Darf ich vorstellen: Ultimate Freeride Surfboards!

Endlich gibt's Bretter, die speziell für den deep Pow gebaut sind.
Drowning in Pow! Location Meringen-Hasliberg. © Zimtstern by Howzee

Heuer kann man den Schnee nicht nur sehen, sondern auch riechen – pünktlich als Motivation nach dem freestyle.ch, sind schon unter 2000M.ü.M. frisch verzuckerte Peaks und Faces zu sehen.

Auf den Gletschern kann man bereits vorsichtig – zumindest am Pistenrand – erste Sprays in die Lüfte zaubern und vielleicht gar mal eine Wächte hinter einer Pipewall zerstören. In solchen Momenten merkt man dann wieder, worum's beim Snowboarden eigentlich geht und mit wie wenig technischen Skills und Risikobereitschaft in Stunts man doch eigentlich am ursprünglichen Surfen im Schnee Freude haben kann, was sich an den Maulecken widerspiegelt.

Wo «Rocker» eigentlich gerockt werden sollten

Es ist wirklich unglaublich, was in den letzten 5 Jahren alles gelaufen ist in der Entwicklung der Bretter, auf welche ich hier kurz eingehen möchte. Von mir aus gesehen nicht nur Positives, einige Marken haben wohl zwecks (Marketing-) Strategien den Bogen oder eben ihre Boards über- resp. unterspannt...
Da gibt's Shapes zu sehen, welche gänzlich unnatürlich wirken und sich dann auch so anfühlen, obschon man sich das eine oder andere Feature sicher «gutreden» kann, weil Snowboarden an sich (im Tiefschnee) immer Spass macht. Doch dass es gewaltige Unterschiede gibt und das ultimative Fahrvergnügen mit einer perfekt abgestimmten Powderrakete ein ganz anderes Erlebnis bringen kann, merkt man erst, wenn man sich der Versuchung nicht entzieht und mal ein paar Formen auscheckt!
Auch in Freeride-Kreisen ist man sich nicht einig, was schlussendlich im Verhälntnis zum Rider die ideale Länge und Breite eines Boards sein soll. Dies darf auch durchaus Geschmackssache bleiben, denn jedeR hat andere Anforderungen, einen persönlichen Fahrstil und sein Level. Doch grundsätzlich ist es sicher gut zu wissen, dass es nun endlich Optionen gibt, Material unter die Füsse zu bekommen, welches wirklich in erster Linie auf's Backcountry abgestimmt und nicht einfach «nur» All Mountain tauglich ist. Denn rein physikalisch gesehen ist es ja gar nicht möglich, ein Brett zu konstruieren, welches im harten Schnee perfekt greift und dich z.B. zügig durch eine eisige Pipe führt, kurz genug ist, um sehr agil jibben zu können und dann im Pow doch maximalen Auftrieb und den nötgien Flex zu bieten hat... So offensichtlich dies klingen mag, es werden dir gewisse übereifrige Verkäufer was anderes erzählen wollen!
Langer Rede, kurzer Sinn – hier meine Tips:

Camber Boards (klassischer Vorspann) haben durchaus noch ihre Berechtigung. Falls du eins hast, dass dir noch taugt, lass doch den Belag wenn nötig mal wieder flicken, sauber abschleifen, Kanten schärfen und es wird dir auf der Piste oder vielleicht sogar bei Frühlingstouren auf Firn, hartem Schnee bis wenig Sulz beste Dienste leisten! Da es vielleicht noch eher schmal ist, kriegst du mit wenig kraft viel Druck auf die Kante. Es ist wendig, schnell und direkt in der Schwungauslösung. Spätestens wenn nun aber richtig dick Fresh liegt, werden diese Eigenschaften schnell zu Nachteilen. Dein Board ist zu «radikal», gräbt sich oft ungewollt in die Schneedecke, anstatt auf ihr zu floaten – was wir doch eigentlich möchten – unsaubere Landungen bringen dich sofort zu Fall, während dem dir ein breites Brett extrem viel verzeihen kann, dank «schlechterer» Hebelwirkung. Mag sein, dass dich bei ersten Versuchen die träge Umsetzung deiner Bewegungen stört, auch Traversen können ziemlich anstrengend werden, wenn du auf härterem Grund, z.B. in Spuren fährst. Wenn du dich aber auf die positiven Aspekt konzentrierst und merkst, dass eben gerade in so einer Situation deine Zehen oder Heelcups nicht mehr «anhängen»/ bremsen, du beim Vorspuren ganz andere Lines erreichen kannst und auch in flächeren Passagen noch herrlich am Gleiten bist, während andere schon lange zum Stillstand gekommen sind – spätestens dann lernst du jeden quadratzentimeter Fläche unter deinen Füssen zu schätzen! Wenn du dazu noch eine endlose, Surfboard-artige Nose hast, die sich dank einem flachen, smoothen Rocker – optimalerweise unter deinem vorderen Fuss startend – ohne Anstrengung schon mit wenig Speed an die Oberfläche hebt, merkst du, dass eigentlich viel mehr Kraft gespart als verpufft wird.

«Whish you were here» wird's bald wieder auf den einen oder anderen Blogs zynisch heissen, ob Facebook oder Instagram – die Kollegen im Büro werden leiden! by www.davidbirri.com

Top 3 für den Winter 2013/14

Folgende Bretter sind im Pow (und Slush!) sicher manchen herkömmlichen Modellen weit überlegen und haben es darum auf's «Treppchen» von würdigen, echten Freerideboards geschafft:

Slackcountry 165 super wide!

1. Mutige Schritte bei RIDE

Nach jahrelangem Missionieren bei der Marke meines Vertrauens, konnte gar ein kleiner Schweizer den grossen Amibrand überzeugen, endlich richtig fette Boards zu bauen – die hartnäckige Arbeit hat sich gelohnt! Nachdem das altbewährte Slackcountry zwar vom Rockershape her und mit seiner Länge überzeugt hat, stand für mich die geringe Breite von 26cm (waist width) im Wiederspruch zu seiner Bestimmung: 95% off-piste! So griff ich stets lieber zum Highlife, welches eine direktionale Rakete ist, ziemlich hart im flex aber auch im «nehmen» – highspeed fun und auch auf Piste, in der Pipe oder Park auf fetten Hits noch bestens tauglich. Doch freue ich mich nun wirklich extrem über die Geburt des kleinen dicken Bruders, der sich dann switch besser landen und leichter manöverieren lässt, vor allem aber maximalen Float bieten wird. Auch wenn's nur wenig Fresh hat, teste mal so'ne Maschine und du wirst erstaunt sein, wie viel eher man das Gefühl vom «schweben» hat in surfigen Turns! Das 65er super wide mit satten 28.2 in der Mitte wird zu einem neu tieferen Preis erschwinglich sein! Das ist mehr als win-win für dich – mehr Board für weniger Geld, mit dem Topsheet aus Hanf hast du auch leichtes, ökologisch sinnvolles Material drin, dass dir nachhaltig treue Dienste leisten kann. Zwischen den Bindungen hast du eine stabile flache Zone, damit's dich nicht zwischen Pillows einfach nach hinten rausspuckt, im Tip wie gesagt einen fetten Rocker, im Tail ein bisschen weniger, doch eben praktisch twin. Der Sidecut ist so angepasst, dass du auch beim Variantenfahren auf der Piste noch sauber carven kannst oder in harten Passagen eines Freerides sicher genügend Kante im Schnee/ Eis hast! Du kannst auch hier noch mit den Insert-Optionen spielen – maximales Setback und vielleicht direktionale(re) Winkel können je nach Lust und Laune wieder andere Qualitäten hervorrufen – je nach tuning hast du hier praktisch einen Allrounder für's Backcounty, verspielt, surfy bis highspeed gun.

Gentemstick sind definitiv die Rolls Royce unter den Schneesurfbrettern... Hier nur eine kleine Auswahl der fettesten Modelle, welche endlich auf die Masse kommen, mit welchen ich schon lange liebäugle!

2. Der Fish

Je nach Fahrstil, Skills und Anteil Seele in deinem Schneesurfen gönnst du dir aber vielleicht gar einen Fish, der dich super natürlich auf deinem Deck stehen lässt, ohne andauernd verkrampft zurücklehnen zu müssen, was dir dein Rücken danken wird!

Taro Tamai ist eine lebende Legende, der in Japan seit vielen Jahren Boards entwickelt, welche den einzigartigen Schnee dort mühelos überfliegen. Die Beispiele hier repräsentieren nur einen kleinen Teil seiner wunderschönen Kollektion, sind aber für Europäer, welche – nicht nur wortwörtlich – eher auf gossem Fuss leben sicher die interessantesten. Checkt mal die Specs, da hört auch der letzte, in seinen Zahlen gefangene, sture Händler auf, mit Schuhgrössen zu argumentieren, wenn unsere Asiatischen Kollegen mit ihren kurzen Boots diese Teile rocken! Wunderschöne Handarbeit mit möglichst viel Holz, wenig Schnickschnack, dafür umso mehr Liebe gebaut. 1% for the planet ist für sie selbstverständlich progamm, 100% float ebenso garantiert – wer sich dies leisten kann, tut definitiv sich selbst, einem unterstützenswerten Betrieb und der Welt was Gutes... Viel mehr gibt's dazu nicht zu sagen, den japanischen Meister zu googeln lohnt sich.

Ob als Classic oder Split – ultrasmooth und schnell!

3. Für die echten Powderhounds unter euch

Wer sich wirklich selbst einen «powderhound» nennt und nur rausgeht, wenn's auch ordentlich gedumpt hat, dem möchten wir folgendes Schmuckstück nicht vorenthalten. Vor diesem Modell gab es kaum ernst zu nehmende «reverse camber» Boards auf dem Markt.

Mark Fawcett ist Snowboarder, Skateboarder und Surfer mit Leib und Seele, dies seit 1985! Er hat in seiner hauptsächlich alpinen Karriere schon Rennen gewonnen, als einige der LeserInnen hier vielleicht noch nicht mal auf der Welt waren und steht immer noch auf Podesten von Banked Slaloms. Er ist einerseits Coach vom Kanadischen Racing Team, andererseits tauscht er aber liebend gern auch die harten Boots und Boards gegen seine eigenen Modelle, welche dann eben das exakte Gegenteil sind von einem Brett, dass sich möglichst aggressiv durch Kunstschnee beissen soll. Keine harten Übergänge, kein Punkt, wo sich die Nose in's auch noch so weiche Weiss fressen könnte – wirklich ein verdammtes Surfboard für die kalte Jahreszeit, nur dass es hinten raus auch noch einen leichten Camber hat, um Windlips ordentlich und mit viel druck slashen zu können... Mark arbeitet – nebst Entwicklung mit Kessler in der Schweiz – für seinen eigenen Brand mit einem Skateboardproduzenten zusammen, wo sie gemeinsam lokales, kanadisches Holz zu feinsten Brettern verarbeiten, darunter auch «Woodies», welche im Schnee mit oder ohne Bindung gefahren werden können. Sie brauchen diese im skatedeckstyle gebauten multyply s(n)urfer ohne Stahlkanten auch als einfachste Splitboards – back to the Roots!

Sind Rockerboards nicht zum Jibben entwickelt worden?

Der Klassische Vorspann ist eigentlich erst durch den Einfluss der Skiindustrie ins Snowboarden gekommen, lange bevor man mit Schneesportgeräten Rails bezwungen hat... Zuvor war «Rocker» Standard, da man auch im kalten Weiss eher surfen wollte als etwas anderes! Die zweite Welle in der Snöbiproduktion wurde erstaunlich oft in den Park und auf die Strasse übertragen, da halt diverse Tricks auf dem Geländer sportlicher aussehen mit einer «Banane», doch wer in Pipe und meist auch Slopestyle die Nase vorne hat, setzt, beziehungsweise steht, nach wie vor auf Camber. Wie auch immer, ich hoffe mit diesen Links und Infos euren Horizont ein wenig erweitern zu können, hört nie auf zu testen, spielen aber auch einfach Gas zu geben – egal auf welchem Board!

VERÖFFENTLICHT 25.09.2013
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