In Gear We Trust - Jones Explorer Split 2017/18

Das Allround Talent mit Backcountry-Freestyle-Herz
Jones Explorer Splitboard 159cm

Jones Snowboards wird häufig in Verbindung gebracht mit Boards für steile Wände in denen ausrutschen üble Folgen hat. Der Normalsterbliche beginnt seine Splitboardkarriere jedoch meist mit dem Hintergedanken noch Powturns zu finden wenn das Resort schon lange verspurt ist und das mit weniger Gewicht auf dem Rücken als früher. Der Fokus liegt dabei auf gemütlichen Soulturns in der ruhigen Natur der Hausberge, gewürzt mit Pillows und Butter-Spielereien.

Jones Explorer in seinem Element

Der Name Explorer verleitet dazu zu denken, dass es sich bei diesem Board um die ultimative Expeditionsmaschine handelt – kompromisslos steif, voller Karbon und auf Höchstgeschwindigkeit getrimmt. Weit gefehlt! Müsste man den Namen des Boards interpretieren, dann wohl eher so, dass es das Splitboard im Jones Lineup darstellt, mit dem man alle Facetten des Splitboardens entdecken kann.

Das Explorer Splitboard ist ein direktionales Freerideboard mit einem Hybriden Camber-Rocker Profil. Sprich ihr habt einen positiven Vorspann zwischen den Bindungen für guten Kantenhalt und Reaktivität und einen Rocker in Nose und Tail für verbesserten Auftrieb im Powder. Die Innen- wie auch die Aussenkante sind mit Mellow Magnetraction ausgestattet, was dem driften des Boards durch den Rocker entgegenwirkt und auf hartem Schnee zusätzlichen Kantenhalt generiert. Wie das Solution Splitboard, das wir ebenfalls testen konnten, verfügt das Explorer über die neuen Quick Tension Tail Clips, kleine Aussparungen im Tail der beiden Boardhälften wo ihr, die passenden Jones Felle vorausgesetzt, die Fellspanner befestigen könnt. Das ist nicht nur äusserst praktisch sondern zudem noch gewichtssparend im Aufstieg und platzsparend im Rucksack bei der Abfahrt. Was im Vergleich zum Solution Split nicht vorhanden fehlt, ist die Boltless-Bridge Technologie, weshalb beim Explorer die Schrauben noch durch den Belag hindurchgehen. Im Test hat sich jedoch gezeigt, dass der Unterschied in Sachen Performance und Gleitfähigkeit wenn überhaupt, dann marginal ist. Auch wurden hier noch die Standard Karakoram Clips verbaut. So toll ich die neuen Clips, die beim Solution verbaut sind finde, ist auch das eher ein kosmetischer Nachteil gegenüber dem grossen Bruder. Die Dinger funktionieren perfekt, haben sich bewährt und halten die Boardhälften stabil und zuverlässig zusammen.

Quick Tension Tail Clip - Aussparungen

Auch beim Explorer wurde nach dem neuen, lobenswerten Kredo von Jones Snowboards gearbeitet. Die Boards sollen langlebig sein, was aus ökologischer Sicht in unserer Throw-Away-Society ein Statement ist. Gleichzeitig versuchen sie die Boards so nachhaltig wie möglich zu produzieren, ohne dabei jedoch den hohen Standard an die Performance ausser Acht zu lassen. Das Explorer verfügt deshalb über die überbreiten und robusten Kanten aus recyceltem Stahl, die einiges einstecken können. Tip und Tail wurden an den wichtigen Stellen ebenfalls mit Stahl verstärkt um diese robuster zu machen, ohne dabei jedoch den Zeiger an der Waage zu sehr nach oben schnellen zu lassen. Die Sidewalls sind aus recyceltem ABS Plastik und das Topsheet besteht aus Castor Beans aka. Rizinussamen. Dieses Material ist nicht nur leicht, sondern wie wir feststellen konnten auch sehr kratzfest, was besonders bei Splitboards wichtig ist, malträtiert man doch gerne im Aufstieg sein eigenes Topsheet.

Gesinterte 7000er Base mit Stahlschutz an den heiklen Punkten

Der grösste Unterschied im Vergleich zum Solution ist der weichere Flex, der auf der Skala von Jones als eine 6 von 10 möglichen Punkten bewertet wird. Im Vergleich zu reinrassigen, harten Freerideboards, bei denen man manchmal das Gefühl hat sie würden erst ab einem gewissen Tempo zum Leben erwachen, macht das Explorer auch bei einer gemütlichen Fahrweise extrem viel Spass und reagiert sofort auf Kommando. Das Tail lässt sich problemlos aufladen, was dem Board sehr viel Pop verleiht. Ihr werdet mit dem Explorer Splitboard eure Augen noch weiter öffnen um Terrain Features zu finden, denn es macht damit schlichtweg Spass den Blick von der Falllinie wegzubewegen und springend/butternd durchs Gelände zu düsen. Der Rocker verleiht dem Explorer viel Auftrieb im tiefen Schnee und trotz des direktionalen Shapes sind durch den Rocker im Tail auch switch Landungen und Fahrten kein Problem. Eurem Backcountry Freestyle Herz sind mit diesem Board keine Grenzen gesetzt.

Der etwas «weichere» Flex soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hier nicht um ein Anfängerboard handelt, auch wenn es sich sehr fehlerverzeihend fährt. Wenn euch die Lust packt straightline unterwegs zu sein und den Gashebel nach vorne zu drücken macht das Explorer mit. Es verhält sich bei hohen Geschwindigkeiten ruhig und stabil, so wie man es von einem Produkt erwarten kann, das von einem Mann, der sozusagen für Hochgeschwindigkeits AK Abfahrten steht, mitentwickelt wurde. Trotz der relativen «Weichheit» im Jones Lineup beginnt das Explorer auch bei aggressiven Turns auf hartem Schnee nicht so schnell zu schlagen und durch die Magnetraction Kanten seid ihr in steileren, sketchy Abschnitten absolut nicht hilflos ausgeliefert.

Trotz robuster Bauweise fühlt sich das Board im Aufstieg leicht an (ca. 3.4 kg bei der getesteten 159cm Version). Durch die perfekte Ausbalancierung der Inserts und dem Rockerprofil halten sich die Skispitzen beim Spuren ohne Aufwand über dem Schnee. Obwohl der Flex etwas weicher ist als beim Solution merkt man im Aufstieg oder bei Traversen keine grossen Unterschiede beim Kantenhalt, was vermutlich der Magnetraction Kanten zu verdanken ist, die sich in den Schnee beisst.

Eco-Plastic Topsheet & Karakoram Clips
Fazit

Das Jones Explorer Splitboard ist das Freeride-Splitboard mit etwas weicherem Freestyle-Herz aus dem Jones Lineup. Es richtet sich an Fahrer, die nicht tagtäglich nur nach den steilsten Lines suchen um diese in selbstmörderischer Geschwindigkeit zu fahren, sondern an jene, die gerne mit dem Gelände spielen. Ein verspieltes Allround-Splitboard das schlichtweg einfach Spass macht beim fahren und sich etwas weniger «seriös» anfühlt als die reinrassigen Freerider, ohne dabei jedoch die Stabilität zu verlieren, die euch auch bei hohen Geschwindigkeiten und anspruchsvolleren Lines Sicherheit gibt. Es eignet sich somit perfekt für Backcountry Freestyler, Cruiser oder Splitboard-Einsteiger. Meiner Meinung nach wird das Jones Explorer Splitboard unterschätzt und gerne mit einem Anfängerboard verwechselt was es definitiv nicht ist. Und als Tüpfelchen auf dem i wird es zu einem sehr fairen Preis angeboten, was es zu einem echten Preis-Leistungs-Hit für Splitboarder macht, die keinen Kleinkredit für ihr Hobby aufnehmen möchten!

VERÖFFENTLICHT 19.11.2017
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