Die Schweiz an den World Surfing Games

Ein exklusiver Einblick aus der Schweizer Equipe und ihrem Trip an die World Surfing Games in Peru.

«Dabeisein ist alles» oder vielleicht auch nicht – aber es ist definitiv eine ganze Menge wenn es um eine Weltmeisterschaft geht!

Im Surfen gibt es die ASP World Tour, wo jedes Jahr ein Weltmeister erkoren wird. Daneben gibt es die World Surfing Games (WSG), welche von der ISA organisiert werden. Die ISA ist die «International Surfing Association», sozusagen der Dachverband des Surfens Weltweit. Sie sind es die Surflehrer-Ausbildungen anbieten, Judges trainieren, und versuchen den Surfsport auf der ganzen Welt weiter zu bringen. Man könnte auch sagen, dass die WSG die Amateur Weltmeisterschaften sind. Es surfen zwar jedes Jahr einige Leute mit, die mit surfen ihr Lebensunterhalt verdienen, aber die meisten Teilnehmer arbeiten in einem «normalen» Job und surfen ist ihr Hobby und Passion. Und dann gibt es noch diejenigen für die es ein Sprungbrett ins Profi- Business sein soll.

Michael Zaugg in Action

Das die Schweiz da nicht mithalten kann ist weder Überraschung noch Schande. Es wird auch nicht von Australien, Brasilien oder Südafrika erwartet, das sie an einer Eishockey Weltmeisterschaft vorne mitspielen, oder ihre Skifahrer und den Weltcup kämpfen. Aber trotzdem sendet die Schweiz seit Jahren immer ein Team an die WSG, oder an andere internationale Wettkämpfe. Dies wäre nicht möglich ohne die Unterstützung von Sponsoren und mit Victorinox hat die Schweiz nicht nur einen langjährigen und grosszügigen Hauptsponsor, sondern auch einen der kaum authentischer sein könnte. Ein Taschenmesser hat wohl jeder auf seinen Reisen mit dabei und mehr «Swissness» geht nicht. Das Schweizer Team wird durch die Schweizermeisterschaft und zusätzliche Wildcards bestimmt. Es ist meistens eine Mischung durch alle Altersklassen und sowohl Surfern die in der Schweiz leben, sowie Auslandschweizern.

Philip findet eine Left

Das diesjährige Team bestand aus dem Zürcher Bene Sarkany, der das Team gemanaged hat, und selber mitgesurft ist, dem Zuger Pascal Christen, der den Grossteil des Jahres um die Welt reist und an allen möglichen und unmöglichen Orten surft, sowie Philipp Mappes, der seine Jugend auf Teneriffe verbracht hat und Michael Zaugg, der in Costa Rica als Sohn zweier Schweizer aufgewachsen ist. Dazu kam die Luzernerin Renate Bickel als weibliche Verstärkung mit lokalem Wissen, da sie seit sechs Jahren in Lima lebt, surft und ihre Jogaschule leitet.

Swiss boys and boards

World Surfing Games hört sich nach einer grossen Sache an, und das ist es auch! Die ISA hat mittlerweile fast einhundert Mitgliedsstaaten und Platz für Zweiunddreissig Teams um teilzunehmen. Dieses Jahr waren leider nur Dreiundzwanzig Länder dabei, aber auch das ist schon eine ganze Menge, und macht die Parade of the Nations zu einem unvergesslichen Erlebnis für alle beteiligten. Ob Patriot oder nicht, mit der Flagge seines Landes durch eine Fremde Hauptstadt zu gehen, und dabei von unbekannten Leuten bejubelt zu werden passiert nicht jeden Tag. Auch die Chance stellvertretend für alle Schweizer Surfer zu starten, und uns von unserer besten Seite zu zeigen ist etwas anderes, als in irgend einem line up dieser Welt rum zu paddeln, wo keiner weiss woher man kommt. Daher war die Nervosität bei den meisten von uns ziemlich hoch. Dies in Kombination mit relativ wenig Contest Erfahrung und starken Gegnern, hat es natürlich nicht einfach gemacht, sich durch die Runden zu surfen.

Da die Schweiz ein tiefes Seeding hat, treffen wir immer in den ersten Runden auf die top Nationen. Und so landeten alle fünf Schweizer gleich in der ersten Runde im Repechage. Die Repechage Round ist so zusagen eine zweite Chance und erst wer dort verliert ist raus. Dies ist, wo wir auf andere tiefer geseedete Nationen treffen können, und wo die Schweiz sich normalerweise noch einige Ränge nach vorne surft. So reichte es für zwei der Männer bis Runde zwei, und die anderen beiden kamen bis ins dritte Repechage. Aber wie gesagt, dies ist eine Weltmeisterschaft, und egal ob Repechage oder Main-Round, schwache Gegner gibt es hier selten. So war es die Mischung aus Nervosität und Gegnern, die einfach zu stark waren, die uns aus dem Rennen warf. Aber auch genauso die fehlende Erfahrung in grossen Wettkämpfen. Andere Athleten hier surfen ihr Leben lang und messen sich alle paar Wochen oder Monate mit anderen. Für sie ist Competition-Surfen etwas ganz alltägliches.

Auch bei unserer einzigen Frau Reni, war es am Schluss die fehlende Wettkampferfahrung, welche ein frühes Aus für sie bedeutete. Sie kannte die Welle gut, und hat sich in den grossen Bedingungen sichtlich wohl gefühlt. Und hätte die fehlende Wettkampferfahrung sie nicht zu einem unnötigen Fehler verleitet, so wäre sie sicher noch einige Runden nach vorne gesurft. Aber so ist Wettkampfsurfen nunmal. Derjenige, der in zwanzig Minuten am meisten Punkte mit zwei Wellen sammelt, gewinnt. Punkt und fertig.

Reni fühlt sich in den grossen Wellen zu Hause

Schlussendlich war das Schweizer Team auf dem fünfzehnten Rang, Immerhin haben wir Schottland hinter uns gelassen, die mit einem kompletten Team von sechs Surfern da waren, und gute Wellen in ihrem Land haben. Genauso einige Nationen mit top Wellen, aber ohne komplette Teams.

Das Endergebnis ist eine Zahl die in den Büchern steht, aber die Erinnerungen die in unseren Köpfen bleibt ist mehr wert, als ein ersurftes Topseeding für das kommende Jahr. Zumindest für uns fünf, die in Peru dabei sein durften. Natürlich waren wir enttäuscht nach einem verlorenen Heat und natürlich hätten wir lieber unser bestes Surfen gezeigt. Unser Surfen ganz ohne Nervosität und Zeitdruck, aber das sind Dinge die mit den Wellen der Tage nach dem Ausscheiden weggewaschen wurden. Aber die Erlebnisse und Erinnerungen bleiben.

Wir haben vielleicht mit unseren Ergebnissen nur selten für eine Überraschung gesorgt, dafür konnten wir als respektvolle und freundlich Nation im Wasser auftreten, sowie als kulturell interessiere, weltoffene und multi-linguale an Land. Ein Bild vom Schweizer Surfer, das wir gerne so in die Welt tragen, und das Türen und Tore öffnet. Nicht nur für uns, sondern auch für jeden Schweizer Surfer für den wir stellvertretend dort waren. Und für jeden Schweizer Surfer, der dieses Bild weiterhin auf seinen Reisen prägen will und wird. Ob er jetzt im Wasser sitzt und alle Setwellen abbekommt, oder ob er als Anfänger in den kleinen Wellen Spass hat spielt dabei keine Rolle.

Die Schweiz ist eine Insel in Europa und nicht im Pazifik. Wir müssen nicht wie Hawaiianer surfen, aber wir können als gute Gäste auftreten und wahrgenommen werden. Und solange der Meeresspiegel nicht erheblich steigt, sind wir immer Gäste wenn wir das Surfbrett unter den Füssen haben, ausser natürlich in unseren Flüssen. Das sollten wir in unseren Köpfen bewahren, wenn wir das nächste mal in einem fremden Land Gast sind. Wir sind normalerweise gerngesehene Gäste, und solange wir das auch bleiben, bekommen wir auch Wellen, egal wo auf der Welt.

Bene, normalerweise auf den Flüssen der Schweiz zu finden, fand hier eine Perle in Peru

Um auch Teil der Schweizer Surf Szene zu werden oder stärker involviert zu sein, like die Facebook-Page der SSA und checked unsere Homepage waveriding.ch aus. So bleibst du auf dem Laufenden und am besten kommst du im nächsten Herbst an die Schweizermeisterschaft in Spanien. Und wer weiss, vielleicht bist gerade du es, der die Schweiz das nächste mal international vertreten kann und der Welt zeigt, dass es in der Schweiz nicht nur gute Uhren und Schokolade gibt, sondern auch gute Surfer.

VERÖFFENTLICHT 11.11.2014
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