Eco-friendly Surftrip to Capbreton, France

Gibt es sowas wie umweltfreundliches Surfen für BinnenländerInnen und macht das dann noch Spass?
Ich hoffe, das Bild wirkt nun nicht gleich zu sexistisch – als Gender-Fail... Doch es bleibt ein doppelt schöner Ausblick, dem man(n) sich kaum entziehen kann; dabei stecken die Füsse im warmen Sand vergraben und eine Hand hält das kühlende «Fyrabebier».
«Grüne» Touris am Meer

Ride Greener im Winter ist das eine:
Möglichst ökologisch produzierte Ausrüstung ergattern, diese so lange wie möglich zu Boden shredden, bis nur noch Fetzen übrig bleiben oder vorher weitergeben – wenn man aus technischen Gründen vielleicht neue Shapes bevorzugt; ÖV; hiken; sich biologisch und mit möglichst wenig tierischen Produkten ernähren - das kennen wir alles, so weit so gut.
Doch was, wenn man nun für seine bevorzugte Aktivität weiter reisen muss, Busse und Züge vielleicht keinen Transport der Ausrüstung garantieren können und man sich am Meer ohne Auto hilflos unflexibel fühlt?

Je nach Saison realtiv einfach:
In der Vorbereitungsphase waren wir uns auch lange nicht sicher, ob dann schlussendlich alles klappen würde... Doch nach ersten Enttäuschungen oder nicht zufriedenstellenden Kommunikationsversuchen, haben wir die (ausländischen) Transportunternehmen so lange mit Fragen genervt, bis wir eine schriftlich Bestätigung von einem Dude kriegten, dass wir Surfboards im Bus mitnehmen dürften.
Im Hochsommer und an Wochenenden wäre dies allenfalls nicht möglich, doch wenn man sich entsprechend anpassen kann – wir reisten gegen Ende August bis Anfang September – sollten auch zwei bis drei grössere «Gepäckstücke» (Pro Bus – dringend informieren!) easy drin liegen.
In Frankreich selbst am Meer ist dann eh alles ein Stück entspannter, z.B. die (teils gratis!) Ortsbusse um Capbreton sind bestens für Transporte wie Velos und Surfboards ausgerüstet.

Der alltägliche Ride mit dem Mietvelo Richtung Strand – wenn man sich nicht sicher ist, ob's guten Surf gibt entsprechend mit weiteren Spielzeugen ausgerüstet... Foto: GoPro/ Lilin
Eine entschleunigte Reise in wirklich erholsame Ferien.

Nach einigen Jahren Abstinenz – weil ich es aus unterschiedlichen Gründen einfach satt hatte selbst so lange Auto zu fahren – hat mich meine Freundin dank ihren Recherchen und einer einwandfreien Organisation quasi überreden können, doch wieder mal an die französische Atlantikküste zu reisen.
Lange habe ich mich – aus Faulheit und «Prinzip» – gegen Surftrips ohne PW gewehrt, weil ich das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu pessimistisch eingeschätzt habe.
Doch Sie wollte mich unbedingt eines besseren belehren, was ihr schlussendlich sehr gut gelungen ist! Sie hat verschiedenste AirB'n'B-Appartments abgechecked, mir von günstigen Beach Bikes erzählt, die man bei bedarf mieten könne, Fahrpläne in alle Richtungen ausgedruckt etc...

Schlussendlich sind wir – leicht nervös – zusammen losgezogen und haben eine aufregende Reise intensiv geniessen können, sind dann trotz nächtlichen Zwischenhalten und Wartezeiten viel entspannter am Meer angekommen, als wie üblich gewohnt erschöpft nach qualvollen Autofahrten.

In aller Herrgotts-Frühe an einem fremden Bahnhof, wo die Stadt langsam erwacht, wird man vor der Hitze am ersten Ferientag gewarnt – eine nette Willkommensgeste. Foto: © Kesti/ TLF
Es ist an der Zeit, sich Zeit zu nehmen

Angesichts der sich anbahnenden und bereits realen Katastrophen, mit welchen die BewohnerInnen dieses Planeten dealen müssen, ist es uns leicht gefallen, mal eine andere Art von Fortbewegungsmitteln zu wählen – ohne dabei auf unser Ziel, eine geliebte Tätigkeit verzichten zu müssen. Nur für unsere ganz persönliche Belustigung einen beträchtlichen CO2-Fussabruck in Kauf zu nehmen, wollten wir nicht mehr länger verantworten. Hinterlässt doch eine Reise, wie wir sie schon mehrmals gemacht haben in einem vergleichbaren Zeitrahmen, nach einer groben Rechnung mit 4000km Fahrt – Frankreich, Mitte Nordspanien, Frankreich plus lokales Hin und Her – mit einfachem PW rund eine Tonne Co2 in der Luft!

Klar haben wir mit Bus und Zug auch einen gewissen Impact, doch dieser ist mehr als 10 Mal kleiner! Und: Es muss je nach Lebenslage und Bedürfnis eben auch nicht zwingend jedes Jahr ein oder mehrere Male richtung Meer gehen – wir haben mittlerweile auch andere nette Feriendestinationen und -Aktivitäten entdeckt aufgrund des bewussten Verzichts in jüngerer Vergangenheit.
Doch schlussendlich – gerade wenn der Surftrip nicht mehr eine Selbstverständlichkeit ist – haben wir es unglaublich geschätzt das Beachlife geniessen zu dürfen und die Reise sicher noch intensiver erlebt!

Die Busfahrt von Genf nach Bayonne war in vielerlei Hinsicht ein Reality-Check:
Die Reisegeschwindigkeit, der Kontakt mit den Leuten, die nicht nur zum Vergnügen rumreisen, das Spüren, was man alles so mit sich schleppt und folglich auch das Fazit, was man davon wirklich braucht.
Die fahrt mit dem Mietvelo war am frühen Morgen jeweils ein ideales Warmup und man fühlte sich ein bisschen weniger als "fremder" Tourist, wenn man mit dem Board unter'm Arm auf die Düne hoch pedalen konnte.

Capbreton ist nicht nur «sportlich», sondern auch geschichtlich und kulturell gesehen ein spannender Ort – auf diesem Bild kommt einiges zusammen... Fotos: Kesti/Lilin © TLF
«Schlechtwetter»-Programm (windig-kühl, noch grad trocken): Busfahrt nach Bayonne für 2 Euro! Funny Skatepark, easy Verbindungen weiter nach Biarritz/ Anglet. Back Tail über dem baskischen Druiden – als Belohnung gibt's eine Flasche Cidre auf'm Rückweg.
Surf, Skate, Musik, Kulinarisches, Beachlife und gesunder Schlaf

Insgesamt hatten wir wieder mal super Glück mit Swell und Wetter. Doch auch wenn's mal an einem Tag ein bisschen windig und kühler war, konnte man noch fein skaten im lokalen Bowl oder an einem der vielen Spots in nahegelegenen Dörfern/ Städten.
Während in Hossegor einiges läuft mit Livemusik in Bars und an kleinen Festivals findet man im lokalen Markt von Capbreton dreimal wöchentlich Stände mit günstigem, regionalen (Bio) Gemüse etc. Solche – für uns – bereichernden Aspekte erfährt man viel eher, und kostet sie dementsprechend aus, wenn nicht dauernd der nächste Spot ruft, mit wessen Besuch ein Auto lockt.
Wir haben es wirklich geschätzt, ohne hast stationär die Vorzüge eines günstigen Appartments und all die sich eröffnenden Möglichkeiten geniessen zu können, welche man im Leben auf vier Rädern, zwischen Strand und Supermarkt leicht verpassen kann.

Umweltfreundliches Reisen lohnt sich – auch finanziell

Der Winter steht ja vor der Tür, doch bis sich ein Ausflug in die Berge wirklich auszahlt und angenehm weiche Schneeverhältnisse zum Surfen für die Seele einladen, wird's wohl noch einige Wochen dauern.
Wenn ihr euch nun die Tarife für eine Tageskarte in Erinnerung ruft oder die effektiven Kosten für eine Zug oder Autofahrt aus der Stadt (wo doch viele LeserInnen wohnen dürften) berechnet, so kommt ihr doch schnell mal auf eine gute Summe für ein funky Weekend – oder gar eine Woche mir einfacher Übernachtungsmöglichkeit.
Im Vergleich dazu kann man ein günstiges Ticket erstehen, pro Weg (retour gebucht) durchschnittlich nur rund 50 Euro mit dem Bus von der Schweizer Grenze an den Atlantik oder zurück, in der Nebensaison auch billige Bleiben mieten, vor allem, wenn man sich unter ein paar FreundInnen 'was Einfaches teilt!
Die Wellen gibt's dann gratis oben drauf, aus 100% Sonnen- respektive Windenergie geformt...

Eco-friendly Surftrip - The Movie
Was man dort dann eben so alles erleben kann, haben wir versucht, einfachst fetzuhalten und spontan mit einer alten GoPro und kleinen Fotocam (welche nicht eigentlich für's Filmen gemacht ist) ab und zu draufgehalten.
Das Resultat ist ernüchternd – verschiedene Formate und schlechte Zeitraffer –, doch für ein nächstes Mal hätte ich also auch schon wieder einiges dazu gelernt für die Vorbereitung und den (hier holprigen) Schnitt.
Whatever, wer Lust hat, noch einmal gemütlich in ein gutes Stück Sommer einzutauchen, ist herzlich eingeladen, sich dafür zehn Minuten Zeit zu nehmen.
Die Reise ist bewusst (zu) lange gefeatured – wie es sich eben auch anfühlt im Zug, Bus und an den Halten dazwischen.
Ansonsten gibt's bescheiden Skateaction in diversen Parks, mehr um diese mit ihren Elementen zu zeigen – alles relativ nahe, bloss für einige Sessions haben uns dann Freunde noch ein paar Kilometer mit dem Auto mitgenommen.
Surfvideos gibt's genügend gute im Netz, es ging uns hier mehr um Emotionen, Stimmungen und schlussendlich ist der Clip eigentlich für unser Digitales Familienalbum gedacht; ich habe das Teil mit tiefen Ambitionen irgendwie durchgezogen und weiss um meine bescheidenen Skills...

Ride Greener, ob im Sommer oder Winter!

Herzlichen Dank allen Leuten, die uns unterstütz, den Aufenthalt versüsst und irgendwie zu dem gemacht haben, was er war: Ein grosser Genuss, ohne Stress oder negativ empfundenen Verzicht – sehr zu empfehlen!

THEMA News / Surf
VERÖFFENTLICHT 26.10.2016
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