wir alle kennen ihn. nicht nur, weil sein bruder ueli für ovomaltine gemodelt hat, sondern auch weil er noch immer einer der präsentesten schweizer snowboardpros ist. reto kestenholz. dieser name steht für vollgas und style, aber auch für kumpel und vorbild (nicht nur was das snowboarden angeht). anlässlich unseres screenshot magazins durften wir mit dem sympathischen thuner ein paar worte wechseln, wovon wir nun einen ausschnitt präsentieren.
reto, du bist beinahe das ganze jahr auf dem brett. hast du nie motivationsprobleme? Eigentlich nicht. Ich gönne mir meistens im Frühling sowie im Herbst je ein bis zwei Monate Pause. Zudem erhalte ich Motivation zumeist auf dem Snowboard selbst. Nirgends kann ich meinen Kopf besser durchlüften als auf dem Brett. Mein «Beruf» ist somit die beste Ablenkung.
Ablenkung von was? Schon seit längerem mache ich mir Gedanken, bezüglich des Weltgeschehens, wobei logischerweise nicht nur positive Aspekte Einzug erhalten. Mit der Kreativität, welche das Snowboarden bietet, ergeben sich mir immer wieder extreme Glücksmomente – diese bringen Distanz.
Man könnte kritisieren, dass du dich somit diesen Negativaspekten nicht stellst, sondern mit dem Snowboarden das Weite suchst. Bezüglich sozial-, politischen Ungerechtigkeiten ist das vielleicht ein Stück weit so. Dennoch versuche ich stets mein Alltagsleben zu optimieren. Wenig Energie verbrauchen, Zerstörungen mit meiner Existenz vermeiden und nicht zuletzt auch eine saubere Natur hinterlassen. Ich denke, das ist die Aufgabe eines jeden.
Was hast du für einen Verschleiss an Snowboards pro Saison? In der Regel fünf bis zehn Bretter. Ich versuche diese dann auch immer so lange zu fahren, bis es wirklich nicht mehr möglich ist. Dazu gehört auch die Belag- und Kantenpflege, welche ich mir regelmässig vornehme. Sonst habe ich immer noch ein paar Freunde, welche die Bretter gerne «zu Ende» fahren.
Kommen wir zum aktuellen Level in der Szene. Doublecorks sind der neue Schlüssel zum Contestgewinn. Sind sie auch für dich ein Thema? Nein, nicht wirklich. Während meinen jungen Jahren wollte ich auch möglichst viel «spinnen» und «flippen», inzwischen ist dieses Thema jedoch gegessen. Nicht zuletzt auch, weil mein Körper nicht mehr alles zulässt. Ich nutze Airtime viel lieber, um möglichst lange zu graben, bonen und zu tweaken. So kann ich einen Trick viel intensiver erleben und geniessen. Es gibt so viele einfache Tricks, die nach wie vor unheimlichen Spass bereiten.
Die auch nach wie vor Beachtung bei Judges finden sollten? Auf jeden Fall. Wenn in Zukunft neben den Double Cork-Geschichten nichts mehr zählt, wird dies die Freiheit des Snowboardens extrem einschränken. Meines Erachtens soll es immer noch so sein, dass vor allem die Kreativität des einzelnen Fahrers Punkte einbringt. Das Ziel eines Contests soll nicht sein, dass ein «bester Trick» das Mass der Dinge ist und dieser nun von allen nachgeahmt wird. Hierfür muss man vielleicht auch Contestmodi ändern, damit Flexibilität wieder mehr Einzug erhalten kann.