Erfahrene Hasen über Sochi: Gian Simmen

Der Olympia-Experte über den Stellenwert von Sochi, Veränderungen in der Szene und Boykotts.
© Philipp Ruggli

Ist ja schon ein Ding, dieses Sochi. Die X Games, die für viele als bester, grösster und lässigster Snowboardevent überhaupt gelten, sind in vollem Gang und doch reden alle über das «uncoole» Olympia. Shaun White lässt Aspen sogar sausen, um sich auf Russland vorzubereiten.

Wir wollten mal von ein paar erfahrenen Fahrern wissen, wie sie denn zu Sochi stehen. Den Anfang macht kein Geringerer als Gian Simmen. Über ihn müssen wir nicht viele Worte verlieren: 1998 erster Olympiasieger in der Pipe, letzte Saison Abschied vom Contest Snowboarden, heute Papi von drei Kindern und, selbstverständlich, nach wie vor leidenschaftlicher Snowboarder.

Gian, Olympia steht an. Was hat sich seit deinem Triumph '98 deiner Meinung nach am markantesten verändert?
Der ganze Sport ist professioneller geworden, in allen Belangen. Heute ist es normal, dass Trainer und Physiotherapeuten während der ganzen Saison die Fahrer betreuen. Aber auch die Fahrer haben sich geändert, sie trainieren nicht nur im, sondern auch neben dem Schnee. Die Pipes sind grösser und besser geworden und die Vermarktung der Topfahrer wird von Managern gemacht.

Er kann's noch immer, Stalefish in Laax, © Philipp Ruggli

Im Vergleich zu '98 ist Olympia unter den Fahrern wesentlich beliebter. Kannst du dir diese Entwicklung erklären?
1998 war Snowboarden das erste Mal olympisch und man wusste nicht, wohin die Reise gehen würde. Ich denke, das Snowboarden «olympisch zu machen» war eine gute Entscheidung. Ohne Olympia hätte das Snowboarden nicht den Stellenwert, den es heute besitzt. Die Fahrer wissen, dass Olympia extrem wichtig ist, um sich zu profilieren. Alle 4 Jahre haben sie die Chance über die Medien in die «breite» Öffentlichkeit zu treten. Dieses Jahr geht es darum, Geschichte im Snowboard Slopestyle und im Freeski zu schreiben – wer tut es Tanja Frieden, Mike Schmid, Sony Schönbächler und mir gleich, sich als erster Olympiasieger in einer Disziplin in die Geschichtsbücher einzutragen? Um diese Tradition weiter zu führen, müsste es ja ein Schweizer oder eine Schweizerin sein.

Lange graben müssen sie! © Philipp Ruggli

Auch du musstest '98 in einem für dich fremden Land antreten. Welche Tipps kannst du diesbezüglich den vielleicht nervösen Fahrern geben?
Es spielt keine Rolle, in welchem Land man fährt. Alles was zählt ist die Leistung in der Pipe oder im Slopestyle. Sobald man reindropt, gibt es nur einen Fokus und der heisst die Tricks zu landen. Klar, mit viel Pop und Style und wenn es nach mir geht mit langen Grabs!

In den Medien ist hin und wieder, wegen der oft kritisierten russischen Politik, von Boykott zu lesen. Was hältst du davon? Können Boykottierungen etwas bringen?
Schwer zu sagen. Aber ich denke nicht, dass es jetzt Sinn machen würde die Spiele zu boykottieren. Wenn man etwas hätte bewegen wollen, hätte man damit schon viel früher anfangen müssen, zum Beispiel als bekannt wurde, dass ein Badeort die Winterspiele austragen wird. Es werden ja die teuersten Spiele, die es je gegeben hat – ob dies richtig oder falsch ist, sei dahin gestellt. Ich hoffe einfach für unseren Sport, dass die Pipe und der Slopestyle gut gebaut sein werden, so dass wir eine unglaubliche Show geniessen können. Dies gilt übrigens auch für die Freeskier.

Schöner Air to Fakie Tail bei romantischem Sonnenuntergang, © Philipp Ruggli

Zum Schluss wollen wir noch deine Sieger Tipps!

HALFPIPE MÄNNER
1. Shaun White
2. Ayumu Hirano
3. Iouri Podladtchikov

HALFPIPE FRAUEN
1. Kelly Clark
2. Torah Bright
3. Gretchen Bleiler

SLOPESTYLE MÄNNER
1. Mark McMorris
2. Shaun White
3. Torstein Horgmo

SLOPESTYLE FRAUEN
1. Jamie Anderson
2. Isabel Derungs
3. Sina Candrian


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alle Fotos von Philipp Ruggli

THEMA News / Riders
VERÖFFENTLICHT 23.01.2014
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