Kosmetik für Olympia kann nicht über die Schattenseiten in tiefen Falten hinweg täuschen

Wenn Skateboarden und Surfen in 4 Jahren die Olympiade verjüngen sollen, wird dieses dünne «Make Up» ihre traurige Geschichte wohl kaum cooler wirken lassen können.
Im besten Fall eignen sich bisher «Olympiaruinen» für lokale Freestyler noch als Spots für ungestörte Sessions. Screenshot «Die Spur der Weissen Elefanten»
Olympia – ein Fluch für die Austragungsorte

Polizeigewalt, Vertreibung, Steuerbelastung und Korruption. Für die Bevölkerung von Ländern, Regionen und Städten, welche den Zuschlag für die Austragung einer Olympiade erhalten haben, war dies noch kaum jemals ein (langfristiger) Segen.
Wenn jemand nachhaltig profitiert, waren dies bisher immer höchstens ein paar reiche Investoren, Versicherungen und Baufirmen – vielleicht noch einige bestochene PolitikerInnen und Funktionäre.
Die (durchschnittlichen) BürgerInnen haben – entgegen den üblichen Versprechungen – praktisch immer nur gelitten unter der Belastung von Olympischen Spielen. Die bewilligten Budgets werden regelmässig bis um das fünffache überschritten; so kostete zum Beispiel Sotchi vor gut zwei Jahren über 50 Milliarden, statt den vorgängig kalkulierten zwölf – teurer als alle bisherigen Winterspiele der Geschichte zusammen!

Man benutzt die Spiele, um die Privatinteressen von einigen wenigen zu befriedigen."— Luiz Claudio Silva, Sportlehrer in Rio in «Die Spur der Weissen Elefanten».

1968 wurden in Mexiko 200 demonstrierende StudentInnen «abgeschlachtet», insgesamt gab es dort über 300 Todesopfer nach Protesten! In Rio wurde laut Amnesty International nun im Mai und Juni vor den Spielen durchschnittlich mehr als ein Mensch pro Tag von der Polizei getötet – diese ungewöhnlich starke Zunahme gegenüber den Vorjahren muss einen Zusammenhang mit der Olympiade vermuten lassen. Zahlreiche Familien verloren ihr Zuhause, wer bleibt muss oft im Dreck leben oder wird wie solcher behandelt.

Rio de Janeiro in der Krise kurz vor den Spielen: Die Wirtschaft ist am Boden, das Volk leidet – die unverhältnismässigen Bauten müssen erzwungen werden. Screenshot «Die Spur der Weissen Elefanten»
Selbst SportlerInnen profitieren selten.

Ob in Zukunft mehr Skateparks bewilligt und gebaut werden, wenn Surfen und Skateboarden als «Disziplinen» zur Imagepolitour von Olympia dazugeholt werden, bleibt fraglich und wäre wohl «unser» einziger Trost. Was in der Schweiz vielleicht dank Iouri's Ansage und mögliche Teilnahme funktionieren könnte, ist bei den zukünftigen Austragungsorten und in ärmeren Ländern nicht zwingend absehbar.
Die nachhaltige Qualität von Anlagen und der langfristige Zugang zu solchen für «AthletInnen» ist nicht selbstverständlich.
Und wenn dann beim Surfen von gigantischen Wavepools als einzige Option für faire Wettkämpfe gesprochen wird, dann muss man nicht nur an deren Kosten für Umsetzung, Betrieb und Unterhalt denken, sondern natürlich zwingend auch über die Ausrichtung zwischen «Sport» und «bewegungsorientierter (Jugend-) Kultur» – wie es Titus etwa in einem lesenswerten Interview bezüglich Skaten nennt – diskutieren.
Oder man hält einfach die Fresse und macht genau das, was man schon immer geliebt hat, erfährt dabei seine Satisfaction, trifft gute Menschen und verbringt (mit ihnen) eine angenehme Zeit.

Doch wer sich für Olympia und die brutalen Konsequenzen solcher Mega-Events wirklich interessiert, der oder die soll sich doch statt Pistolenschiessen oder anderen sogenannte Sportarten – nur weil «wir SchweizerInnen» da vorne mitmischen können – besser mal 'ne knappe Stunde folgende Doku reinziehen, mit traurigen Fakten in einer gelungenen Analyse von aktuellen und vergangenen Spielen:

Wie sich die (Sk8-) Szene zur Olympianisierung unserer Lieblingsbeschäftigungen äussert, darüber findet ihr eh genügend Statements und Kommentare.
Skateboarden und Surfen bleiben (für uns) eh das, was wir daraus machen, wie ein guter Freund dies treffend formuliert hat.
Und das von Olympia auch wir hier in irgendeiner Form profitieren könnten, bleibt nur zu hoffen. Doch dieser allfällige Genuss wird dann immer den äusserst bitteren Nachgeschmack mit sich tragen, wenn man weiss, wie viele Menschen durch diese Art von Anlässen leiden oder bereits in den Tod getrieben worden sind.

Babylon's burning. Screenshot «Die Spur der Weissen Elefanten»
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VERÖFFENTLICHT 17.08.2016
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