«Ein Schweizer Surffilm ist eigentlich etwas völlig Absurdes.»

Alena Ehrenbold über den ersten Schweizer Surfilm, ihren Job als Gymilehrerin und Hoteleinbrecher.
Foto: Mike Eymann

Da platzt die Bombe! Die ersten Bilder des allerersten Schweizer Surffilms, genannt «I Wanna Surf», sind soeben erschienen. Welch historischer Moment, wir können's kaum fassen! Gut, dass uns Alena Ehrenbold (Schweizer Surferin und Mit-Initiantin des Films) soeben auch noch über den Weg gelaufen ist. Da durften wir natürlich nicht lange zögern – wir haben die frisch gebackene Vizeschweizermeisterin gleich gepackt und mit Fragen beworfen.

Alena, erzähl mal, wo steht ihr mit «I Wanna Surf» zur Zeit?
Es läuft alles bestens! Die Aufnahmen sind alle im Kasten, momentan sind wir in der Sichtungs- und Aussortierphase. Als nächstes sind Schnitt und Ton an der Reihe. Schau dir doch mal den Trailer an!

Super! Wann müssen wir die Kinos stürmen?
Die Premiere ist voraussichtlich Ende März.

Wo wird der Film denn gezeigt?
Auf dem Plan steht eine Kinopremierentour in der Schweiz und dann kommt ja auch schon der Festivalsommer, wo wir ebenfalls präsent sein wollen.

Wo überall habt ihr gefilmt?
Wir waren in Indonesien, Frankreich, Spanien, Portugal, Nicaragua und den Malediven.

Wie, und die Schweiz habt ihr ausgelassen?
Stimmt, in der Schweiz waren wir natürlich auch. Fast vergessen! Wir waren in Bremgarten und Thun am Riversurfen sowie auf verschiedenen Seen am Wakesurfen. Aber der Fokus des Films liegt weniger auf den Spots, sondern viel mehr auf den Schweizer Surfern. Er soll im Stile einer klassischen Doku aufzeigen, wie sie mit der Situation als Surfer eines Binnenlands umgehen.

Foto: Sophie Bürgin

Wie viele Surfer sind denn mit dabei?
Ungefähr 15-20. Zum Teil haben sich auch ganz spontane Aufnahmen ergeben mit Profisurfern, die den Schweizer Pass als Zweitpass besitzen, ansonsten aber nicht viel mit der Schweiz am Hut haben. Die haben wir dann natürlich auch vor die Linse gezerrt.

Wann habt ihr eigentlich mit dem ganzen Projekt begonnen?
Das ist schon ziemlich lange her. Vor drei Jahren haben wir mit der ganzen Planung begonnen…

…Erzähl uns von den Anfängen!
Na gut. Eigentlich hatte ich das Projekt ja bereits vor 4 Jahren auf dem Tisch. Nur fehlten mir die Filmcrew und die Sponsoren. So wurde leider nichts aus dem ersten Anlauf. Im Laufe der Zeit verschwand die Idee des ersten Schweizer Surffilms ein wenig in den Hintergrund, war bei mir aber nach wie vor präsent. Irgendwann hab ich dann einem Freund bei einem Bier davon erzählt und er meinte dann, dass er jemanden kennen würde, der genau das Gleiche machen wolle. Wir riefen ihn sogleich an und eine halbe Stunde später sass er bei uns und wir diskutierten, wie wir den ersten Schweizer Surffilm aufgleisen wollen.

gehören natürlich zu jedem Surffilm: Affen!

Im zweiten Anlauf scheint's also geklappt zu haben.
Genau. Die Filmcrew stand plötzlich bereit und vor zwei Jahren haben wir dann mit Filmen begonnen. Als wir dann mit Edelweiss (der gewiefte Leser kann sich die Relationen denken, Anm. d. Red.) und der CAP Rechtsschutzversicherung unsere Hauptsponsoren gefunden haben, wussten wir, dass wir es durchziehen werden!


War da dazwischen nicht mal noch ein Crowdfunding-Aufruf?
Genau, das hat ebenfalls sehr gut geklappt. Ganze CHF 12'000 konnten wir sammeln!

Wie viel Swissness steckt in «I Wanna Surf»?
Der Film ist von A-Z ein Schweizer Produkt: Schweizer Surfer, Schweizer Produktionscrew und sogar die Musik im Film wird ausschliesslich von Schweizer Künstlern stammen. Im Kern sind wir mit Timon Rupp, Sophie Bürgin, Michael Eymann und mir ebenfalls vier Schweizer.

Was genau ist dein Job?
Wir arbeiten innerhalb der Filmcrew sehr eng zusammen und unsere Aufgaben überlappen sich. Insbesondere in den Anfängen beim Film-Konzept, der Organisation etc. sassen wir viele Stunden gemeinsam am Tisch. Ich kümmere mich hauptsächlich um das Sponsoring, das Budget und die Finanzierung, das Riders-Management, die Produktionsorganisation sowie die Kommunikation.

Und wie zeitintensiv ist das Ganze für dich?
Es ist nicht immer gleich intensiv, aber phasenweise schon so, dass ich an meine Grenzen stosse. Es gibt so viel zu organisieren! Aber der Film ist für uns eine Herzblutgeschichte und wir geben alles, auch wenn wohl nie ein Gewinn rausspringen wird.

Alena in Action, Foto: Justin Bill

Woher kommt deine Motivation? Willst du die Leute hier wachrütteln und vom Surfen begeistern?
Nicht unbedingt. Es geht mehr ums Sammeln und ums Zeigen, dass Surfen als Schweizer kein Ding der Unmöglichkeit ist. Zudem ist ein Schweizer Surffilm im Grunde genommen ja eigentlich etwas völlig Absurdes. Das reizt mich! Ich mache das Projekt aber nicht zuletzt auch für meine Familie und Freunde, die mich noch nie surfen gesehen haben und nie genau wissen, was ich eigentlich so treibe, wenn ich jeweils wieder losziehe.

Mit wem bist du denn so unterwegs, wenn du losziehst? Immer mit der gleichen Truppe?
Nein, nein, das kommt ganz drauf an. Ich habe hier meine Girlscrew, mit denen ich oft unterwegs bin, wir haben uns zum Teil an den Schweizermeisterschaften oder sonst irgendwo in einem Lineup auf der Welt kennen gelernt. Ich gehe aber auch viel mit Freunden aus dem Ausland surfen. Und auch alleine aufbrechen macht Spass. Es ist schon nicht immer ganz einfach in der Schweiz Leute zu finden, die die gleichen Bedingungen surfen wollen. Oft ist man sich uneinig über Wellengrösse, Land, Kultur, Wassertemperatur und so weiter.

Alena vergangenes Wochenende an der CH-Meisterschaft

Erzähl uns von einem Trip, den du kürzlich alleine unternommen hast.
Südafrika! Das war letzten Sommer. Ich wollte unbedingt Jeffreys Bay surfen! Ich hab schon so viel darüber gelesen, immer wieder Videos gesehen und dennoch konnte ich mir nicht wirklich etwas darunter vorstellen. Und jetzt hab ich Glück, dass ich noch hier bin …

… warum, wollte ein Hai ein paar Streicheleinheiten?
Nein, das Surfen war super. Ich hatte einen anderen kleinen Zwischenfall im Hotel. Eigentlich ein gutes Hotel, kein allzu günstiges jedenfalls. Und doch hatte ich plötzlich einen Einbrecher im Zimmer, der mir mal eben sein Messer an den Hals hielt.

Puh, das klingt heftig!
Ja, war es definitiv. Ich hatte Pech und irgendwie auch wieder verdammt viel Glück!

und gleich noch mehr Action!

Offensichtlich. Was sagt eigentlich dein Arbeitgeber, wenn du immer wieder verreist?
Der ist super toll (Alena ist hauptberuflich als Gymilehrerin für Wirtschaft und Recht in Luzern tätig, Anm. d. Red.). Ich kann oft unbezahlte Ferien nehmen, zum Beispiel während Studienwochen, wenn ich nicht präsent sein muss. Ab und zu gehe ich auch für ein verlängertes Wochenende nach Spanien, Frankreich, Portugal oder manchmal Italien zum Surfen. Und im Sommer habe ich ja sechs Wochen Ferien, da reicht die Zeit dann für einen richtigen Trip!

Du führst ja schon ein hartes Doppelleben als Gymilehrerin und Surferin.
Ja bewusst! Ich habe in Zürich Wirtschaft studiert und zu dieser Zeit wurde das Surfen dann plötzlich immer wichtiger. Nun versuche ich beide Welten zu kombinieren – mir gefällt dieser Kontrast.

Ins Ausland ziehen wäre also keine Option?
Doch, wenn ein gutes Angebot kommen würde, sofort! Aber der Job müsste schon passen, er müsste mich intellektuell fordern. Ich bin nicht der Typ, der einfach mal ein bisschen an den Strand hängt.

Zudem sind ja auch die Löhne in der Schweiz nicht die schlechtesten.
Das kommt noch hinzu, ja. Und auch die Lage der Schweiz ist eigentlich super, man ist schnell mal an allen bekannten Surfspots der Welt.

Siehst du! Die Schweiz ist eigentlich ein Paradies für Surfer!
Na ja, übertreiben müssen wir es nicht. Als Schweizer Surfer bist du konstant immer unterwegs, kommst nie irgendwo richtig an. Und wenn du mal irgendwo ankommst, musst du dann doch irgendwann wieder gehen.

Ich seh schon, beim nächsten Interview mit dir müssen wir wohl ins Ausland reisen. Vielen Dank für deine Zeit!

Alena fährt für Roxy, Sigg, Swox, cp Eyewear, Nice One und greenroom.ch.


THEMA News / Surf
TAGS Surf
VERÖFFENTLICHT 01.10.2013
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