute alte ufetäppele aka. Sidestepping auf einer Traverse zum Zug kommt. Das war leider das einzige Bauteil, dass uns nicht überzeugen konnte, da es dazu tendierte je nach Schnee an der Bindung nicht richtig einzurasten oder dann im Gegenzug festzufrieren und man den Mechanismus nur mit Mühe wieder ausser Kraft setzen konnte. Wie uns Spark R&D bestätigte handelte es sich bei der Testversion jedoch um ein Pre-Production Modell und sie nahmen sich direkt der Probleme an.

Vorteile:
* Sehr leichtes und cleanes Design
* Einfaches Setup und simples Finetuning
* Wechsel vom Tour in den Ride Modus bei allen Witterungen problemlos

Nachteile:
* Heel-Lock funktioniert unzuverlässig
* Unter der Bindung kann sich je nach Bedingungen Schnee festsetzen

Karakoram – Prime 1

Die kleine Bindungsschmiede Namens Karakoram, gegründet von den Gebrüdern Kloster im Bundesstaat Washington, hat sich darauf bedacht einen Weg unabhängig von vorhandenen Voilé Pucks einzuschlagen und ein komplett eigenes System von Grund auf aufgebaut. Die neuste Version davon ist diesen Winter als «Prime Serie» auf den Markt gekommen.

Anstelle der Voilé Pucks tritt das Solid-Ride System, das aus zwei ineinandergreifenden Metallaufbauten besteht, worauf die Verbindungsteile geschraubt werden, was eine sehr geringe Aufbauhöhe und ein damit sehr direktes Boardgefühl gibt. Beim Setup der Bindung können durch dieses System Bindungswinkel von +30° bis -30° schnell und einfach eingestellt werden. Für das Feintuning auf eure Schuhgrösse besitzt die Prime1 zwei Einstellungen, gross oder klein. Im Gegensatz zur Spark Magneto müssen für den Umbau jedoch ein paar Schrauben mehr geöffnet und ein paar Teile mehr verschoben werden. Da man dies nur einmal macht und der Umbau mit den sehr guten Support-Videos auf der Homepage der Karakoram Jungs spielend leicht gemacht ist, kann man dies nicht als Nachteil werten. Jedoch ist das bereits ein Beispiel für den ersten Eindruck den die Karakoram Prime1 bei uns hinterliess.

Der Aufbau der Bindung ist genial und macht mit viel Metall einen sehr robusten Eindruck. Im Vergleich zum Spark Tesla System gibt es jedoch sehr viele bewegliche Teile, Schrauben und Nieten, was beim Gedanken an eisige Temperaturen und hohe Belastungen beim ein oder anderen ein etwas flaues Gefühl im Magen verursachte. Es muss jedoch an dieser Stelle angemerkt werden, dass die Bindung mit einem guten Winter auf dem Buckel, während dem sie nicht immer nur liebevoll behandelt wurde, noch aussieht wie neu und die vielen Teile bis jetzt keinen Grund zur Sorge darstellten.

Um in den Tour Modus zu gelangen müssen lediglich die Verschlüsse des Tour Mode Interface hochgeklappt werden, Bindung einrasten und runterklappen, fertig. Der grosse Vorteil beim Karakoram Prime System ist, dass ihr für den Umbau, sowohl vom Tour in den Ride Mode als auch umgekehrt, die Bindungen nicht von den Füssen nehmen müsst. Der Forward Lean des Highback verfügt über eine Spannweite von -8° für die ganz grossen Schritte, bis +22° für vollen Druck auf die Kante. So einfach wie genial ist die Idee, vom voreingestellten Forward Lean für die Abfahrt, durch drehen direkt in den -8° Modus für den Aufstieg zu wechseln.

Karakoram Interface

Die Steighilfen aka Flip-Speed Riser sind traditionell auf dem Board befestigt und verfügen über zwei Höheneinstellungen. Sie werden mit den Tellern eurer Stöcke hochgeklappt, was in der Theorie einfach funktioniert, am Berg mit einem Board voller Schnee und Eis jedoch zum Teil schwergängiger ist als man gerne hätte und einiges an Übung und Gefühl voraussetzt. Einmal aufgeklappt sind sie jedoch so konstruiert, dass sie die Kraft sehr gut auf die Kanten übertragen. Allgemein hatten wir das Gefühl, dass die Kraftübertragung mit dem Karakoram System beim Aufstieg der Spark Magneto eine Nasenlänge voraus war, was zum Teil vermutlich auch auf die hochgezogenen Seiten der Bindung zurückzuführen ist, welche den Boot zusätzlich in der Bindung stabilisieren.

Passend zur Prime-Serie gibt es die Prime Harscheisen. Etwas anders als beim Spark System werden diese direkt an der Bindung eingehakt und durch hochziehen des Power-Link Bügels arretiert. Das hat den Vorteil, dass sich die Harscheisen mit der Bindung auf und ab bewegen und somit nicht mit grossem Kraftaufwand bei jedem Schritt aus dem Schnee «gerissen» werden müssen. Folglich ist jedoch bei hochgeklappten Steighilfen, die sich festkrallende Länge der Zähne etwas geringer, was bei unseren Touren jedoch nie als negativ empfunden wurde.

Einmal auf dem Gipfel angelangt und das Board in die richtige Form gebracht, werden die Bindungen vorne am Solid-Ride eingehakt und durch Hochziehen des Power-Link Bügels am Heelcup durch zwei Stahlstifte in der Baseplate arretiert. Voilà – schon seid ihr bereit für eure Traumlinie, obwohl ihr auch bei dieser Bindung um gelegentliche Eiskratzaktionen nicht herumkommen werdet. In die Line gedroppt ist das Fahrgefühl der Prime1 hervorragend und abgesehen von den oben genannten, unvermeidlichen Eigenschaften einer Splitboardbindung (steife Baseplate & fehlende Dämpfung), ist bei der Karakoram Prime1 praktisch kein Unterschied zu einer normalen Bindung auszumachen, inklusive bequemer Straps, die die Schuhe bombenfest an Ort und Stelle halten. Unserer Meinung nach ist auch im Ride-Modus die Kraftübertragung bei der Prime1 eine Spur direkter als bei der Spark Magneto und das Brettgefühl einen Ticken besser. Nicht unschuldig daran, neben der Bindung, sind sicherlich auch die Karakoram Clips, die im Gegensatz zu den Voilé Hooks die Boardhälften auf halber Distanz zu Nose und Tail zusätzlich, aktiv zusammenziehen. Bei der Prime1 bereits eingebaut ist der Heel-Lock um eure Bindungen im Tour-Mode an der Ferse festzumachen. Dabei muss lediglich der Power-Link bei runtergeklappter Bindung hochgezogen werden und ihr seid bereit für die Skating Strecke.

Neben all dieser Vorteile muss es auch Nachteile geben. An erster Stelle zu nennen wäre der Preis, der für die Karakoram Prime1 doch sehr stolz und von den 3 hier vorgestellten Systemen am höchsten ist. Wollt ihr euch dann auch noch eine leichtere Version des Prime Systems gönnen, um gewichtstechnisch mit der Spark Magneto mithalten zu können, müsst ihr ziemlich tief ins Portemonnaie greifen. Ein zweiter «Nachteil» oder besser gesagt kleinere konstruktive Überlegungsmängel stellt unserer Meinung nach der Power-Link Hebel dar. Abgesehen von eingeklemmten Fingern beim Hochklappen, die auf Tollpatschigkeit des Anwenders zurückzuführen sind, ist es mit, wie auch ohne Handschuhe schier unmöglich, mit der Bindung am Fuss diesen Hebel wieder hinunterzudrücken um z.B. die Heel-Lock Arretierung zu lösen. Zum Glück lässt sich dies mit einem kleinen Stück Schnur in McGyver Manier lösen, jedoch sollte so etwas bei einer Bindung in dieser Preisklasse nicht vorkommen.

Vorteile:
* Einfacher und zuverlässiger Umbau bei allen Witterungen
* Beste Kraftübertragung aller getesteten Bindungen (Tour- und Ride-Mode) und direktestes Boardfeeling
* Ausgeklügelter Ride-Stride Forward Lean, durch Drehung
* Aktives Zusammenziehen der Boardhälften durch die Karakoram Clips

Nachteile:
* Teuer
* Power-Link erfordert kleine "Erweiterungen" um auch mit Handschuhen bedient werden zu können
* Steighilfen relativ schwergängig und knifflig aufzuklappen mit dem Skistock

VERÖFFENTLICHT 11.05.2015
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