Roll'n'Rock mit Melancholie

Skandinavischer Sk8punk zum Letzten, versprochen. Doch auch Millencollin hat (hier) sicher noch einen Auftritt verdient – spielt bald live in Luzern – bevor wir wieder in andere Genres wechseln.

Sommer ist Roll-Zeit und an Rock fehlt es nicht auf diversen Bühnen. Wir nehmen für euch in einer lockeren Serie unter die Lupe, wo, wann und wie sich Skateboarding und Musik kreuzen und zeigen in dieser Rubrik bessere und weniger gelungene Kooperationen. Geniesst die warme Zeit des Jahres, ob draussen auf dem Brett, im Keller mit gut aufgedrehten Amps oder Musik im Ohr zum rumcruisen... Roll'n'Rock on!

Millencolin

Hier gleich mal der Beweis, dass es weltbekannte Musiker gibt, die auch wirklich skaten können. Nikola, Mathias und vor allem Erik lassen es verhältnismässig nicht schlecht krachen – wenn auch mal mit Handgelenkschoner, um sich nicht gerade die Karriere auf der Bühne zu versauen bei härteren Slams.

Schweden Rockt immer noch!

In meinem letzten Beitrag dieser Serie habe ich Skandinavien als eine «Feriendestination des Sk8punk» bezeichnet, da ich dachte, dass diese Stilrichtung nicht mehr so angesagt wäre. Nachdem in den Nullerjahren Bands wie The Hives ihre Kollegen ein Stück weit abgelöst zu haben schienen, zeichnen die heutigen Aktivitäten der noch leicht älteren Hasen wohl doch ein anderes Bild:
Auch Millencolin ist wieder fleissig unterwegs, am 3. September sogar mit weiteren attraktiven Acts beim legendären Sedel – 35 Jahre Jubiläum Open Air – zu Gast.

Ist dieser sogenannte Skatepunk – in Fachsprache eher Melodycore genannt – also immer noch populär und wurde nicht zu sehr vom bösen Metalcore in' Schatten gestellt?

Wahrscheinlich haben noch einige Skater meiner Generation Scheiben rumliegen von diesen 90er Bands, welche man zwar nie zu lange am Stück hören konnte, die aber doch oft auch ihre Songs mit Ska- und Jazzeinflüssen aufzulockern wussten. Wer das als Musikgruppe geschafft hatte, war zwar nicht überall gleich beliebt – verlor gegebenenfalls HC Fans – doch verschaffte sich somit ein breiteres Publikum, das offensichtlich auch noch heute eine gewisse Nachfrage generiert.

Ein deutlich skatelastiger Song, der auf der EP (CD) als «hidden Track» bei Nr. 5 angehängt ist, aber auf keiner Tracklist erwähnt wird.

Natürlich hatten auch Millencolin ihr Colabs und Banddecks. Hier mit dem Logo von «Life on a Plate»
Von boardenden Punks zu HipHop – und zurück

Ich halte auf jeden Fall meine oben im Videolink abgebildete und erklingende EP in ehren – auch wenn ich sie wohl über 10 Jahre nicht mehr aufgelegt habe –, denn sie war ein Geschenkt Ende 90er von 2 Brüdern in Sagogn bei Laax, wo ich während eines Boardercross Events übernachten durfte. Erlaubt mir so viel Persönliches für meine Feststellung, dass damals viele Snowboarder vom Punk in's HipHop-Lager gewechselt haben.
Dass dies aber auch andersrum funktioniert, haben mir ebenfalls gewisse Kumpels schon öfters bewiesen.

Bandname huldigt einen der ästhetischsten Skatetricks

«Millencolin» soll laut Wikipedia von Melancholie abgeleitet worden sein – ein Trick, besser bekannt in seiner Kurzform des Namens als «Melon».
Auch wenn man in dem frühen «Ska-Punk» der Band nicht viel melancholisches erkennen kann, so darf man sich doch über die schöne Inspiration zum Namen freuen.
In den Texten dann findet man ebenfalls öfters den Bezug zu Brettern, welche vielleicht in musikalischen Jamsessions nach dem Rollen ganz natürlich in's Vokabular eingeflossen sind:

Use your nose as your tail going switch stance never bail, never bail, never bail Find a curb, do a grind, do the things you can not find Use your nose, use your nose"— Nikola Sarcevic, Ausschnitt der Lyrics von «Use Your Nose».

Des weiteren deuten Texte auf dem zweiten Longplayer auf einen gelebten Vegetarismus hin – was doch mal eine nette Abwechslung bietet zu den gängigen Themen des Genres.
Die Stilistische Entwicklung ihrer Klänge steuert mit dem Wechsel in's neue Jahrtausend auf eine rockigere, härtere Schiene hin, um dann schlussendlich wieder bei sportlicheren Tempi anzukommen.

Zum Schluss hier einer der – für Leute die sich auch gametechnisch mit Skaten beschäftigt haben – wohl bekanntesten Songs für die Playstation-Generation. Ein Ohrwurm aus «Tony Hawk's Pro Skater 2», der nach Jahren doch wieder mal gehört werden darf.
Hier live, wie sie eben auch bald in der Schweiz zu sehen sind:

THEMA News / Musik
VERÖFFENTLICHT 23.08.2016
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