«Es gibt keinen schöneren Arbeitsplatz als die Berge!»

«Park Talk» mit Sven Toller vom Snowpark Gstaad

Wie viele Shaper sind in einem Park angestellt? Wie wird ein Park geplant? Was muss dabei beachtet werden? Was gibt es für Schwierigkeiten? Fragen, die uns doch alle manchmal im Kopf herum schwirren, wenn wir gerade durch den Park geshreddet sind und die Kickerline wiedermal perfekt aufgegangen ist. Darum starten wir die Interviewserie «Park Talk». Regelmässig werden wir euch Schweizer Snowparks vorstellen und interviewen. Heute sind wir im Snowpark Gstaad mit Sven Toller, technischer Leiter des Parks.

Moritz Thönen, Foto: Dominic Steinmann
Sven Toller, Foto: QParks

Wie sieht der Prozess vom «Nichts» zum fertigen Park im Groben aus?
Als erstes startet man mit einer Geländebesichtigungen im Sommer, dann erstellt man einen Parkplan und einer Prioritätenliste. Danach kommen Railbestellungen und die Reparaturen von den schon bestehenden Rails. Beim Saisonstart wird dann erst mal einige Wochen nach Prioritätenplan beschneit, bis es genug Schnee hat damit wir die ersten Bereiche aufbauen können. Als Erstes wird mal einige Tage mit der Raupe geschoben und die Hügel gebaut bevor die Shapecrew anrückt und die ersten Elemente platziert.

Wie viele Leute braucht es für die Parkbetreibung? Wie sieht die Struktur des Teams aus?
Neben mir, der als technischer Leiter die Planung macht und den Aufbau unterstützt haben wir in Gstaad einen voll angestellten Hauptbullyfahrer und einen Stellvertreter der gleichzeitig als Headshaper fungiert. Daneben sind noch vier Shaper, die Teilzeitangestellt sind. Dazu kommen noch einige Personen vom Skigebiet, die die Beschneiung managen, die Bullys warten und uns in anderen Arbeiten unterstützen.

Nico Martin, Foto: Dominic Steinmann

Welche Schwierigkeiten ergeben sich bei der Parkplanung?
Das Schwierigste ist immer im ersten Jahr, wo man noch keinen Erfahrungswert in dem Gelände hat. Man kann z.Bsp. die Kicker nicht immer überall gleich bauen. Das Gelände muss Ideal genutzt werden um auch ein wenig Schnee zu sparen. Dazu kommen auch noch äussere Einflüsse die man im ersten Jahr evtl. noch nicht miteinbeziehen kann wie z.Bsp. Windverwehungen, Sonneneinstrahlung usw. Nach der ersten Saison hat man dann schon einen Erfahrungswert und kann mit diesem die Anlage jedes Jahr weiter optimieren. Das Wichtigste beim Parkplanen ist das man allen, vom Beginner bis zum „Pro“, Skifahrer und Snowboarder etwas bieten kann. Das Ziel ist ein Park für jeden zu bauen, wo alle Freude daran haben.

Was für Regeln müssen da beachtet werden?
Wichtig ist dass die Unfallgefahr in einem Snowpark mit der Planung und dem korrekten Aufbau der Elemente minimiert wird. Absprungwinkel sollten zur Landung passen und die Abfolge der einzelnen Elemente zur Line.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Bergbahnen? Gibt es da oft Konflikte?
Nein im Gegenteil. Die Zusammenarbeit mit den Bergbahnen klappt hervorragend. Grundsätzlich werden alle Rahmenbedingungen (Kunstschnee, Bullystunden, Shapestunden usw.) schon im Sommer mit den Bergbahnen abgestimmt.

Wie/Wo lasst ihr euch inspirieren?
Inspiration findet man fast überall, z.Bsp. in der Natur, in der Stadt, auch bei anderen Sportarten wie z.B. Biken oder Skaten und natürlich schon auch in anderen Snowparks, Edits und Filme.

David Mahnig, Foto: Dominic Steinmann

Was ist eure Motivation jede Saison den Snowpark zu gestalten und zu bauen?
Die Freiheit etwas Eigenes zu designen und aufzubauen das einem selbst und vielen anderen viel Freude bereitet. Abgesehen davon gibt es keinen schöneren Arbeitsplatz als die Berge.

Haben sich in Bezug auf Schnee, finanzielle Unterstützung, etc. die Möglichkeiten in den letzten Jahren verändert?
Ich denke, dass in vielen Schweizer Skigebiete in den letzten Jahren ein grosser Schritt in die richtige Richtung gemacht wurde. Im Berner Oberland wo es vor kurzem noch wenige gut betreute Snowparks gab, entwickelt sich schon auch langsam ein kleiner gesunder „Konkurrenzkampf“. Die einen pushen die anderen und das ist gut so!

Welche Events finden diese Saison bei euch statt? Was ist jeweils das Besondere daran?
Die QParks Tour war bereits am 31. Januar bei uns und mit den Gtsaad Mountain Rides Open hatten wir einen super Contest Tag. Am 22.03. fand noch die Girls Shred Session statt, ein Film/Foto Shooting nur für Freestyle Girls. Events sind immer wichtig für einen Snowpark. Zum einen lockt es mal andere Rider in den Park die normalerweise immer in ihren „Lokalparks“ unterwegs sind und zum andern ist es gut, um andere nicht Parknutzer auf den Park aufmerksam zu machen. Und natürlich ist es immer mit viel Spass verbunden eine gute Session mit vielen Rider, Musik und Grill im eigenen Park zu haben.

Sandro Kunz, Foto: Dominic Steinmann

Wie viele Pistenbullis habt ihr zur Verfügung bzw. wie viele Pistenbullistunden? Was braucht ihr noch sonst für Werkzeuge? Was für Material verwendet ihr?
Grunsätzlich haben wir im Park einen Pistenbully in der täglichen Betreuung der jeden Abend den Park für mehrere Stunden präpariert. Im Aufbau wird diese von einer zweiten Solo-Maschine und einer Winde unterstützt. Für den Handshape brauchen wir täglich Shapetools und Schaufeln zusätzlich zu diesem kommen auch „Vertshovel“, Motorsäge, Bickel und Akkubohrer regelmässig zum Einsatz.

Was wünscht du dir für die Zukunft eures Parkes? Irgendwelche Traum-Projekte?
Ich wünsche mir, dass sich der Park jedes Jahr ein wenig weiterentwickeln kann und kein Stillstand entsteht. Gewisse Optimierungen im Gelände und der Beschneiung wären super um noch schneller und effektiver den Park aufzubauen. Eine Vergrösserung oder Verlängerung der Parkfläche wäre natürlich auch super. Es gibt ein zwei Elemente oder Elementcombos die ich sehr gerne mal bauen würde, bis jetzt aber noch nicht die Möglichkeit dazu hatte

Warum sollen die Leute euren Snowpark shredden kommen und gibt es sonst noch etwas, das du den Lesern mitteilen möchtest?
Ich denke dass man sich bei uns im Snowpark Gstaad sehr gut vom kleinen Beginnersprung bis zum schon ganz anständigen Advanced/Prosprung hocharbeiten kann. Die Atmosphäre im sehr sonnigen Park, der zwischen den Bäumen liegt, ist super. Durch die schnelle Liftanbindung kann man an einem Tag sehr viele Runs machen und an seinen Skills feilen. Zwischen den Runs kann man sich in der Chillarea auf dem Liegestuhl ausruhen und dabei den super Blick auf die Kickerlandungen geniessen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Alles weitere zum Park findet ihr auf Facebook oder auf der Homepage. Videos gibt's auf dem Vimeo Channel.

VERÖFFENTLICHT 09.04.2015
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Kommentare (01)

Anonym
Anonym
raemsey
04.05.2015

Ein Step-up Step-down Kicker wäre einmal geil!!

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