Jetzt aber mal ganz langsam ihr Sochianer!

Ruedi bloggt: Ein bisschen mehr Besinnung bitte.
Du hast doch schon zweimal gewonnen, jetzt zeig mal ein wenig Eier!

Ach ja, wie wir uns doch auf die olympischen Spiele freuen. Friedefreude-Eierkuchenstimmung. Wie aufregend!

Liest man die Interviews mit den Snowboardern hier auf TLF durch, staunt man schon nicht schlecht. Ist da eigentlich ein Bewusstsein vorhanden, was für eine Veranstaltung man mit den OS besucht und welche Rolle man als «Athlet» dabei einnimmt? Und mit dem Bewusstsein meine ich nicht unbedingt den Boykott, den David Benedek oder Terje fordern, sondern das ganz banale «sich Gedanken machen».

Man schätzt die Kosten der Spiele in Sochi inzwischen auf 50 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Vancouver (2010) soll schlussendlich 7-8 Millarden gekostet haben – und das war schon viel zu viel für eine Veranstaltung, an der lediglich ein paar Kinder spielen wollen. Was aber laut mehreren Medienberichten im Vorfeld in Sochi gelaufen ist, sprengt jeden Rahmen. Massenweise Enteignungen (teilweise ohne Entschädigungen), tagelange Strom- und Wasserunterbrüche, Verkehrschaos sowie monatelange Lärmbelästigungen. Die Bewohner von Sochi dürften vor lauter Albträumen Angst vor dem Schlafen haben.

Hoffentlich werden alle diese Handschuhe tragen. Putin würde sich freuen!

Aber auch die «Athleten» werden den einen oder anderen Gefahren ausgesetzt. Wenn man aus dem Nichts eine ganze Olympiastadt bauen muss, wird die Zeit schnell mal knapp und man beginnt bei den Bauarbeiten zu suddeln. Eine Skisprungschanze, die auf einer Unterlage von Schlamm gebaut worden sein soll, zeigt, wie wichtig den Veranstaltern die Sicherheit derjenigen ist, die die Veranstaltung erst ermöglichen: die Sportler. Auch hier ist mit dem Schlimmsten zu rechnen.

Und diese Quälereien nur, damit Putins Name in den Geschichtsbüchern gesichert ist und sich ein paar Minister mit zu klein geratenem Gemächt einen Prestigekampf liefern können?

Spätestens wenn es um die eigene Sicherheit geht, muss man sich als Teilnehmer einer solchen Veranstaltung doch Gedanken machen? Wo sind die Fahrer mit Rückgrat? Fahrer, die noch eine Meinung haben und nicht einfach blind ausführen was ein Sponsor oder das IOC predigt? Denkt drüber nach und schaut die Arte-Doku unten. Sie zeigt das Entstehen von Sochi 2014 mit all seinen schmutzigen Details.

Prost!

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VERÖFFENTLICHT 04.02.2014
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Kommentare (06)

killphill (29) 07.02.2014

danke Anon, very nice!


Anonym
Anonym
anon
07.02.2014

Hier waere das Video welches "verschwunden" ist...

:P

Anonym
Anonym
Peter
06.02.2014

Danke für die Antwort Ruedi.

Naja, sicher hat Terje's Boykott zum denken angeregt, nur interessiert das niemanden in der Zukunft. Wenn man sich an Sochi erinnert wird wohl niemand als erstes sagen: "Waren das nicht die Spiele welche Terje boykottierte..."

Wennschon hätten sich die Athleten über Sportarten hinaus verbünden müssen und so Druck auf das IOC und Sochi ausüben...

Naja... man lebt halt nur einmal. Wollte damit aber nicht sagen, dass man deswegen einen Scheiss für die Gesellschaft, Natur, usw. geben soll. wollte einfach sagen, dass wenn einem eine Olympiade etwas bedeuted, dann wird man die Chance nutzen diesen Event zu gewinnen... Halt auch im korrupten Russland. Man bleibt ja nicht ewig in der Form des Lebens...

Jedem das seine... viel Spass beim TV-Boykott oder sonst halt vor dem TV.

Anonym
Anonym
Anti
05.02.2014

Finde diese ganze Yolo scheisse auch zum kotzen! Die perfekte Ausrede einer verwöhnten und arroganten Gesellschaft um weiterhin wie ein Parasit weiterzuleben (nicht nur auf Snowboarden bezogen). Und Snowboarden + Olympia? Eine ungemein hässliche Kombination! Für mich persönlich hat Patriotismus im Snowboarden nichts verloren, soll der Müll doch bei Fussball, Skilaufen, Kriegführung und co. bleiben.

Aber jedem seine eigene Meinung, mfg :)

Ruedi (54) 05.02.2014

Hi Peter, danke für deinen Kommentar!

Wenn du meine sonstigen Bloggs gelesen hättest, würdest du sehen, dass ich mir hin und wieder mal Gedanken zur "Szene" mache. Es ist nicht eine Zusammenfassung der Doku, sondern eine Zusammenfassung von inzwischen bekanntem Unrecht, das in Russland praktiziert wurde. Die Doku bringt keine neuen Tatsachen auf den Tisch, aber sie dokumentiert diese eben gut.

Gegenfrage: Führt denn ein Statement nicht allenfalls dazu, dass sich ein paar Leute Gedanken machen? Terje's Boykott war emel auch ein Statement, dass viele zum denken angeregt hat.

Aber klar doch: "you only live once"! – nach "Geiz ist geil" das nächste bescheuerte Motto, das sich irgendwelche Privatschulkinder ausgedacht haben. Hauptsache der eigene Durst wird gelöscht, scheiss drauf, wenn andere vor die Hunde gehen. Tut mir leid, dass du so denken musst.


Anonym
Anonym
Peter
05.02.2014

Eine Doku schauen und dann davon eine Zusammenfassung online stellen... Ist das denn "sich Gedanken machen"...

Teile deine Meinung wohl, dass hier einiges aus dem Ruder oder besser gesagt, nicht rechtens gelaufen ist, aber irgendwie ist dein Beitrag mehr ein Statement als eine Aufforderung sich Gedanken zu machen....

Wie auch immer... Wenn ich Sportler wäre und an die olympischen Spiele aufgeboten würde ich keine Sekunde zögern und hingehen. Mainstream, Geld, kein Rückgrat - naja, was soll's wir leben nur einmal, und die Atmosphäre einer Olympiade ist ganz sicher etwas einzigartiges was einem ein Leben lang begleitet.

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