Roll'n'Rock in den grossen Skate- und Kulturstädten mit günstiger Nähe

Die Alternative zum Atlantik-Surftrip für arbeitsscheue und umweltbewusste Snowboarder, welche in’ letzten warmen Tagen noch ihre gewünschte Dosis an Bewegung, Kultur und Abenteuer reinziehen wollen.
Ridin' high über den Stufen des Hirschgarten Bowls in MUC. Actionfotos: Lilin
Approaching Oververt, Beer o'clock soon... Das Pushen in der Fullpipe braucht reichlich Energie!
Ein goldener Herbst wird zur idealen Skatesaison

Wir werden die Tage ja geradezu verwöhnt von ruhigem Hochdruckwetter, in denen man sich schier noch in Sommergefühlen wähnen möchte. Da könnte man als eigentlich begeisterter Surfer durchaus mit einem Trip an den Atlantik liebäugeln, um wieder mal seine Füsse im Sand vergraben und den Geschmack vom Salzwasser kosten zu dürfen. Schlussendlich wäre ja Wellenreiten – mit dem unvermeidlichen Trainigseffekt des Paddelns verbunden – die ideale Vorbereitung für einen «Wintersportler», um allfälligen Verletzungen vorzubeugen.

Da ich meinen Lebensstil kaum als «sportlich» bezeichnen und mich nicht zu sonstigem Oberkörpertraining motivieren kann, hab ich mir die aufwändige und CO2-intensive Reise an's Meer damit viele Male gut reden können und Aktiv-Ferien am Strand auch wirklich ausgiebig genossen und geschätzt. Doch mittlerweile mag ich das – für mich persönlich – stressige, lange Autofahren und die damit einhergehenden Konsequenzen nicht mehr auf mich nehmen.

So kam es, dass ich mich mit meiner Freundin für eine Alternative entschieden habe, die sich bewähren sollte. Ein Trip nach München und Prag bot perfekte Bedingungen zum Skaten: Man schwitzt sich bei dem angenehm frischen Wetter weniger die Hose nass; übermotivierten Skatern, welche sich mehrheitlich von Energydrinks oder sonstigen süssen Flüssigkeiten ernähren, droht nicht mehr der Hitzetod durch Dehydration; die Parks sind angenehm mager bevölkert und überhaupt herrscht eine äusserst entspannte Stimmung zurzeit.

«Bushfire» klingt live zwar so heavy wie versprochen, doch mit einer viel sympathischeren Stimme des eindrücklichen Sängers.
Kilometer an Haaren und tonnenschwere Gitarren am «Feier»-Abend

Natürlich dürfen bei solchen «Päärliferien» Kultur und die Option, auch anderen Interessen nachgehen zu können – fernab von Boardsports – , nicht zu kurz kommen. Dies war aber in den angepeilten Städten definitiv kein Problem!
Zum Glück mag mein Mädel ebenfalls intensive Gitarrenmusik, mit welcher am Keep it Low – meinem künftigen Lieblingsfestival – nun wirklich nicht gegeizt wurde...
An zwei Abenden spielten einfach nur gute Bands, von denen man kaum eine kannte als Hobby-Stoner-Rock-Fan. Zu diesem internationalen Stelldichein sind nebst zahlreichen Kombos aus dem Gastgeberland auch Musiker von Griechenland oder Dänemark angereist, während andere sich gar aus Übersee oder Downunder herbemüht haben!
Letztere Namens Child haben in Melbourne zu einem meist recht langsamen, doch dafür nicht weniger bewegenden, tiefen und gut verzerrten Bluesrock gefunden. Mit den eher Punk/ Prog./ Metal orientierten amerikanischen Valient Thorr – bekannt über's Volcom Label – auf Tour, steckten die beiden Bands in etwa die Bandbreite ab, zwischen welchen Stilen sich ihre Kollegen bewegten. Oft ohne erzwungenen Text, Gerede und Getue in und zwischen den Songs, spielten die insgesamt 17 Bands einfach nur ehrliche, packende Musik, deren Bässe durch das Gelände des Feierwerk vibrierten.

Die crazy Miniramp grenzt gleich an die grösste Konzerthalle!
Skatepark im Hinterhof – perfekter Kulturmix!

Die Münchner lassen sich ja eh nicht lumpen mit Angeboten für Skater und haben auch begriffen, dass diese gut geförderte, wunderbare Freizeitbeschäftigung zu anderen (Sub-) Kulturen passt oder solche gar irgendwie zusammengehören können.
Das sieht man gerne: Ein bunter Betrieb mit zahlreichen musikalischen Leckerbissen in diversen Räumen – über's ganze Jahr werden dort Konzerte und weitere Events veranstaltet – mit anliegendem Betonskatepark und Holzrampe stellen ein solides Angebot an nicht konsumorientierten Alternativen zu Shopping oder bayerischen Traditionen in der Grossstadt.

Hoffen wir, dass das Motto «keep it low» dort nachhallt und der eindrücklichen Geschichte zufolge auch nächstes Jahr wieder auf Fahnen und Flyer geschrieben wird – wo stets auch Abbildungen von Skateboards ihren Platz finden.

Günstig reisen in Fernbussen

Ob nun fette Events angesagt sind oder nicht, eine Reise mit Rollbrett im Gepäck nach München lohnt sich bei trockenem Wetter immer. Ab knapp 20 Stutz bist du mit einem Ticket im Bus dabei, der sich z.B. unweit vom TLF-Büro in Zürich in Bewegung setzt und dich in weniger als 4 Stunden an's Ziel bringt. Das ist meist günstiger und sogar ökologischer, als mit dem Zug zu fahren, da die Deutsche Bahn leider bis auf weiteres durstige Diesellocks einsetzen muss auf der Strecke ausserhalb der CH-Landesgrenze.

Wer sich länger Zeit nehmen kann, dem empfehle ich die Weiterreise in ein Land, wo noch mehr Ferienfeeling aufkommt. Nach weiteren 5 Stunden Busfahrt (von MUC) steht man schon im Herzen von Tschechien, wo man mit einer komplett anderen Sprache konfrontiert wird, plötzlich keine Ahnung mehr hat, welches Kleingeld man in den Ticketautomaten stecken muss vor der Fahrt mit der U-Bahn etc...
Prag lohnt sich nicht nur für Bier-Gourmets und Liebhaber von günstigen, fettigen Speisen. Dort ist's nun wirklich an jedem Wochentag möglich, internationale Bands – von Top Acts in Pop und Rock über Weltklasse-Jazz bis Trash – zu sehen und dabei äusserst günstige, lokale hopfenhaltige Getränke zu geniessen. Auch findet man dort noch billige Absteigen von Hostels, die man sich wirklich leisten kann, um ein wenig Schlaf für verschiedenste Erlebnisse zu tanken.
Hier nun doch erstmal ein paar Pics für Sk8orientierte:

Prag lässt sich bei fast jedem Wetter skaten!

Laut den Locals wird das massive, gedeckte Gelände des Mystic Skateparks – günstig gelegen auf einer netten Insel im Fluss nördlich des Zentrums – fast das ganze Jahr über berollt. Da es keine Halle ist mit geschlossenen Räumen, wird es zwar saukalt im Winter, doch immerhin kaum nass oder beschlagen aus feuchter Luft. Da ist wirklich für alle was dabei, vom Holzbowl für easy Cruising, Vertvergnügen oder satte Airtime bis zu allen erdenklichen Streetobstacles auf einer gigantischen Fläche.
Mehr oder weniger «natürliche» Streetobstacles findet man hoch über der Stadt, wo man in einer Pause besten Ausblick über Fluss und Bauten geniessen kann, umgeben von grünen Parkanlagen.

Ein gutes Stück westlich ausserhalb des Stadtkerns schliesslich gibt's – nebst einigen andern Spots dazwischen – noch einen fetten Betonpark mit Bowls, diversen Transitions, Banks und Wallrides, verschieden geformte Rails in jensten Längen und Höhen, Gaps, Curbs und Ledges, was das Herz begehrt.

Shoefiti beim ehemaligen Stalin-Denkmal, wo heute fleissig geskated wird. Lass deine kaputten Treter und somit deine Sorgen baumeln!
Reisen hilft

Egal aus welcher Motivation man einen Ausflug plant, Abenteuer in unbekannten Gefilden helfen offen zu bleiben oder zu werden. Vielleicht musst du als Freigeist oder Rabauke auch mal eine neue Stadt erkunden, da in deiner Heimat dein Gesicht nur allzu gut bekannt ist. Auf zu neuen Herausforderungen, wenn's auch nur wieder mal «einfachste» Verständigung ist mit Händen und Füssen beim Einkaufen oder Weg suchen; vielleicht brauchst du eine Bar, in der du nicht Hausverbot hast und wo du einfacher neue Leute kennen lernen kannst; du holst dir eh grundsätzlich frische Inspiration in diversen Bereichen.
Gerade in diesen Zeiten tut es auch mal gut, sich als «Ausländer» zu fühlen, selbst wenn es nur in der Rolle eines privilegierten und meist willkommenen Touristen ist. Gewisse Bilder unterwegs können einen dann schon nachdenklich stimmen, wenn Busbahnhöfe für heimatlose und schlecht «ausgerüstete» Menschen zwangsweise zur Übernachtungsmöglichkeit werden oder man an zahlreichen BettlerInnen vorbeigehen muss, wo wahrscheinlich jede(r) ein Groschen nötig hätte.

Tja, sei dir einfach deiner glücklichen Lage bewusst und relativiere deine Sorgen. Denke ebenfalls immer wieder mal über deine Chancen, aber auch Konsequenzen vom Reisen nach – einige sollten vielleicht öfter losziehen, andere weniger oder anders. Es gibt Alternativen für ökologisch vertretbares Weltenbummeln, die einen nicht weniger befreien, erhellen, sensibilisieren und doch auch voll freuen!

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VERÖFFENTLICHT 30.10.2015
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