«Papier, viele kreative Köpfe und eine Kiste Bier»

«Park Talk» mit Florian Item vom Mythenpark

Wie viele Shaper sind in einem Park angestellt? Wie wird ein Park geplant? Was muss dabei beachtet werden? Was gibt es für Schwierigkeiten? Fragen, die uns doch alle manchmal im Kopf herum schwirren, wenn wir gerade durch den Park geshreddet sind und die Kickerline wiedermal perfekt aufgegangen ist. Darum starten wir die Interviewserie «Park Talk». Regelmässig werden wir euch Schweizer Snowparks vorstellen und interviewen. Florian Item vom Mythenpark in Schwyz gibt uns heute Infos zu seinem Park.

Overview, Foto: Mythenpark
Headshaper Flo Item, Foto: Mythenpark

Wie sieht der Prozess vom «Nichts» zum fertigen Park im Groben aus?
Das ist eine schwierige Frage. Zum Anfang braucht es sicher ein paar ehrgeizige, motivierte Leute die etwas erreichen wollen. Danach braucht es eine Portion Glück (vor allem mit den Bergbahnen) und gute Sponsoren. In unserem Park dauerte dieser Prozess circa 7 bis 8 Jahre. Man muss also Geduld haben und nie aufgeben. Schlussendlich wurden wir belohnt und unser Park hat sich in der Szene durchgesetzt. Er ist heute Bestandteil einer der besten Parks der Zentralschweiz.

Wie sieht die Geburtsstunde der Parkplanung genau aus?
Ein Blatt Papier, viele Kreative Köpfe und eine Kiste Bier.

Wie viele Leute braucht es für die Parkbetreibung? Wie sieht die Struktur des Teams aus?
Das Team besteht zurzeit aus 15 Personen, wovon zwei bei der Bahn angestellt sind. Alle anderen Arbeiten oder Studieren Vollzeit und geben daher einen grossen Teil ihrer Freizeit für die Aktivitäten im Mythenpark hin.

Welche Schwierigkeiten ergeben sich bei der Parkplanung?
In den letzten Jahren hatten wir einige Jahre mit relativ wenig Schnee. Auch die besten Pläne nützen nicht viel, wenn zu wenig Schnee für die Realisation vorhanden ist.

Was für Regeln müssen da beachtet werden?
Es gibt diverse Regeln an die sich die Wintersport- Regionen in der Schweiz halten müssen. Zum Beispiel müssen wir unseren Park explizit von der Piste trennen. Eine Warnhinweis-Tafel am Parkeingang dient dazu, dass jeder auf seine eigene Verantwortung im Park fährt und die Verantwortlichen keine Haftung übernehmen. Besonders achten müssen wir auf sogenannte «grobfahrlässige Hindernisse», z.b wenn ein grosser Stein in der Landung ist. Solange die Sicherheit gewährleistet ist, sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Bode Merril, Foto: Mythenpark

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Bergbahnen? Gibt es da oft Konflikte?
Die Bergbahnen unterstützen uns mit allen Mitteln. Hier dürfen wir der Mythenregion ein echtes Kompliment machen. Ob es um Kombi-Pakete mit Karten und Essen bei Events oder um die Benützung der Pistenbullys geht, wir können auf die Unterstützung der Bahngesellschaft zählen.

Wie/ Wo lasst ihr euch inspirieren?
Inspiration finden wir in verschieden Edits aus den Parks dieser Welt. Besonders gerne schauen wir nach Kanada, da dort die Kicker auch relativ steil geshapt werden und somit viel Air-Time zulassen. Aber auch von Laax kann man einiges lernen. Zudem sind wir gute Zuhörer, es kam auch schon vor, dass «Gäste» in unserem Park eine Idee oder eine Verbesserung vorschlugen und wir von diesem Input profitieren konnten.

JP Furrer, Foto: Mythenpark

Was ist eure Motivation jede Saison den Snowpark zu gestalten und zu bauen?
Das gesamte Team fährt gerne Park. Sobald die Arbeit getan ist, können wir uns auch selber belohnen. Ausserdem wollen wir den Leuten in der Innerschweiz eine echte Alternative zu den grossen Parks in Graubünden oder im Wallis bieten. Auch die Dankbarkeit und das Lob von Park-Shreddern gibt uns natürlich zusätzliche Motivation

Haben sich in Bezug auf Schnee, finanzielle Unterstützung, etc. die Möglichkeiten in den letzten Jahren verändert?
Der Schnee ist bei uns immer ein Thema, da der Park lediglich auf 1500m Höhe liegt. Die neuen Lanzen helfen uns sicher dabei, etwas „schneefester“ zu werden.
Unsere Zusammenarbeit mit Sponsoren ist sehr freundschaftlich geprägt. Uns ist es wichtig, dass wir die Qualität im Park so hoch halten können, wie bisher. Wenn neue Anschaffungen benötigt werden, haben unsere Partner immer ein offenes Ohr und sind auch meistens bereit, uns unter die Arme zu greifen. Jedes Jahr die Sponsorships aufzuwerten, ist nicht ein Teil unserer Strategie.

David Oehler, Foto: Mythenpark

Welche Events finden diese Saison bei euch statt? Was ist jeweils das Besondere daran?
Die beiden Hauptevents sind sicherlich die Mythen Style Rookies and Women sowie die Mythen Style Men. Die traditionellen Big Air Events finden bereits zum 12. Mal statt und erfreuen sich immer noch an grosser Beliebtheit. Das Markenzeichen dieser Events ist der grosse Kicker am Parkende. Zuschauer können von ihren Liegestühlen die Action mitverfolgen und geniessen die Atmosphäre. Auch die Teilnehmer sind jedes Jahr aufs Neue begeistert.

Das Level of Riding ist extrem hoch, wenn man beispielsweise bedenkt, dass der frisch gebackene Slopestyle Weltmeister (Fabian Bösch) im letzten Jahr nicht gewinnen konnte. Zugegeben, Luca Schuler (letztes Jahr auf Platz 1) fährt auch ganz ok (lacht).
Das Park-Closing wird dieses Jahr auch etwas spezieller! Bei (hoffentlich) angenehmen Temperaturen kann man den Tag durch den Park geniessen und seine Skills auf dem Waterslide unter Beweis stellen. Ab 16 Uhr gibt’s dann BBQ, Beerpong und Après Ski Sounds am unteren Lift. Sobald die Sonne untergegangen ist, öffnet die berühmt berüchtigte Garage die Tore und lädt zur fetten Partytunes mit DJ Phil von nnim ein!

Wie viele Pistenbullis habt ihr zur Verfügung bzw. wie viele Pistenbullistunden? Was braucht ihr noch sonst für Werkzeuge? Was für Material verwendet ihr?
Wir haben einen Parkbully zur Verfügung. Jetzt haben die Bergbahnen noch einen zweiten Parkbully gekauft. Wenn wir die Landungen aufbauen, haben wir jeweils zwei Maschinen, noch eine Zusätzliche mit einer Seilwinde. Sonst braucht man noch Schaufeln und Shapetools. Wir haben mittlerweile eine Menge davon, da dieses Material auch fleissig in die Brüche geht.

Was wünscht du dir für die Zukunft eures Parkes? Irgendwelche Traum-Projekte?
Was sicher cool wäre, wenn das Salomon International Team wieder einmal vorbeischauen könnte! Ausserdem wollte der verrückte JP Furrer einmal einen Kicker über den Lift bauen oder ein Rainbow auf den Liftmasten stellen.. ich weiss nicht mehr genau. Ansonsten haben wir im Park keine konkreten Projekte am Laufen. Die City Night Session, welche in den vergangen Jahren auf der Hofmatt in Schwyz stattfand wird jedoch ein neues Gesicht bekommen, mehr dazu kann ich im Moment auch nicht sagen, sorry!

Warum sollen die Leuten euren Snowpark shredden kommen und gibt es sonst noch etwas, das du den Lesern mitteilen möchtest?
Besonders im Februar ist ein Besuch im Mythenpark allen zu empfehlen! Die Absprünge sind hart und die Landungen weich. Perfekte Konditionen, um Tricks einzuüben. Da man beim Park den Lift verlassen darf, ist es möglich, an einem Tag unzählige Runs hinzulegen und so gezielt an Tricks zu schleifen. Und wenn man dann irgendwann nicht mehr kann, bietet die 1291 Bar eine tolle Möglichkeit, den Tag entspannt ausklingen zu lassen.

News zum Setup, zu Events, aktuelle Bilder und weitere Infos findet ihr auf der Homepage oder auf Facebook. Wie der Park momentan aussieht könnt ihr im eingebetteten Video sehen. Jonas Boesiger, David Oehler und Phil Schicker zeigen euch einige schöne Lines.

VERÖFFENTLICHT 27.02.2015
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