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D.I.Y. Splitboard Experience

Reto Kestenholz erklärt dir an seinem Beispiel, wie man ein Splittboard baut.
Zumindest bei einfachen Bedingungen auf kurzen Testtouren hat sich mein Material und die Verarbeitung schonmal bestens bewährt! Foto: Janina Heckmann

Das Warten hat sich gelohnt. Ich habe schon lange damit geliebäugelt, mir ein Set zu ergattern, mit welchem ich mir endlich auch ein Splitboard zusammenbasteln könnte. Heute ist die Entwicklung soweit, dass es richtig Spass macht, Felle innert kürzester Zeit aufzukleben und Bindungen vom Tourenmodus in die gewohnte Rideposition umzustellen! Und selbst mit dem D.I.Y. Board, hatte ich grösstes Fahrvergnügen auf Anhieb, was nicht selbstverständlich ist, mit den «fremden» Komponenten oben drauf.

Wann ist es die Arbeit mit welchem Material wert?

Der erste und härteste Schritt: Ein präziser Schnitt!
Verwende wenn möglich qualitativ hochstehende Ware

Schweren Herzens habe ich ein gebrauchtes, doch noch gut intaktes Board «geopfert», dass leider nicht mehr in dieser Länge produziert wird und Seinesgleichen sucht... Doch es ist mir wichtig, dass auch offpiste ein Board einigermassen gut läuft und Kanten in heiklen Situationen zuverlässig greifen. Darum habe ich mich gegen ein völlig vertrashtes Teil entschieden, denn der Aufwand ist dann doch zu gross, als dass man sich immer wieder mal einer neuen Montage widmen möchte – das Endprodukt muss «verhäbe».

Ich denke mein neues Splitty dürfte mir nun einige Jahre grosse Freude bereiten, da ich ja auch nicht immer nur auf Tour unterwegs bin. Es macht auf jeden Fall Sinn, sich als Laie von Fachleuten beraten und helfen zu lassen, statt sich Hals über Kopf in eine schlecht eingerichtete «Heimwerkstatt» zu stürzen. Gute Maschinen und Werkzeuge sind das A und O für ein sauberes Splitboard.

Ich habe mich diesbezüglich an einem alten Freund und absoluten Profi im Boardbau gewendet, Reto Neiger von Zensnow. In seinen zwei Produktionsräumen in Matten bei Interlaken baut er die Tage wieder fleissig einzigartige Customboards, die ihresgleichen suchen – über 160 Stück Erfahrung hat er in seinen Händen und im smarten Kopf. Er ist ein gewitzter Tüftler und somit weit mehr als ein Bastler, findet immer eine Lösung für allfällige Probleme, die beim Splitten früher oder später auftauchen werden. Nebenbei experimentiert er übrigens mit Pascal «PI» Imhof auch an ultraleichten Splitboards, die sie gemeinsam von Grund auf neu bauen, was auch teilweise parallel zu meinem Vorhaben gelaufen ist.

Mein Material

RIDE Highlife UL 172 wide, Karakoram PRIME1, Splitboardclips und ebenfalls Tip and Tail Clips von Karakoram. Dazu ein Contour Splitboard Fell und Harscheisen.

Vorbereitung für eine saubere «Versiegelung» des gespaltenen Holzkerns, damit dieser keine Feuchtigkeit aufsaugen kann.
Die verschiedenen Schritte und wichtigen Details beim D.I.Y. Bau

Kurz nach acht Uhr morgens treffe ich im Zen-Headquarter Marius, den fleissigen Gehilfen vom überlasteten Meister Neiger. Es geht nicht lange und wir fahren schon grobes Geschütz auf – mit der von einer Schiene geführten Fräse wird mein Brett sorgfältig halbiert. Wir überlegen kurz, ob wir sogar noch Kanten einbauen wollen, was theoretisch evtl. möglich gewesen wäre, doch entscheiden uns dann aus verschiedenen Gründen dagegen. Wir widmen uns trotzdem der frisch aufgesägten Seite des Boards, wo wir gut einen Millimeter Holz rausschleifen und -schneiden, damit diese «offene Wunde» mittels Zweikomponentenkleber wasserdicht gemacht werden kann. Harz schützt den saugfähigen Kern, der nicht Wasser ziehen darf.

Bohrungen für Inserts sind je nach Innenleben eines Bretts sehr tükisch, ebenfall in ihrer Reihenfolge und Tiefe.

Dass dieser aber nicht nur aus purem Holz besteht, sondern für Gewichteinsparung teilweise auch noch mit einer Art Schaum produziert worden ist, erschwerte uns die Lochung für die Inserts. Übrigens: Falls du keine mitgeliefert oder beim Kauf in einem Geschäft in die Finger gedrückt erhalten hast, unbedingt Schablonen ausdrucken – das erleichtert einiges! Wir haben mit einem 1 mm ∅ Bohrer vom Deckblatt her angefangen und damit eine gute Zentrierung in der Base erreicht, um dort mit einem 20er eine Versenkung für die Inserts zu machen. Da wirds aber schon tricky, wenn man's einfach aus der Hand raus versucht – eine Standbohrmaschine mit Anschlag wäre empfehlenswert! Dann je nach Insert nochmal von oben her mit entsprechender Grösse Bohren, wobei es uns eben durch die unterschiedlich dichten Materialien oft die nicht fixierte Maschine verzogen hat... Doch leichte Korrekturen mit einer Rundfeile sind zur Not erlaubt.

Ein Detail – Tip vom Zen-Meister – Restwachs auf dem Belag kann von Vorteil und hilfreich sein, um Kleberrückstände etc. einfacher entfernen zu können!

Schlussendlich haben wir eh wieder mit 2K-Kleber die Löcher leicht «ausgegossen», bevor die Inserts platziert und wenn nötig ausgerichtet worden sind. Dies bedingt dann allerdings von Seite Topsheet her wiederum einen Arbeitsschritt – zum Beispiel mit einem Senkkopfbohrer – um Rückstände zu entfernen. Allenfalls kann man gar mit einem Gewindeschneider noch sicher stellen, dass sich die Schrauben smooth reindrehen lassen. Zu guter Letzt werden dann idealerweise mit ausgestanzten Belagsstücken noch wieder die Inserts von unten her gedeckt und bündig mit der Base verleimt, was gar nicht so einfach ist. Es gibt aber auch schon vorgefertigte, mit Belag versehene Inserts, was auf jeden Fall einiges erleichtern kann – wohl fast nur in Webshops zu finden.

Anlaufstellen für professionelle Hilfe

Zensnow biete ja auch grundsätzlich Workshops an, wo du an deinem massgeschneiderten Brett mitbauen kannst. Bis jetzt ist die Mutation von einem bestehenden Brett in ein Splitboard nicht offiziell im Angebot, doch nach mündlicher Bestätigung wäre Reto Neiger ab März offen für «begleitetes Umbauen» – vorher ist er wohl noch busy mit Bestellungen und eigenen Experimenten –, einfach ungeniert Kontakt aufnehmen.

Es gibt auch sonst noch hie und da Custom Board Tüftler in der Schweiz, welche wohl ähnlich ausgerüstet und motiviert wären oder sicher auch unter euch begabte HandwerkerInnen, die einen Versuch an solch einem Vorhaben nicht scheuen müssen. Für Hobbybastler – wie ich einer bin – empfiehlt sich aber auf jeden Fall eine Werkstatt anzusteuern, die mit diversen Maschinen und Gadgets gerüstet ist – es geht schnell mal 'was schief oder fehlen die effizientesten Arbeitsgeräte!

Interessierte, welche im Nordosten des Landes wohnen und die schneller über die Grenze sind, als irgendwo mitten in der Schweiz, gibt es das Projekt Split Hike Ride. Die Jungs sind sehr sympathisch und freuen sich ebenfalls über Anfragen und Kontaktaufnahme generell, haben super viel Erfahrung und helfen gerne, ob beim Bau oder auf Tour – eine äusserst angenehme Community!

Gipfelbild nach dem ersten, angenehmen Aufstieg mit der neuen Ausrüstung, vor einem netten Run im Powder von Grindelwald. Den findet man im Firstgebiet oft nur dank Steighilfen nicht allzuweit von den Liften entfernt.
Pro und Kontra für das System von Karakoram

Nachdem ich mit vielen erfahrenen Splitboardern über die verschiedenen Anbieter von Bindungen gesprochen habe, entschied ich mich nun klar für das «Luxusmodell» von Karakoram. Dafür muss man zwar schon deutlich tiefer in die Tasche greifen, doch man kriegt dann halt einfach auch mehr, weiss, was man hat und woher es kommt.

Die Gebrüder Kloster und ihr Team entwickeln und produzieren ihre Ware in den USA – was ihnen sehr wichtig ist –, ihr System wird nach eigenen Angaben wirklich noch von Snowboardern für Snowboarder gemacht, all ihre Mitarbeiter sind selbst begeisterte Rider. In ihrer neuen Bindung fühle ich kaum einen Unterschied zu einer konventionellen Freestylefixation, die Straps sind angenehm und man hat die wichtigsten Möglichkeiten zum Anpassen auf den persönlichen Fahrstil und Stance. Nur ist das Sizing leider doch heikel, wenn man nicht eher schmale Boots hat. Da empfehle ich vor dem Kauf schon mal mit dem eigenen Schuh zu testen, was wirklich passt! Ein L ist eigentlich von der Länge her erst ab Schuhgrössen deutlich über 45 zu empfehlen – bei anderen Brands ist die Range wiederum völlig anders angesetzt!

Das Handling beim Umbau vom Ride zum Hike Modus und umgekehrt ist wirklich super easy und schnell, spezielle Funktionen, wie «Heel Lock» – für's fixierte Skaten wie auf Skiern über Flächen etc. – unterstreichen, dass die Jungs oft einen Schritt weitern denken. Auch Harscheisen würde ich empfehlen mitzukaufen, die sind im Nu eingehängt und bewegen sich mit dem Fuss hoch und runter, gegenüber anderen Anbietern.

Egal welches Bindungssystem man sich gönnt, ich würde unbedingt raten die Splitboardclips von Karakoram für's Zusammenziehen und Stabilisieren der Bretthälften zu verwenden, was weit verbreitet und oft auch von Splitboardherstellern schon eingebaut ist. Aber Achtung: Dazu auch die Boardclip Hardware bestellen, denn normalerweise werden die Clips ohne Schrauben geliefert! Dabei ist ein Gewinde nahe an der Schnalle eingefräst und nicht M5 kompatibel, was ziemlich nerven kann – wir haben dann ein metrisches Gewinde reingeschnitten...

Ich denke auch mit dem Splitboard lässt sich ordentlich Schnee bewegen und dürften ähnliche Bilder möglich sein – in der Stabilität sehe ich kein Problem! Foto: David Birri
MERCI!!!

Dank guter Beratung von Splitboards 4 Europe – welche neben den verschiedenen Systemen, speziell für's Backcountry geshapten Komplettboards und allem erforderlichen Zubehör auch Tests und Camps anbieten – bin ich nun wirklich super happy, auch zum Kreise der Eingeweihten zu gehören. Es ist halt schon was ganz anderes, wenn man mit «Schritten» oder eben gleitendem Vorwärtsschieben von über einem Meter pro Move zügig durch flachere Parts eines Aufstiegs kommt, als wenn man die Schneeschuhe weit hoch hieven muss, weil man oft auch viel tiefer einsinkt. Auch der Aufwand der Montage von Fellen ist halb so wild, wie früher befürchtet, mit dem Contour Klettsystem, das mich voll flasht – keine Ahnung was es da noch alles für kluge Anbieter gibt.

Fazit ist sicher, dass nun die Entwicklung so weit ist in der Industrie, dass es sich definitiv lohnt, einen Versuch in der Splitwelt zu wagen! Die Investition in eine Top-Ausrüstung mit einfachem Handling zahlt sich aus, zum Beispiel wenn auf einem eh schon kühlen Gipfel vielleicht noch ein fieser Wind weht und du doch lieber vor der SAC Tourengruppe in dein Face droppen möchtest...

Ride on, but Ride Greener. Checked im Link die Splitboard and Touring Days von Ride Greener und für alle Kurzentschlossenen gibt es dieses Wochenende das eeloa-Splitboardcamp Kleinwassertal.

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VERÖFFENTLICHT 08.01.2015
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