Mein Post

Erfahrene Hasen über Sochi: Therry Brunner

Der Sportgymi-Trainer ist pro Olympia und hält von Boykottierungen gar nichts.
Therry Brunner

David Benedek ist eher kritisch, Gian Simmen ziemlich olympia-freundlich und Reto Lamms Meinung liegt irgendwo dazwischen. Der heutige Kandidat sieht ebenfalls viel Gutes an Sochi: Therry Brunner. Die mit grauen Haaren in den Ohren erinnern sich. Therry war fleissiger Pipefahrer, rockte dazumal vor allem die ISF (R.I.P.) und war ebenfalls, wie Gian, schon Olympia-Teilnehmer.

Heute ist Therry Coach am Sportgymnasium in Davos, wo schon so mancher guter CH-Snowboarder gepaukt hat (u.a. Iouri, Mä Keller, Colin Frei oder Gian-Luca Cavigelli). Und auch heute noch werden dort künftige Stars und Sternchen geformt, wer da u.a. dazu gehört, verrät uns Therry gleich selbst.

Für Sochi sind die meisten deiner Jungs und Mädels noch zu jung. Arbeitest du im Training auf die Olympiade im Allgemeinen hin? Wird z.B. Pyeongchang 2018 als Langzeit-Ziel konkret angestrebt?
Nach aktuellem Stand werden drei Snowboarder unserer Schule – David Hablützel, Jan Scherrer und Lucien Koch – in Sochi mit dabei sein und die Schweiz an Olympia vertreten können. Alle drei sind aktuell in grossartiger Form und werden an Olympia aus meiner Sicht spektakuläres Snowboarden und grossartige Tricks zeigen können. Das wird für sie eine einmalige und grossartige Erfahrung werden und man darf sehr gespannt sein, wie weit sie, bei diesem sicherlich höchsten Level aller Zeiten, schon kommen können. Für unsere anderen Snowboarder am Sport-Gymnasium sind diese drei Genannten natürlich im täglichen Training eine grosse Motivation und Inspiration gleichermassen. Und so ist klar, dass für alle anderen Snowboarder unserer Institution – total sind es 15 bei uns – Pyeongchang 2018 ein grosses und für einige sicherlich auch ein realistisches Ziel darstellt, das im Training auch antreibt. Aus meiner Sicht ist für die aktuelle Generation Olympia ganz klar das Höchste der Gefühle. Je länger, je stärker kristallisiert sich das so raus und ähnelt von daher anderen Sportlern aus anderen Disziplinen. Ausser für Fussballer, Surfer/Skater und ein paar wenige andere ist Olympia einfach das Grösste! Im Training arbeiten wir einfach allgemein sehr intensiv, fokussiert und vielfältig. Sprich das Ziel unserer Schule ist, dass unsere Snowboarder auf dem Schnee, kraft- und koordinationsmässig, polysportiv und mental so gut trainieren und sich entwickeln können, dass sie als Athleten und Menschen die bestmöglichen Voraussetzungen haben, täglich weiter zu kommen und sich zu verbessern und ihr Potenzial bestmöglichst auszuschöpfen. Dabei setzen wir uns das höchste Level als Massstab und Ziel. Dass sich daraus dann Olympiateilnehmer und Kandidaten entwickeln, ist sozusagen die logische Konsequenz dieser Philosophie!

Auch du hast zweimal an Olympia teilgenommen. Welche positiven, welche negativen Erinnerungen hast du an die Zeit? Inwiefern war Olympia für dich eine gute/schlechte Erfahrung?
Olympia ist in jeglicher Hinsicht ein grossartiges und einmaliges Erlebnis. Was gibt es Schöneres, als wenn die sportliche Jugend der Welt friedlich und bunt zusammen kommt, um sich auf höchstem Level sportlich zu messen und dabei sich gleichzeitig menschlich auszutauschen? Für mich persönlich war es sportlich eine wunderbare Erfahrung: Im Vorfeld hat es enorm gepusht im Training und uns als Schweizer Team so weit gebracht wie nie zuvor. Sprich es hat mich zu einem besseren Snowboarder gemacht, und das Level unseres geliebten Sports allgemein gepusht. Auch menschlich war es für mich beide Male einfach nur fantastisch: An Olympia habe ich so viele tolle Menschen aus diversen Ländern kennengelernt und getroffen, was unheimlich bereichernd war und daraus sind bis heute anhaltende Freundschaften entstanden. Zudem ist das Gesamterlebnis Olympia mit all den Athleten aus aller Welt, der ganzen Schweizer Delegation, dem grossen Rummel, dem Olympiadorf, den perfekten Anlagen, den unzähligen Helfern, dem ganzen Ambiente, den Feiern (Eröffnungs-und Schlussfeier) und den vielen Fans mir bis heute in bester Erinnerung! Die einzige persönlich schlechte Erinnerung ist, dass es mir bei meinen zweiten Spielen 2006 in Torino – trotz toller Form und guter Vorbereitung – im Wettkampf wegen eines Sturzes im unteren Teil der Pipe sportlich nicht wie gewünscht lief.

Hin und wieder liest man in den Medien, aufgrund des politischen Verhaltens Russlands, von Boykott. Was hältst du davon?
Davon halte ich gar nichts und empfinde es eine rein mediale und völlig abstruse Idee. Sport ist Sport, Olympia ist wie erwähnt das grosse Fest und die Zusammenkunft der sportlichen Jugend dieses tollen Planeten. Diese Grundidee und Olympia sind zu schön und einmalig und wichtig für diese Welt, um überhaupt auf solche Gedanken eines Boykotts zu kommen. Ich kenne keinen Sportler, der auch nur eine Sekunde ernsthaft über so etwas im Hinblick auf Sochi nachdenkt; und das ist auch richtig so. Politik hingegen ist Politik und damit eine ganz andere Schiene. Dafür gibt es auf der (fast) ganzen Welt gewählte Menschen, die sich damit professionell beschäftigen. Die sollen sich mit all diesen politischen Themen und dem Umgang der Länder zu- und miteinander beschäftigen und dementsprechend die richtigen Lösungen finden.

Zum Schluss wollen wir noch deine Sieger Tipps!

HALFPIPE MÄNNER
1. Shaun White
2. Greg Bretz
3. Hitsch Haller oder Danny Davis

HALFPIPE FRAUEN
1. Kelly Clark
2. Torah Bright
3. Gretchen Bleiler

SLOPESTYLE MÄNNER
1. Torstein Horgmo (Interview wurde vor dem Sturz geführt)
2. Shaun White
3. Stale Sandbech

SLOPESTYLE FRAUEN
1. Jamie Anderson
2. Enni Rukajärvi
3. Isabel Derungs

Auch du willst tippen? Jetzt hier informieren und u.a. satte Preise von Vans gewinnen!

VERÖFFENTLICHT 05.02.2014
SHARE ME…

Kommentare (07)

Anonym
Anonym
Ich
12.02.2014

Hitler trennte den Sport auch von der Politik hüstel hüstel

Anonym
Anonym
Hans
10.02.2014

Sport von Politik zu trennen ist schon richtig, nur sind die Athleten (und Athletinnen!) nicht nur Sportler, sondern auch private und öffentliche Menschen (mit einer gewissen Vorbildfunktion), die Verantwortung tragen und diese auch persönlich wahrnehmen müssten. Sie ist nämlich nicht an professionelle Politiker delegierbar, wie sich das Therry Brunner wünscht: Jeder muss selber für seine Entscheidungen geradestehen können. Olympia, insbesondere die diesjährigen Spiele in Sotschi, tangieren politische Themen in hohem Masse. Klar sind olympische Spiele für jeden Teilnehmenden ein einzigartiges, grandioses Erlebnis. Aber zumindest dieses Mal müssen sich die Teilnehmer dann doch die Frage stellen, ob sie einen solchen Anlass um jeden Preis unterstützen möchten. Es verwundert, dass Therry Brunner keinerlei Verständnis dafür aufzubringen vermag.

Anonym
Anonym
Rinu
06.02.2014

Das Therry als früherer FIS-Fahrer die Olympia eine super-Sache findet, war ja zu erwarten. Die Aussage bezgl. Politik und dass man die doch den Politikern überlassen soll, zusammen mit der Trainingsphilosophie, die so genau so von einem Fussball-, Langlauf- oder wasauchimmer-Trainer kommen könnte, zeigt allerdings, das Snowboarden für manche Leute scheinbar eben doch ein Sport ist.

Zum Glück werden in der Industrie aktuell auch noch Leute wie Scott Stevens gepusht, damit die Kids nebst solchen "Sportlern" noch andere Vorbilder haben. Mal schauen, ob sich dieser Fokus nach der Olympia noch verändert.

Ruedi (55) 06.02.2014

auch Isabel Derungs trennt Sport von Politik:

http://www.avu.ch/sport/Isabel-Derungs-Der-SlopestyleKurs-ist-gigantisch---/story/20149537


Anonym
Anonym
Haba Kuckuck
05.02.2014

Wenn ich diese sätze lese, was er als trainer mit seinen kids da für ein programm durchzieht bzw. welche vorstellungen er vom sport snowboarden hat, habe ich das gefühl, bleibt der spass auf der strecke. Nun, snowboarden auf diesem niveau ist wohl definitiv zu einem leistungssport geworden. Da kann man dann genausogut das eiskunstlaufprogramm anschauen. Schade, nun damit kann ich ja noch leben und man muss ja dem nicht nacheifern. zudem gibt es ja zum glück noch genügend alternativen bzw. fahrer, die ein snowboarden leben und zeigen, wie ich mir es vorstelle. (Scott stevens, scotty vine und und und...)

Mehr mühe habe ich mit der etwas banalen trennung von sport und politik. Wenn er schon erwähnt, dass er sich zum ziel macht nebst dem athleten einen menschen auszubilden, finde ich die trennung "sport ist sport und politik ist politik" etwas fragwürdig ,sehr kurzsichtig gedacht und etwas widersprüchlich.

Gerade weil wir eben nicht auf der ganzen welt "freie wahlen" (keine ahnung, wie er auf diese aussage "fast" ganzen welt kommt) haben, unter anderem nicht in russland, das sehr stark von korruption geprägt ist, finde ich, dass eine kritische auseinandersetzung mit olympia für mich durchaus seine berechtigung hat und das sollte meiner meinung nach auch am sportgymnasium in davos zum thema gemacht werden.

Ruedi (55) 05.02.2014

schade!


Anonym
Anonym
Haba Kuck
05.02.2014

Scheuklappen auf und im Kreis drehen! Bravo Theodor!

Weitere Beiträge