«Mit einem Heli produziert man in 1 Tag so viele Aufnahmen wie in 10 Tagen zu Fuss»

Sten Smola (Ride Greener/STEPS) im Interview.
Foto: David Birri

Endlich geht's los! STEPS ist bereit, um die Schweiz zu erobern. Auch wir sind gespannt wie klimafreundliches Snowboarden aussieht und freuen uns auf die Premiere! Bevor's soweit ist, schnappten wir uns noch Sten Smola (Ideengeber und Produzent des Films), um die wirklich wichtigen Fragen zu klären.

Sten, wann ist ein Snowboardmovie klimafreundlich?
Ein Snowboardfilm ist dann «klimafreundlich», wenn die CO2-Emissionen der Filmproduktion so tief wie möglich gehalten werden. Konkret bedeutet dies, dass man nur regional filmt und so oft wie möglich mit dem öV in die Berge anreist und nicht dem Powder um die Welt hinterher fliegt. Und wenn auf Helis verzichtet wird. Flugzeuge und Helis sind extrem CO2 intensiv. Wenn dann Filmer und Fahrer sogar noch ihre Höhenmeter mit der eigenen Manpower zurücklegen und relativ spartanisch übernachtet wird, kann der CO2-Ausstoss ziemlich tief gehalten werden. STEPS hat zum Beispiel 1.85t CO2-Emissionen produziert. Das entspricht etwa 1/5 der durchschnittlichen CO2-Emissionen eines Europäers pro Jahr. Zum Vergleich: Eine global ausgerichtete Produktion eines Wintersportfilms beläuft sich auf 50 bis 60 Tonnen CO2.

Foto: Christoph Gerber

Ist es nicht klimaunfreundlich, wenn man auch noch einen Snowboardfilm produzieren will, obwohl es bereits 1000 andere Produktionen gibt?
Natürlich wäre es am klimafreundlichsten gewesen, wenn wir gar keinen Film produziert hätten und alle zu Hause geblieben wären. Mit STEPS zeigen wir aber, dass es einen Weg gibt, eine Menge Spass am Berg zu haben, ohne der Umwelt und dem Klima grossen Schaden zuzufügen. STEPS ist nicht einfach ein weiteres Snowboardmovie. STEPS ist eine Symbiose zwischen Wintersport- und Dokumentarfilm, der die Leute zum Nachdenken bewegen will. Ohne Film könnten wir unsere Message nie so weit hinaustragen und die Leute nicht inspirieren, ihr eigenes Handeln zu überdenken.

Foto: Christoph Gerber

Was wollt ihr mit STEPS bewirken?
Wir wollen mit STEPS zeigen, dass man bereits mit kleinen Optimierungen in seinem Verhalten etwas bewegen kann. Jeder Einzelne ist wichtig, um die voranschreitende globale Erwärmung noch umzukehren, um auch der nächsten Generation eine intakte Natur überlassen zu können. Dazu ist die wichtigste Message des Films für uns, dass Verzichten nicht per se bedeutet, etwas zu verpassen. Im Gegenteil: Verzichten bedeutet vielfach, sein Leben intensiver zu Leben und dabei auch Verantwortung zu tragen. Unser Zielpublikum ist jedermann – egal ob die Zuschauer 15 oder 50 Jahre alt sind. Denn es ist für keinen zu früh und für keinen zu spät, bereits morgen etwas zu bewegen.

Foto: David Birri

Was erwartet ihr von anderen Filmproduktionen, die – gemäss euch – nicht klimafreundlich produzieren?
Wir haben keine Erwartungen, sondern vielmehr die Hoffnung, dass Filmemacher sowie Fahrer in naher Zukunft begreifen werden, dass man sich durch die CO2 intensive Produktionsweise selber ans Bein pinkelt. Es ist doch paradox: Auf der einen Seite möchten alle immer Powder shredden und auf der anderen Seite produzieren sie dabei eine Menge CO2-Emissionen und heizen somit die globale Erwärmung weiter an. Dies ist eine viel zu kurzfristige und egoistische Denkweise. STEPS zeigt, dass man auch atemberaubende Bilder vor seiner Haustüre mit minimalem CO2-Ausstoss produzieren kann. Das kann jeder, sofern er oder sie das will.

Foto: David Birri

Was waren die grössten Herausforderungen während der Realisierung von STEPS?
Man muss sich bewusst sein, dass ein solches Film-Pionierprojekt einiges an Schweiss, Kraft und Nerven kostet. Gelingen oder Scheitern stehen dabei stets sehr nahe beieinander, da man zu Fuss auch bei bester Planung immer wieder ins Leere laufen kann. Das Wetter und die begehrten Hänge präsentieren sich im Laufe eines Winters allzu oft nur während wenigen Tagen in den idealen Bedingungen. Ist man zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort, hat man einfach Pech gehabt und muss – im schlimmsten Fall nochmals ein ganzes Jahr – warten. Da ist kein Heli, der einen in solchen Momenten schnell auf die andere Talseite fliegen kann, wo sich der Nebel schon verzogen oder der Wind nicht den ganzen Schnee verblasen hat. Dazu müssen die zahlreichen Action Aufnahmen auf einem hohem Niveau sein. Das Filmpublikum macht in diesem Punkt keine Kompromisse, nur weil die Aufnahmen umweltfreundlich entstanden sind. Das ist der unfaire Part bei einer klimafreundlichen Filmproduktion. Mit einem Heli produziert man in einem Tag etwa so viel Filmaufnahmen wie in zehn Tagen zu Fuss.

Foto: David Birri

STEPS lief bereits auf den ersten internationalen Festivals. Habt ihr schon Feedbacks erhalten?
Die Feedbacks waren ausnahmslos sehr positiv. Das Publikum schätzt es weltweit, dass STEPS eben nicht wieder eine Wiederholung des 1238. Actionmovies ist, der sich betreffend «grösser, schneller, härter» übertreffen will. Die Zuschauer wissen es zu schätzen, dass STEPS ein Film mit Tiefgang ist, bei dem es um mehr geht, als nur um krasse Tricks.

Foto: Christoph Gerber

War STEPS ein einmaliges Filmprojekt von Ride Greener oder können wir nun regelmässig was von euch erwarten?
Das wird sich zeigen. Zuerst möchten wir einmal unser Erstlinkswerk STEPS sacken lassen und darüber nachdenken, ob wir mit dem Film auch das erreichen konnten, was wir angedacht hatten. Ein neues Filmprojekt würde für mich persönlich erst wieder Sinn machen, wenn ich spüre, dass eine Notwendigkeit besteht, ein bestimmtes Thema tiefer zu durchleuchten.

Dann wünschen wir vorerst einmal eine gute Premiere. Danke fürs Interview!

Wir verlosen jetzt noch 2x2 Tickets für die Premiere in Zürich. Wenn ihr dabei sein wollt (solltet ihr), schreibt ihr am besten gleich jetzt eine Mail mit Betreff «STEPS» an redaktion@twoleftfeet.ch.

TOURDATEN

1./2.11.2013 // Brig, Perron 1 und Kino Capitol (Vorpremiere)
6.11.2013 // Zürich, Kino Corso (Premiere) // Tickets hier!
13.11.2013 // Bern, Kino Alhambra // Tickets hier!
17.11.2013 // Sierre, Festival Valais fait son Cinéma
20.11.2013 // Basel, Kino Rex 1 // Tickets hier!

Fahrer

Martin Nellen, Reto Knutti, Rene Estermann, Reto Kestenholz, Levi Luggen, Frederik Kalbermatten, Martin Seiler, Sten Smola, Seb Bumann, Jurek Ruppen, Sébastien de Sainte Marie, Nicolas Vugnier, Sven Mermod, Mathieu Schaer, Janicke Svedberg

VERÖFFENTLICHT 31.10.2013
SHARE ME…

Kommentare (03)

Anonym
Anonym
Haba Kuck
01.11.2013

fährt den der coole nico hier nicht mit?

killphill (29) 01.11.2013

Was willst du uns genau mitteilen?


Anonym
Anonym
hans
01.11.2013

haha einmal ride greener dann öko nico müller und dann do eine überschrift. entscheidet euch mal was IHR gut findet.

Weitere Beiträge